Dienstag, 6. August 2019

Die Umgestaltung DNIC

Hinweis an den geneigten Leser: Anscheinend drücke ich mich gerade vor einer unangenehmen Aufgabe, weshalb die Ausführungen etwas weitschweifig geworden sind. Man wird möglicherweise gelegentlich einen Absatz überspringen wollen.

Die Transfiguration (wörtlich: Umgestaltung, kirchendeutsch: Verklärung) unseres Herrn Jesu Christi (lateinisch: Domini Nostri Iesu Christi, abgekürzt DNIC) wurde in alter Zeit mit dem Gedächtnis der Martyrer Papst Xystus II., Felicissimus und Agapitus verbunden, weshalb [entsprechend den damaligen Rubriken] alle Gebete doppelt (also eins für das Fest der Verklärung, eins zum Gedächtnis an die Martyrer) besetzt waren.
Nach den neuen Regeln würde das geringere Gedenken einen Tag verschoben werden, weshalb in diesem besonderen Fall die Kirche in ihrer Weisheit das Fest der Heiligen Xystus II., Papst, und Gefährten, Martyrer gleich auf den 7. August verschoben hat, so dass wir uns ganz auf die Transfiguration konzentrieren können.

Vorweggenommen sei außerdem, dass früher jedes Jahr als Epistel 2. Petr 1,16-19 und als Evangelium Mt 17, 1-9 dran war, während neuerdings die Wahl zwischen den Lesungen aus Dan 7, 9-10.13-14 oder 2. Petr 1,16-19 besteht und das Evangelium durchwechselt: im Lesejahr A Mt 17, 1-9; im Lesejahr B Mk 9, 2-10 und im Lesejahr C Lk 9, 28b-36.

Das Tagesgebet hat (bis auf eine Streichung) den gleichen Anfang wie früher, die Bitte allerdings fällt deutlich nüchterner aus:

Tagesgebet (alt)
Deus, qui fidei sacramenta in Unigeniti tui gloriosa Transfiguratione patrum testimonio roborasti, et adoptionem filiorum perfectam, voce delapsa in nube lucida mirabiliter praesignasti: concede propitius; ut ipsius Regis gloriae nos coheredes efficias, et eiusdem gloriae tribuas esse consortes.
Tagesgebet (neu)
Deus, qui fídei sacraménta in Unigéniti tui gloriósa Transfiguratióne patrum testimónio roborásti, et adoptiónem filiórum perféctam mirabíliter præsignásti, concéde nobis fámulis tuis, ut, ipsíus dilécti Fílii tui vocem audiéntes, eiúsdem coherédes éffici mereámur.
Übersetzung
Gott, der du des Glaubens Sakramente in der ruhmvollen Umgestaltung deines Einziggezeugten durch das Zeugnis der Väter bekräftigt hast, und die vollkommene Anwahl als Kinder durch die niedergehende Stimme in der leuchtenden Wolke wunderbar vorherbezeichnet hat, gewähre
alt) gnädig, dass du uns zu Miterben jenes Königs der Herrlichkeit machst, und Gefährten der Herrlichkeit desselben sein lässt
neu) uns deinen Dienern, dass wir, die Stimme dieses deines geliebten Sohnes hörend, zu seinen Miterben gemacht zu werden verdienen.
Anmerkungen
  • In der gelöschten Passage „voce delapsa in nube lucida“ ist „voce delapsa“ aus 2. Petr 1,17, „nubes lucida“ aus Mt 17,5 – d.h. den Lesungen, die früher immer, heute gelegentlich zum Fest dran sind.
  • Falls der „König der Herrlichkeit“ eine Anspielung auf Psalm 24 (was man insoweit für plausibel halten kann, als es dort heißt „Wer darf hinaufziehn zum Berg des HERRN? … Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, die dein Angesicht suchen.“, was man auf die drei ausgewählten Jünger beziehen kann, die mit auf den Berg der Umgestaltung steigen durften, weil sie Gottes/Jesu Angesicht suchten.) ist, trägt der sonstige Inhalt des Psalms nicht zu [meiner] Erhellung bei.
  • Falls mit „Miterben des Königs der Herrlichkeit“ gemeint ist (wie die postkonziliare Bitte meinen machen kann, wenn man übersetzen wollte: „den Ruf an diesen deinen geliebten Sohn hörend“), dass der Ruf an den verklärten Jesus „dies ist mein geliebter Sohn“ auch uns gilt, geht das aus beiden Gebeten nur verschwommen hervor.
Deutsches Messbuch
Allmächtiger Gott, bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes hast du durch das Zeugnis der Väter die Geheimnisse unseres Glaubens bekräftigt. Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen, wenn unsere Annahme an Kindes statt sich einmal vollendet. Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören, damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.
Meinung
Das Deutsche Messbuch paraphrasiert stark. Während ich diese Kindergartensprache allgemein ganz unpassend finde, muss ich zugeben, das heutige Tagesgebet in beiden Versionen für wenig zugänglich zu halten, so dass die Änderungen mich weniger stören.

