Mittwoch, 10. April 2019

Eine Frage der Reihenfolge

Die Kirche betet heute:
Sanctificáta per pæniténtiam tuórum corda filiórum, Deus miserátor, illústra, et, quibus præstas devotiónis afféctum, præbe supplicántibus pium benígnus audítum.
was verdolmetscht bedeutet:
Die durch Umkehr geheiligten Herzen deiner Kinder, barmherziger Gott, erleuchte, und denen du die Neigung zur Verehrung gewährst erweise wenn sie bitten gütig ein gnädiges Gehör.
und im Messbuch verdreht wird zu:
Barmherziger Gott, du selber weckst in uns das Verlangen, dir zu dienen. Heilige uns durch Werke der Buße, erleuchte und stärke uns, damit wir treu den Weg deiner Gebote gehen.
Man könnte (nach der alten Regel Lex orandi, lex credendi, d.h. wie wir beten formt was wir glauben) lernen, dass die Reihenfolge sein muss:
Umkehr -> Heiligung der Herzen ->  Erleuchtung -> Gottesfurcht (=Neigung zur Verehrung) -> Gebetserhörung,
wie es recht passend in der Tageslesung durch die Worte der drei Jünglinge im Feuerofen illustriert wird:
Siehe, unser Gott, den wir verehren, kann uns erretten aus dem glühenden Feuerofen
Die Reihenfolge ist dem Messbuchautor etwas egal, deshalb wirkt mir das Ganze etwas durcheinander, zumal er aus dem pium auditum, dass Gott den Bittenden erweisen soll (gnädiges Gehör erweise, d.h. höre gnädig an), einen treuen Gehorsam macht (lass die Bittenden "treu den Weg deiner Gebote gehen"), was in einem anderen Zusammenhang nicht völlig falsch verstanden wäre.

Dienstag, 9. April 2019

Disciplina arcani


schreibt der Probst A. Brinkmann schon 1847. Kein Wunder, dass 120 Jahre später die Schranken der "Lehrmethode des Geheimen" brachen, welche Wikipedia folgendermaßen erläutert:
Disciplina arcani (Lateinisch für "Disziplin des Geheimnisses" oder "Disziplin des Arkanen") ist der Brauch, der im 4. und 5. Jahrhundert des frühen Christentums vorherrschte, wobei die Kenntnis der vertraulicheren Lehren der christlichen Religion vor Nichtchristen sorgfältig bewahrt wurde und sogar vor Katechumenen, damit sie nach und nach die Lehren des Glaubens erlernen können und nicht aufgrund vereinfachender Missverständnisse in Häresien fallen.

Original und Fälschung (Dienstag der 5. Fastenwoche) / ergänzt

Latein:
Da nobis, quæsumus, Dómine, perseverántem in tua voluntáte famulátum, ut in diébus nostris et mérito et número pópulus tibi sérviens augeátur.
Übersetzt:
Gib uns, bitten wir, Herr, beharrlich deinem Willen zu dienen, so dass in unseren Tagen das dir dienende Volk an Verdienst und Menge wachse.
Messbuch:
Gütiger Gott, schenke uns Beharrlichkeit und Ausdauer auf dem Weg deiner Gebote, damit auch in unseren Tagen viele Menschen zu dir finden und deine Kirche dir immer eifriger dient.
Ergänzung:
Das Tagesgebet scheint eine Abkürzung des im Messbuch von 1962 für die Chrisammesse vorgesehenen Gebetes zu sein, das da lautet:
Domine Deus, qui in regenerandis plebibus tuis ministerio uteris sacerdotum: tribue nobis perseverantem in tua volunta famulatum, ut dono gratiae tuae in diebus nostris et meritis et numero sacratus tibi populus augeatur.
Herr Gott, der du für dein Volk, das [immer wieder] neu hervorgebracht werden muss, den Dienst der Priester eingerichtet hast: gewähre uns, beharrlich deinem Willen zu dienen, so dass durch die Gabe deiner Gnade in unseren Tagen das dir geheiligte Volk an Verdiensten und Menge wachse.

