Sonntag, 23. Oktober 2016

Bei Zeitungslesen an den Papst denken

Der gegenwärtige Papst beschränkt sich bekanntlich bei der Nachrichtenaufnahme auf das Nötigste. Ist es da nicht nützlich, wenn gelegentlich wenigstens irgendjemand beim Zeitungslesen an ihn denkt, quasi um die Kluft zwischen Information und Papst geistlich überwinden zu helfen?

Jedenfalls riefen folgende Zeilen aus der FAZ mir unwillkürlich die päpstliche Gesetzesaversion und Spontanredeneigung in Erinnerung:
Das Recht steht für das Allgemeine, das in gemeinsamer, vernunftgeleiteter Suche gefunden werden muss. Darin liegt die Überwindung des egoistischen Selbstbezugs, der Nachgiebigkeit gegenüber momentanen Stimmungen, der Beschränkung der Perspektive auf den eigenen Erfahrungsbereich.

Wer im Internet politisch agiert [oder in Flugzeugen Interviews gibt?], ist nicht genötigt, in den genannten Dimensionen zu denken. Er kann ganz im Gegenteil seine Vorurteile ausleben und fehlenden Sachverstand durch Radikalität des Urteils ersetzen. Das fällt umso leichter, als hier Gefühlsäußerungen bereits als Wert gelten. Mit „likes“, also rein quantitativ gemessener Zustimmung, werden eigene Meinung und eigenes Ego aufgewertet. Politisches Urteil und geistige Anstrengung werden entkoppelt.


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