Gabengebet
Oblata, quaesumus, Domine, munera gloriosa Unigeniti tui Transfiguratione sanctifica: nosque a peccatorum maculis, splendoribus ipsius illustrationis, emunda.
Abschweifung
Der einzige Unterschied im neuen Missale ist, dass „munera“ direkt hinter „Oblata“ steht, statt das „quaesumus, Domine“ zu umschließen. (Ändert den Sinn nicht, ist aber weniger dichterisch.)
Oder um diesen Punkt etwas auszuführen: Das Lateinische klammert gerne. Dabei fallen mir drei Wege des Klammerns ein:
  1. zusammengehörige Worte werden getrennt, indem sie das, was ansonsten sinngemäß zu ihnen gehört, umfassen. Das ist eins a schön.
  2. die Wörter umklammern „irgendeinen“ Einschub. Das ist wohl ein übliches Schmuckmittel, aber anscheinend hier nicht geschätzt, weil das „bitten wir, Herr“, das „die geopferten“ und „Gaben“ gesperrt hatte, in der neuen Fassung hinter beides gestellt wurde.
  3. Ineinander verschachtelte Klammern. Ich persönlich finde das bei drei und mehr Klammern verwirrend und künstlich, aber ich habe ja auch keine Ahnung. Kommt in Hymnen häufig vor, besonders wenn der Heilige Ambrosius sie geschrieben hat.
Um das am Gabengebet zu verdeutlichen: Oblata munera (geopferte Gaben) [welches in der alten Form „quaesumus, Domine“ klammert] steht am Anfang, das zugehörige santifica (heilige) am Ende, so dass „gloriosa Transfiguratione“ (durch die rumvolle Umgestaltung) umschlossen ist, das selbst wieder „Unigeniti tui“ (deines Einziggezeugten) einfasst.
In der Bitte steht „nosque“ (und uns) am Anfang, „a maculis“ (von den Makeln) umklammert „peccatorum“ (der Sünden), das „emunda“ (reinige) steht am Ende. Also ganz parallele Teile: die Gaben … heilige, und uns … reinige. Immer das gleiche Mittel, konsequent durchgehalten ↷ schönes Gebet]

Übersetzung
Die geopferten Gaben, bitten wir, Herr, heilige durch die ruhmvolle Umgestaltung deines Einziggezeugten: und uns reinige von den Makeln der Sünde durch den Glanz seiner Erscheinung.
Deutsches Messbuch
Gott, unser Vater, sende über uns und diese Gaben das Licht deiner Herrlichkeit, das in deinem Sohn aufgestrahlt ist. Es vertreibe das Dunkel der Sünde und mache uns zu Kindern des Lichtes.
Bemerkung
Dies ist so - - - anders. Natürlich meint „die ruhmvolle Umgestaltung deines Einziggezeugten“ und „den Glanz seiner Erscheinung“ (oder man könnte auch übersetzen: die Glänzen seines Glanzes, wenn es im Deutschen einen Plural von Glanz gäbe) dasselbe, nämlich die Verklärung, oder wie das Deutsche Messbuch ersetzt „Licht deiner Herrlichkeit“, was allerdings inhaltlich nicht soo exakt ist. Aber der Gebetsautor hat nicht versehentlich die Fülle der Ausdrücke für den einen Sachverhalt gesucht, auch nicht aus Vergesslichkeit zuerst die Gaben und dann auch uns erwähnt, sondern wegen des größeren Schmuckes und zur Ehre der Verklärung. Das prosaische Deutsche Messbuch versteht, die Anliegen ergonomisch in eins zu fassen, wobei natürlich das „Uns“ den „Gaben“ vorangestellt werden muss, denn darum geht es schließlich in der Messe, nicht wahr. Und es wird weder geheiligt noch gereinigt, sondern das Licht gesendet. Greulich, denn durch die Umgestaltung heiligen oder durch den Glanz reinigen scheinen mir keine Metaphern, sondern Mesonyme zu sein, will heißen: durch die Messfeier zum Gedenken an die Umgestaltung werden die Gaben geheiligt, durch die Teilnahme daran wir gereinigt. Das „Licht der Herrlichkeit“ ist ein Bild ohne Substanz. Folgen im Deutschen Messbuch in freier Phantasieleistung etwas von aufstrahlen, Dunkel und Kindern des Lichtes, was zwar alles wild metaphorisch sein soll, aber nicht sicher auf ein Zugeordnetes im Zielbereich trifft. Oder lakonisch gesagt: klingt wie Geschwafel.

Schlussgebet (alt)
Praesta, quaesumus, omnipotens Deus: ut sacrosancta Filii tui Transfigurationis mysteria, quae solemni celebramus officio, purificatae mentis intellegentia consequamur.
Übersetzung
Gewähre, bitten wir, allmächtiger Gott, dass wir die hochheiligen Geheimnisse der Umgestaltung deines Sohnes, welche wir in feierlichem Amt begehen, durch eines gereinigten Geistes Einsicht begreifen.
Bemerkung
„durch eines gereinigten Geistes Einsicht begreifen“: die Idee allein ist so ansprechend, dass es um den Verlust dieses Gebetes schade ist. Ganz prägnant ist hier das Wechselspiel zwischen Vernunft und Glaube eingefasst, dass wo der Verstand an seine Grenzen kommt, die Offenbarungen des Glaubens weiterhelfen, oder auch: wo der Weg durch den Glauben gebahnt ist, findet sich die Vernunft leichter zurecht und kommt zum rechten Ergebnis. Oder eben: Glaube [und Sakramente] reinigen unseren Verstand (machen unser inneres Auge einfältig, wie Augustinus sich auszudrücken beliebte), dass wir die Geheimnisse des Glaubens tiefer erfassen. Quasi eine Autokatalyse, wie der Chemiker erkennt.