Für den selben Anlass steht es so auch schon im "Liber Gelasianum" bzw. "Liber sacramentorum Romanae Ecclesiae", dem zweitältesten erhaltenen liturgischen Buch, von dem in der Vatikan-Bibliothek ein Manuskript aus dem 8. Jhd. erhalten ist, das vom Hl. Bonifatius bei der Missionierung der Germanen benutzt worden sein soll.

Heutzutage ist ein ähnliches Gebet nur noch als Variante in der Votivmesse für Priester vorgesehen:
Dómine Deus noster, qui in regéndo pópulo tuo ministério úteris sacerdótum, tríbue illis perseverántem in tua voluntáte famulátum, ut ministério atque vita tuam váleant in Christo glóriam procuráre.
Herr unser Gott, der du deinem zu leitenden Volk den Dienst der Priester eingerichtet hast, gewähre ihnen, beharrlich deinem Willen zu dienen, dass sie in Dienst und Leben würdig sind, deine Herrlichkeit in Christus zu verwalten.
Der Schwerpunkt ist hier auch ein bisschen verrückt worden.

Montag, 8. April 2019

Original und Fälschung (Montag der 5. Fastenwoche)

Original:
Deus, per cuius ineffábilem grátiam omni benedictióne ditámur, præsta nobis ita in novitátem a vetustáte transíre, ut regni cæléstis glóriæ præparémur.
Übersetzung:
Gott, durch dessen unaussprechliche Gnade wir mit allem Segen beschenkt sind, gewähre uns, so zum Neuen vom Alten überzugehen, dass wir vorbereitet sind für die Herrlichkeit des himmlischen Reiches.
Messbuch:
Barmherziger Gott, in deinem Sohn hast du uns die Fülle des Segens geschenkt. Gib uns Kraft, unsere sündhaften Gewohnheiten abzulegen und in der neuen Wirklichkeit zu leben, damit einst die Herrlichkeit deines Reiches an uns offenbar wird.

Freitag, 5. April 2019

Meiner Schwäche eine Krücke

Wer erinnerte sich bei Nennung der Zerbrechlichkeit, welche das Tagesgebet nicht erwähnt, ohne der entsprechenden Hilfsmittel (nämlich Fasten, Beten und Almosengeben), die zur Wiederherstellung vorbereitet sind, zu gedenken, nicht an den Vers
Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade. (Ps 119,105)
so dass die Bitte, die Reparation möge durch frommen Wandel vergolten werden, sich folgerichtig anzuschließen scheint.
Reparatio ist hier sehr schön gewählt und entsprechend schwierig wiederzugeben, denn nicht nur bedeutet es die Wiederherstellung oder Erneuerung des durch die Vergänglichkeit Verfallenen, sondern auch die Wiedergutmachung (wie passt das zur Fastenzeit!) und dann auch noch (im kirchlichen Zusammenhang) die Erlösung, deren Wirkung wir mit Jubel zu empfangen hoffen.
Anzumerken ist, dass "wir", die Beter, hier mit unserer Schwachheit gleichgesetzt sind, wenn sie den Effekt ihrer Reparation betrachtet (also wir die Wirkung unserer Buße).

Wir hätten hier also insgesamt:
Original:
Deus, qui fragilitáti nostræ cóngrua subsídia præparásti, concéde, quæsumus, ut suæ reparatiónis efféctum et cum exsultatióne suscípiat, et pia conversatióne recénseat.
Übersetzung:
Gott, der du unserer Hinfälligkeit entsprechende Stützen vorbereitet hast, schenke, bitten wir, dass sie die Wirkung ihrer Buße sowohl mit Jubel empfange, als auch durch frommen Lebenswandel vergelte.
Messbuch:
Barmherziger Gott, du kennst unsere Schwachheit und unsere Not. Doch je hinfälliger wir sind, umso mächtiger ist deine Hilfe. Gib, dass wir das Geschenk dieser Gnadenzeit freudig und dankbar annehmen und dein Wirken in unserem Leben bezeugen.