Schlussgebet (neu)
Cæléstia, quǽsumus, Dómine, aliménta quæ súmpsimus in eius nos transfórment imáginem, cuius claritátem gloriósa Transfiguratióne manifestáre voluísti.
Variante
Obwohl die eigentliche Quelle eine andere sein mag, findet Google nur ein ähnliches Schlussgebet für den gleichen Tag im Messbuch von Soissons [aus dem 14. Jhd.] (S. 440):
Caelestia quae sumpsimus alimenta, Domine, nos in eius transforment imaginem, cuius claritatem gloriosa Transfiguratione manifestare voluisti.
Wiederholung
Hier lohnt sich die Klammerbetrachtung sehr, weil die Soissons-Form von Schönheit überfließt, welche durch die Umstellungen im neuen Missale sehr gebändigt wurde.
Wenn Caelestia alimenta (himmlische Speisen) den zugehörigen Relativsatz quae sumpsimus (die wir empfangen haben) umschließt und das Domine (Herr) das Subjekt vom Rest des Satzes trennt, ist das 1a supergut; wenn stattdessen quasi schematisch quaesumus, Domine (bitten wir, Herr) zwischen Caelestia und alimenta geschoben wird, dann der Relativsatz wie Brackwasser zwischen Subjekt und Rest wabbert, ist schon fast alles verloren. Dann folgt eine verschachtelte Klammer: nos … transforment (mögen uns verwandeln) und in eius … imaginem (in sein Abbild) sind wie ( [ ) ]. Im neuen Missale ist das nos verschoben, was die Struktur zerstört. War vielleicht wegen des verschobenen sumpsimus, das in der Nähe des nos irritiert, nötig; hilft mir aber nicht, und zudem wird das eius soweit vom imaginem weggeschoben, dass es beim Lesen stört, d.h. ich musste absetzen, erstmal zuende überfliegen, verstehen und dann nochmal lesen.

Übersetzung
Die himmlischen Speisen, die wir empfangen haben, mögen uns, bitten wir, Herrn, in dessen Abbild verwandeln, wessen Glanz du durch die ruhmvolle Umgestaltung offenbaren wolltest.
Deutsches Messbuch
Herr, unser Gott, in der Verklärung deines Sohnes wurde der Glanz seiner Gottheit offenbar. Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise seinem verherrlichten Leib gleichgestaltet werden.
Anmerkung
Streng genommen ist die Bitte, „in [Jesu] Abbild verwandelt“ zu werden nicht identisch mit „seinem verherrlichten Leib gleichgestaltet werden“. Zwischen Transfiguration und Auferstehung liegen Gehorsam, Passion und Tod – wenn das Gebet mal nicht eigentlich meint, wir mögen zu einem Abbild des Gehorsams Jesu umgebildet werden, um dann mit ihm auch durch Leiden und Tod zur Auferstehung zu gelangen …

Montag, 5. August 2019

Maria im Schnee

Zum Weihetag der Basilika Maria Maggiore (früher: Maria im Schnee, wegen des sommerlichen Schneefallwunders, das die Stelle für den Bau der Kirche anzeigte) war im alten Missale die Commune-Messe für Marien-Gedenktage vorgesehen; im neuen größtenteils auch, mit der Ausnahme eines besonderen Tagesgebets. [Der erste Vergleich zwischen alt und neu ist also etwas schief. Das Commune-Tagesgebet ist aber an den anderen Marien-Gedenktagen im neuen Missale intakt erhalten.]
Dafür erlaubt das besondere Tagesgebet den Vergleich zwischen Übersetzung und Deutsches-Messbuch-Text, während der für die Commune-Gebete (die mir deutsch nicht vorliegen) entfallen muss.

Tagesgebet (Marienfeste allgemein, 1962)
Concede nos famulos tuos, quaesumus, Domine Deus, perpetua mentis et corporis sanitate gaudere: et, gloriosa beatae Mariae semper Virginis intercessione, a praesenti liberari tristitia, et aeterna perfrui laetitia.
Übersetzung
Gewähre uns deinen Dieners, bitten wir, Herr Gott, uns fortwährender Gesundheit an Körper und Geist zu erfreuen, und durch die ehrreiche Vermittlung der seligen Maria, allzeit Jungfrau, von der gegenwärtigen Trübsal befreit zu werden und die ewige Freude zu genießen.
Tagesgebet (Weihetag von Maria Maggiore, 2002)
Famulórum tuórum, quǽsumus, Dómine, delíctis ignósce, ut, qui tibi placére de nostris áctibus non valémus, Genetrícis Fílii tui intercessióne salvémur.
Übersetzung
Deiner Diener, bitten wir, Herr, Vergehen verzeihe, damit, die wir dir zu gefallen durch unsere Taten nicht erreichen können, durch der Gebärerin deines Sohnes Vermittlung gerettet werden.
Deutsches Messbuch
Barmherziger Gott, mit unserem eigenen Tun können wir vor dir nicht bestehen. Darum höre auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria. Schau nicht auf unser Versagen, sondern sei uns gnädig und rette uns.
Vergleich
Abgesehen von einer völlig verdrehten Reihenfolge (verbunden durch „darum“ und „sondern“, die dazuphantasiert eine original nicht gegebenen Verbindung der durchgemischten Gedanken behaupten) haben wir hier folgende „Entsprechungen“:
Deiner Diener Vergehen verzeihe [oder: wolle nicht kennen] ⇒ Schau nicht auf unser Versagen
bitten wir, Herr ⇒ barmherziger Gott
die wir dir zu gefallen durch unsere Taten nicht erreichen können ⇒ mit unserem eigenen Tun können wir vor dir nicht bestehen
durch der Gebärerin deines Sohnes Vermittlung ⇒ höre auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria
damit wir gerettet werden ⇒ sei uns gnädig und rette uns
Gabengebet (Marienfeste allgemein, 1962)
Tua, Domine, propitiatione, et beatae Mariae semper Virginis intercessione, ad perpetuam atque praesentem haec oblatio nobis proficiat prosperitatem et pacem.
Übersetzung
Durch deine Gnade, Herr, und die Vermittlung der seligen Maria, allzeit Jungfrau, gereiche uns dieses Opfer zu bleibendem und gegenwärtigem Wohlstand und Frieden.
Gabengebet (Marienfeste allgemein, 2002)
Súscipe, quǽsumus, Dómine, preces pópuli tui cum oblatiónibus hostiárum, ut, intercedénte beáta María, Fílii tui Genetríce, nullíus sit írritum votum, nullíus sit vácua postulátio.
Übersetzung
Nimm an, bitten wir, Herr, die Bitten deines Volkes mit den Opfern der Gaben, damit, während die selige Maria, deines Sohnes Gebärerin vermittelt, kein Wunsch vergeblich, kein Verlangen eitel ist.
[Das neue Gabengebet wurde aus der Anfangsformel des Oster-Gabengebets (vorgesehen für Osternacht, Ostersonntag und Montag der Osteroktav) und der Bitte des Gabengebets vom 4. Sonntag nach Pfingsten zusammengestellt.]

Schlussgebet (Marienfeste allgemein, 1962)
Sumptis, Domine, salutis nostrae subsidiis: da, quaesumus, beatae Mariae semper Virginis patrociniis nos ubique protegi; in cuius veneratione haec tuae obtulimus maiestati.
Übersetzung
Nachdem wir, Herr, die Hilfsmittel unseres Heils empfangen haben, gib, bitten wir, dass wir durch die Hilfen der seligen Maria, allzeit Jungfrau, überall beschützt werden, zu deren Verehrung wir diese [Gaben] deiner Majestät dargebracht haben.
Schlussgebet (Marienfeste allgemein, 2002)
Suméntes, Dómine, cæléstia sacraménta, quǽsumus cleméntiam tuam, ut, qui de beátæ Vírginis Mariæ commemoratióne lætámur, eiúsdem Vírginis imitatióne, redemptiónis nostræ mystério digne valeámus famulári.
Übersetzung
Die himmlischen Sakramente, Herr, vollziehend erbitten wir deine Güte, damit die wir vom Gedenktag der seligen Jungfrau Maria erfreut werden, in Nachahmung besagter Jungfrau dem Geheimnis unserer Erlösung würdig zu dienen wert werden.
[Das neue Schlussgebet wurde aus der Anfangsformel des Pfingst-Quatember-Mittwochs und der Bitte vom Fest des Hl. Cyrill von Alexandrien, ehemals am 9. Februar, zusammengestellt. Der Hl. Cyrill ist auf den 27. Juni verlegt worden, hat besonders nur noch ein Tagesgebet und nimmt Gaben- und Schlussgebet aus den Commune-Texten für Bischöfe oder Kirchenlehrer.]

Samstag, 3. August 2019

Gebetssammlung zum 18. Sonntag im Jahreskreis

Die für diesen Tag vorgesehenen Gebete sind ein rechtes Sammelsurium von durch zerstörte Traditionen freigesetzen Vorlagen.

Tagesgebet
Adésto, Dómine, fámulis tuis, et perpétuam benignitátem largíre poscéntibus, ut his, qui te auctórem et gubernatórem gloriántur habére, et creáta restáures, et restauráta consérves.
Übersetzung
Steh, Herr, deinen Dienern bei, und deine beständige Güte schenke den Verlangenden, damit du denen, die sich rühmen, dich als Schöpfer und Lenker zu haben, das Geschaffene wiederherstellst und das Wiederhergestellte bewahrst.
Anmerkung
Dieses Tagesgebet war im alten Messbuch als „Segen über das Volk“, der an manchen Tagen der Fastenzeit am Ende der Messe erteilt wurde, für den Donnerstag nach dem zweiten Fastensonntag vorgesehen. (Wobei ursprünglich congregata „Gesammeltes“ für hier creata „Geschaffenes“ stand. – In den Schriftlesungen des Tages ging es um den korrekten Umgang mit Reichtum [weshalb das Marienwalder Messbuch „Erworbenes“ versteht]. Der zukünftige Selige Fulton Sheen dagegen sieht das Bild von zerbrochenem Porzellan: die gesammelten Scherben werden wiederhergestellt, und das Wiederhergestellte bewahrt – er bezieht dies auf die Beichte. – Ich hatte zuerst an die aus allen Völkern versammelte Kirche gedacht, deren Glieder durch die Taufe wiederhergestellt und durch die Eucharistie bewahrt werden.)

Deutsches Messbuch
Gott unser Vater, steh deinen Dienern bei und erweise allen, die zu dir rufen, Tag für Tag deine Liebe. Du bist unser Schöpfer und der Lenker unseres Lebens. Erneuere deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen, und erhalte, was du erneuert hast.
Vergleich
  • Herr ⇒ Gott unser Vater
  • schenke den Verlangenden deine beständige Güte ⇒ erweise allen, die zu dir rufen, Tag für Tag deine Liebe
  • die sich rühmen, dich als Schöpfer und Lenker zu haben ⇒ Du bist unser Schöpfer und der Lenker unseres Lebens
  • stelle das Geschaffene wieder her ⇒ Erneuere deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen
Mutmaßung
Das Deutsches-Messbuch-Autorenkollektiv scheint zur Stimulation seiner freien Phantasieleistung an eine Kindergartengruppe als Adressat des Gebets gedacht zu haben.
Gabengebet
Propítius, Dómine, quǽsumus, hæc dona sanctífica, et, hóstiæ spiritális oblatióne suscépta, nosmetípsos tibi pérfice munus ætérnum.
Übersetzung
Heilige, Herr, bitten wir, gnädig diese Geschenke, und, nachdem du die Darbringung der geistlichen Opfergabe angenommen hast, vollende uns selbst als ewige Gabe für dich.
Deutsches Messbuch
Barmherziger Gott, heilige diese Gaben. Nimm das Opfer an, das dir im Heiligen Geist dargebracht wird, und mache uns selbst zu einer Gabe, die für immer dir gehört.
Vergleich
  • Herr ⇒ barmherziger Gott
  • Heilige, bitten wir, gnädig diese Geschenke ⇒ heilige diese Gaben
  • Darbringung der geistlichen Opfergabe* ⇒ Opfer, das dir im Heiligen Geist dargebracht wird
  • nachdem du angenommen hast ⇒ nimm an
  • vollende uns selbst als ewige Gabe** für dich ⇒ mache uns selbst zu einer Gabe, die für immer dir gehört
Bemerkungen
* Die „geistliche Opfergabe“ ist ein Zitat aus 1 Petr 2,5, in welchem Vers es genau darum geht, dass sich die Angesprochenen „zu einem heiligen Priestertum“ verwandeln lassen, um die „geistliche Opfergabe, Gott wohlgefällig“ darzubringen [vgl. die Bitte im Gebet]
** Die „Gabe“ (munus) ist hier nicht nur ein weiterer Ausdruck für das, was dargebracht wird (donum, oblatio und hostia heißen genauso gut wie munus Opfergabe), sondern auch Aufgabe, Amt – in Anspielung auf das heilige Priestertum im Petrusbrief. Man könnte die Bitte auch übersetzen: „mache uns im Himmel zu heiligen Priestern für dich“.
Vermischtes
  • Wird der Bezug zum Petrusbrief aus dem Deutsche-Messbuch-Text klar?
  • Das „ewig“ vor Gabe scheint sich mir auf eine jenseitige Realität zu beziehen, was aus dem „für immer gehören“ weniger klar hervorgeht. [Und ehrlich gesagt hört sich „für immer dir gehören“ mehr nach einem verliebten Teenager als nach einem andächtigen Gläubigen an.]
  • Ursprünglich war das Gabengebet für den Montag der Pfingstoktav vorgesehen und wurde [durch die Zerstörung der Pfingstoktav überflüssig geworden] unverändert für den heutigen Sonntag übernommen.
Schlussgebet
Quos cælésti récreas múnere, perpétuo, Dómine, comitáre præsídio, et, quos fovére non désinis, dignos fíeri sempitérna redemptióne concéde.
Übersetzung
Welche du durch die himmliche Gabe stärkst, begleite, Herr, mit fortwährendem Schutz, und welche du zu hudern* nicht ablässt, lasse der ewigen Erlösung würdig werden.
* Hudern ist das, was die Glucke mit den Kücken macht, also wärmen und schützen.

Deutsches Messbuch
Barmherziger Gott, in den heiligen Gaben empfangen wir neue Kraft. Bleibe bei uns in aller Gefahr und versage uns nie deine Hilfe, damit wir der ewigen Erlösung würdig werden.
Vergleich
  • Herr ⇒ barmherziger Gott
  • welche du stärkst ⇒ wir empfangen neue Kraft
  • durch die himmlische Gabe ⇒ in den heiligen Gaben
  • begleite mit fortwährendem Schutz ⇒ bleibe bei uns in aller Gefahr
  • welche du zu hudern nicht ablässt ⇒ versage uns nie deine Hilfe
Anmerkungen
  • Ursprünglich war es als Schlussgebet für die Messe unter „Sonstige Gebete Nr. 7: Für Vorsteher und die ihnen anvertrauten Gemeinschaften“ vorgesehen.
  • Bei diesen Texten erkennt man die Vorteile der Teamarbeit. Während „Herr“ sonst stur mit „Herr, unser Gott“ wiedergegeben wird, gibt es heute einmal „Gott unser Vater“ und zwei Mal „Barmherziger Gott“. Ob diese Abwechslung nur die tapferen Kirchgänger mitreißt oder auch die Warnung aus Mt 7,21 („Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen“) umgeht? (Wer „Gott unser Vater! Barmherziger Gott!“ sagt, wird sofort durchgewunken 👼)
  • Die deutsche Übersetzung scheint ja sehr von der Notwendigkeit einer leichten Verständlichkeit, zu der alltägliche Ausdrücke und kurze Sätze erforderlich sind, auszugehen. Dieses Schlussgebet aber ist in seiner Wortstellung so künstlich, dass offensichlich dichterische Erwägungen und sprachliche Schönheit zum Lob der Herrlichkeit Gottes weit wichtigere Gesichtspunkte bei der Komposition waren. Es wäre wünschenswert, diese Aspekte bei der seit 2011 überfälligen Übersetzung der dritten Auflage des Messbuchs stärker zu berücksichtigen.

Freitag, 2. August 2019

Ein Bischof so gut wie ein anderer?

Nachdem gestern das Fest des Heiligen Alfons Maria nach dem aktuellen Kalender Gelegenheit geboten hat, den Lebensereignissen des Heiligen, auf die in der Übersetzung des Deutschen Messbuchs nicht mehr erkennbar angespielt wurde, nachzugehen, hier noch (aus Anlasss des selben Festes nach dem alten Kalender) ein kurzer Blick auf die einschlägigen Gebete im alten Missale.

Tagesgebet (neu)
Deus, qui in Ecclésia tua nova semper instáuras exémpla virtútum, da nobis in zelo animárum beáti Alfónsi Maríæ epíscopi ita vestígiis adhærére, ut eius in cælis assequámur et prǽmia.
Übersetzung
Gott, der du in deiner Kirche immer neue Beispiele der Tugenden errichtest, gib uns, dass wir im Eifer für die Seelen den Spuren des seligen Bischofs Alfons Maria so anhängen, und im Himmel auch seinen Lohn erhalten.
Alt
Deus, qui per beatum Alfonsum Mariam Confessorem tuum atque Pontificem, animarum zelo succensum, Ecclesiam tuam nova prole foecundasti: quaesumus; ut, eius salutaribus monitis edocti et exemplis roborati, ad te pervenire feliciter valeamus
Übersetzung
Gott, der du durch den seligen Alfons Maria, deinen Bekenner und Bischof, vom Eifer für die Seelen entbrannt, deine Kirche mit einem neuen Kind [dem Redemptoristenorden] fruchtbar gemacht hast: wir bitten, dass wir, durch seine heilbringenden Ermahnungen belehrt und durch seine Beispiele bestärkt, glücklich schaffen zu dir zu gelangen.
Kommentar
Während das alte Messbuch der Gründung des Redemptoristen-Ordens mit der Wendung „mit einem neuen Kind fruchtbar gemacht hast“ gedenkt, dabei ein (in den Wörterbüchern) nicht existierendes Verb foecundare benutzend, das eine deutliche Signalwirkung hat, da es anscheinend überhaupt nur im alten Missale (und dort bei den Gebeten an Festtagen von Ordensgründern) vorkommt – hat das Postreform-Messbuch, in dem erklärten Bestreben, jeweils einzelne und besondere Gebete zu haben, das Tagesgebet vom gestrichenen Fest des Andreas Corsinus (ehemals 4. Februar) übernommen. Der war kein Ordensgründer, und worauf auch immer sich die „Beispiele der Tugenden“ beziehen (wohl die Umkehr von seinem ausschweifenden Lebenswandel zum asketischen Mönch, der auch als Bischof seine strenge Zucht beibehielt, vgl. seine Lebensbeschreibung), passt wohl kaum auf den Hl. Alfons Maria. Aber wenn einmal ein Prinzip zur Neuordnung von Gebeten gesetzt ist – wer will da nach Sinn und Inhalt fragen?
Der Gebetstausch passt aber zu den übrigen Prinzipien: denn da sich der Hl. Alfons als Moraltheologe und Beichtvater hervortat, „Sünde“ postkonziliar aber nicht mehr angesprochen wird, kommt die Streichung des „wir bitten, dass wir, durch seine heilbringenden Ermahnungen belehrt und durch seine Beispiele bestärkt“ gerade recht.
Immerhin wurde noch eine Anspielung auf den „Eifer für die Seelen“ aus dem alten Gebet in das von Andreas Corsinus ausgeliehene eingefügt, allerdings ergeben sich hier deutliche Unterschiede: erstens scheinen im neuen Gebet „wir“ den Eifer zu zeigen, im alten war Alfons Maria vom Eifer entbrannt; zweitens sind es jetzt die Spuren, denen das „des seligen Bischofs Alfons Maria“ angehängt wird, original war die Kirche „durch den seligen Alfons Maria, deinen Bekenner und Bischof“ fruchtbar gemacht worden.

Gabengebet (neu)
Cælésti, Dómine, Spíritus igne corda nostra cleménter exúre …
Übersetzung
Mit dem himmlischen Feuer des Geistes, Herr, brenne gütig unsre Herzen aus …
Alt
Caelesti, Domine Iesu Christe, sacrificii igne corda nostra in odorem suavitatis exure …
Übersetzung
Im himmlischen Opferfeuer, Herr Jesus Christus, verbrenne unsere Herzen zu wohlgefälligem Geruch …
Anmerkung
Aus unbekanntem Grund wird die feststehende Formel „ein Feueropfer als wohlgefälliger Geruch für den HERRN“ (biblisch in Ex 29-30 und Levitikus überall (z.B. Lev 1,9)) gestrichen und durch ein sehr allgemeines „Feuer des Geistes“ ersetzt.
Auch wurde der Name unseres Herrn Jesus Christus gestrichen, wodurch sich das Gebet an dem Vater richtet, was auch ein erklärtes Änderungsprinzip ist.

Schlussgebet (neu)
Deus, qui beátum Alfónsum Maríam fidélem dispensatórem et præcónem tanti mystérii providísti, concéde, ut fidéles tui illud frequénter percípiant, et, percipiéndo, te sine fine colláudent.
Übersetzung
Gott, der du den seligen Alfons Maria als treuen Spender und Verkünder des so großen Mysteriums vorgesehen hast, erlaube, dass deine Gläubigen es häufig empfangen und durch den Empfang dich ohne Ende loben.
Alt
Deus, qui beatum Alfonsum Mariam Confessorem tuum atque Pontificem, fidelem divini mysterii dispensatorem et praeconem effecisti: eius meritis precibusque concede; ut fideles tui et frequenter percipiant, et percipiendo sine fine collaudent
Übersetzung
Gott, der du den seligen Alfons Maria, deinen Bekenner und Bischof, zum treuen Spender des göttlichen Mysteriums und Verkünder gemacht hat: erlaube durch seine Verdienste und Bitten, dass deine Gläubigen es häufig empfangen und durch den Empfang dich ohne Ende loben.
Anmerkungen
Das „göttliche“ Mysterium wird zum „so großen“ Mysterium – mir ist ganz unklar, warum das geändert werden musste. Mit dem bekannten Hintergedanken, dass die neue Messordnung „protestantisiert“ werden sollte, kann man vermuten, dass die Beichte abgewertet werden sollte, aber hm.
Der Austausch von providisti (du hast durch deine Vorsehung bestimmt) für efficisti (du hast gemacht) kann der Ausdruck einer tiefen philosophischen Betrachtung über die Spannung zwischen göttlicher Vorsehung und menschlicher Willensfreiheit sein, die den Beitrag des Heiligen Alfons an seinen Taten betonen soll, aber dem Nachzusteigen bin ich nicht qualifiziert.
Wie üblich wurden Wendungen zur Ehrung und Hinweise auf die Vermittlung der Bitten durch den Heiligen beschnitten.
Im neuen Gebet wurden zwei Pronomen (zur leichteren Lesbarkeit?) eingefügt.

Donnerstag, 1. August 2019

Taten eines bekannten Bischofs verschleiert

Folgende irreführende Informationen über den Heiligen Alfons Maria von Liguori, Bischof und Kirchenlehrer, werden in deutschsprachigen Gegenden alljährlich verbreitet:

Tagesgebet
Deus, qui in Ecclésia tua nova semper instáuras exémpla virtútum, da nobis in zelo animárum beáti Alfónsi Maríæ epíscopi ita vestígiis adhærére, ut eius in cælis assequámur et prǽmia.
Übersetzung
Gott, der du in deiner Kirche immer neue Beispiele der Tugenden errichtest, gib uns, dass wir im Eifer für die Seelen den Spuren des seligen Bischofs Alfons Maria anhängen, und im Himmel auch seinen Lohn erhalten.
Bemerkungen
  • Hübsch: assequi = erhalten kann (wenn wir das Bild des den-Spuren-Anhängen beibehalten) auch einholen bedeuten.
  • Lehrreich: in gewisser Weise werden die Tugenden dem Eifer für die Seelen parallel gesetzt
  • Mitschwingend: bei virtus (Tugend) wird auch Kraft, Macht usw. bis Wundertaten mitgehört
  • Die Wundertaten im Eifer für die Seelen beziehen sich sowohl auf die Gründung der Redemptoristen, die „vor allem den unteren Volksschichten in ihrer geistig-religiösen Verlassenheit zu Hilfe kommen“ sollten (Schott) als auch auf sein Wirken als Bischof, bei dem er „die meiste Zeit auf der Kanzel oder im Beichtstuhl verbrachte“ (Schott).
Deutsches Messbuch
Gott, du Hirt deines Volkes, du schenkst der Kirche zu allen Zeiten Menschen, die durch ihren Glauben und ihre Liebe ein Vorbild sind. Gib, dass uns gleich dem heiligen Alfons das Heil der Menschen am Herzen liegt, und schenke uns im Himmel den Lohn, den er schon empfangen hat.
Vergleich
  • Gott ⇒ Gott, du Hirt deines Volkes
  • immer ⇒ zu allen Zeiten
  • errichtest neue Beispiele ⇒ schenkst Menschen, die ein Vorbild sind
  • Tugenden ⇒ ihr Glaube und ihre Liebe
  • den Spuren des seligen Bischofs Alfons Maria anhängen ⇒ gleich dem heiligen Alfons
  • Eifer für die Seelen ⇒ uns liegt das Heil der Menschen am Herzen
  • wir mögen erhalten ⇒ schenke uns
  • seinen Lohn ⇒ den Lohn, den er schon empfangen hat
Fazit
  • Harte Neigung zur Vielwörterei, außer wenn’s um den Tagesheiligen geht.
  • Gerade die Punkte, die im lateinischen Gebet gefallen, sind im Deutschen ausradiert.
  • Was der Heilige getan hat, wird im Deutschen (selbst wenn man es weiß) nicht mehr klar.
Gabengebet
Cælésti, Dómine, Spíritus igne corda nostra cleménter exúre, qui beáto Alfónso Maríæ tribuísti et hæc mystéria celebráre, et per éadem hóstiam tibi sanctam seípsum exhibére.
Übersetzung
Mit dem himmlischen Feuer des Geistes, Herr, brenne gütig unsre Herzen aus, der du dem seligen Alfons Maria gewährt hast, sowohl diese Geheimnisse zu feiern als auch durch diese heilige Opfergabe sich selbst dir zu überreichen.
Bemerkungen
  • Das „Ausbrennen“ ist wie von Wunden, die dadurch desinfiziert werden, gesagt. (Der Hl. Alfons Maria war 16jährig zum Doktor beider Rechte promoviert worden. Als er als Rechtsanwalt einen Aufsehen erregenden Prozess verloren hatte, „begann er über sein Leben nachzudenken“ (Wikipedia) und wurde in der Folge Priester.) Nach seinem Beispiel mögen auch unsere Herzen ausgebrannt werden.
  • Die heiligen Geheimnisse konnte er feiern, weil er Priester geworden war; sich selbst als Opfer darbringen konnte er durch Aufopferung seiner vielfältigen Krankheiten. („Die letzten Jahre litt er an Gicht, so dass er einen Rollstuhl nutzte, er war halbseitig ertaubt und blind, aber nach wie vor voll Schaffenskraft und Zuneigung zu den Menschen.“ Wikipedia)
Deutsches Messbuch
Herr, unser Gott, du hast dem Bischof Alfons die Gnade gegeben, beim eucharistischen Opfer sich selber dir als heilige Gabe zu schenken. Läutere auch unsere Herzen im Feuer deines Geistes und heilige sie.
Anmerkungen
  • Ein ins Einzelne gehender Vergleich erübrigte sich eigentlich, da offensichtlich überhaupt nicht verstanden wurde, was das Gebet aussagen soll. „Thema verfehlt“, sozusagen.
  • „Beim eucharistischen Opfer sich selber dir als heilige Gabe zu schenken“ ist, was unser Herr Jesus Christus tut, dessen einmaliges Opfer am Kreuz in der Messfeier vergegenwärtigt wird. Und obwohl der Priester in Persona Christi handelt, der sowohl Opfer als auch Hoherpriester ist, bringt der Priester im Messopfer nicht sich selber dar, selbst wenn er ein Heiliger ist. Der Messbuchtext scheint mir grenzhäretisch.
  • Der Heilige Alfons Maria mag im Messopfer die Kraft gefunden haben, trotz seiner körperlichen Gebrechen fruchtbar zu wirken.
  • Das Bild des im-Feuer-Läutern (wie beim Metallschmelzen) ist zwar biblisch gängig, hier im Original aber nicht verwendet. Und anscheinend so unverständlich, dass es durch ein „und heilige sie“ erklärt werden muss.
Schlussgebet
Deus, qui beátum Alfónsum Maríam fidélem dispensatórem et præcónem tanti mystérii providísti, concéde, ut fidéles tui illud frequénter percípiant, et, percipiéndo, te sine fine colláudent.
Übersetzung
Gott, der du den seligen Alfons Maria als treuen Spender und Verkünder des so großen Mysteriums vorgesehen hast, erlaube, dass deine Gläubigen es häufig empfangen und durch den Empfang dich ohne Ende loben.
Hinweis
Man könnte – da dies Gebet nach der Kommunion steht – zu falschen Schlüssen kommen. Das angesprochene Sakrament ist die Beichte, welcher der Heilige Alfons Maria so große theoretische (mehr als hundert Bücher) und praktische Aufmerksamkeit widmete. Daher ist er auch Patron der Beichtväter und Moraltheologen.
Deutsches Messbuch
Herr, du hast den heiligen Alfons zum treuen Ausspender und Verkünder dieses Sakramentes gemacht. Gewähre auf seine Fürsprache, dass deine Gläubigen diese heilige Speise oft empfangen und dich in Ewigkeit preisen.
Tadel
  • Ups, da ist es gleich passiert. Nix Speise, liebe Freunde, sondern Beichte.
  • Was interessant ist: das „auf seine Fürsprache“, das vorkonziliar so häufig war und unter dem Messer der Reformer weitgehend ausgerottet wurde, taucht hier auf. Ob da jemand eine alte Auflage als Vorlage benutzt hat?