Mittwoch, 17. April 2019

Berufung, den verdrehten Willen zu brechen

Zu der anscheinend offensichtlichen Verknüpfung zwischen
  • Pascha (= Vorübergang des Herrn, also dem ursprünglichen, dem Höhepunkt der Plagen über Ägypten): zur Befreiung seines Volkes aus Ägypten (= Böser) erschlug Gott jeden Erstgeborenen Ägyptens (Ex 12,29)
  • der (nur knapp vermiedenen) Opferung Isaaks (vgl. u.): zur Bestätigung des Bundes mit Abraham (= Böser?) fordert(?) Gott das Opfer von dessen (ehelich) Erstgeborenen
  • und dem Kreuzestod Christi: zur Befreiung seines Volkes (= Böser) aus der Sünde und zur Erneuerung des Bundes mit seinem (erweiterten) Ausgewählten Volk opfert Gott seinen eigenen Erstgeborenen (bzw. Einziggezeugten)
sagen die Orationes, die nach der Lesung aus Gen 22,1-19 in Oster- und Pfingstvigil (Tridentinisches Messbuch) bzw. in der Osternacht (aktuelles Messbuch) vorgesehen sind, zu meinem milden Erstaunen: gar nichts. Sie betonen mehr Aspekte, die in dieser Heiligen Nacht die Hauptrollen spielen, ohne dass ich sie gleich dem Text angesehen hätte.

Aber der Reihe nach:

Was zuvor geschah
Abraham hatte einen Vertrag mit dem Philister-König Abimelech geschlossen (Gen 21,27). Den Ort am Brunnen, um den sich die Notwendigkeit der Verhandlungen ergeben hatte und wo sie abgeschlossen wurden, nannte Abraham Beerscheba - „Schwurbrunnen“ „und rief dort den HERRN an unter dem Namen: Gott, der Ewige.“ [Ist die Einheitsübersetzung korrekt? Andere lesen das als: „rief den Namen des HERRN, des ewigen Gottes, an“] (Gen 21,33).
Jedenfalls: man vertrug sich so gut, dass Abraham „sich lange Zeit im Philisterland aufgehalten hatte“ (Gen 21,34). Da „führte Gott Abraham in Versuchung“ (Gen 22,1). [Spekulationen, was damit gemeint sein könnte, ganz am Ende.]

Was man mehr aus der Fußnote als aus dem Text erfährt ist, dass bei den Philistern Kindesopfer nicht unüblich waren. Jedenfalls verstand Abraham Gott so, dass der Sohn der Verheißung, also Isaak, an dessen Geburt in seinem hohen Alter Abraham nur so mühsam hatte glauben können, dass ihm allein schon dieser Glaube als Gerechtigkeit angerechnet wurde (Gen 15,6), geopfert werden sollte. Und er schickt sich in Gehorsam gegen den unverständlichen Willen Gottes an, genau das zu tun:

1. Szene:
10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
2. Szene:
15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.
19 Darauf kehrte Abraham zu seinen Jungknechten zurück. Sie machten sich auf und gingen miteinander nach Beerscheba. Abraham blieb in Beerscheba wohnen.
Die Kirche antwortet in der Osternacht im Gebet:
Deus, fidélium Pater summe, qui in toto orbe terrárum promissiónis tuæ fílios diffúsa adoptiónis grátia multíplicas: et per paschále sacraméntum, Abraham púerum tuum universárum, sicut jurásti, géntium éfficis patrem; da pópulis tuis digne ad grátiam tuæ vocatiónis introíre.
Gott, der Gläubigen höchster Vater, der du auf dem ganzen Erdkreis deiner Verheißung Kinder durch die ausgegossene Gnade der Anwahl* vermehrst und durch das österliche Sakrament Abraham, deinen Diener, wie du geschworen hast, zum Vater sämtlicher Nationen machst: bewillige deinen Völkern, würdig zur Gnade deiner Berufung zu gelangen.
[*Anwahl ist jetzt ein Stück-für-Stück Neologismus für Ad-option oder Annahme an Kindes Statt]

[Unwichtiges Detail: Der Text ist aus dem Alten Messbuch; 2002 gibt es dieselben Wörter (bis auf das letzte: intrare für introire, welche gleichbedeutend sind), aber in einer anderen Reihenfolge, warum auch immer.]

Kernpunkte:
  • Abraham hat die Prüfung bestanden und sich der an ihn ergangenen Verheißung würdig erwiesen, indem er Gott seinen Sohn nicht vorenthielt, und erhielt die größere Verheißung, Vater aller Völker zu werden.
  • Die Verheißung ist erfüllt, indem durch die Taufe tatsächlich aus allen Völkern Menschen zu Kindern Abrahams wurden, wie auch gesagt wird a) im Gebet nach der Ex-14-Lesung: „gewähre, dass zu Söhnen Abrahams und zu israelitischer Würde hindurchziehe die Fülle der ganzen Welt“, wobei hindurchziehen auf die Taufe bezogen ist, soll heißen: dass alle Welt getauft werde; und b) bei der Taufwassersegnung, in der es heißt: „Gott, der du Abrahams Söhne durch das Rote Meer auf trockenem Pfad durchziehen ließest, damit das Volk, von Pharaos Knechtschaft befreit, das Volk der Getauften präfiguriere“.
  • Der Umkehrschluss: wenn Abraham Vater aller Völker wird, werden die Getauften Kinder Abrahams, d.h. die Verheißung, das verheißene Erbe zu erlangen und im Gelobten Land zu wohnen, welche Abraham und seinen Söhnen galt, wird auf Getaufte aller Völker erweitert.
    Mit der Verheißung verbunden ist eine „Berufung“, die Aufforderung, Gottes Willen zu folgen. Wir beten, würdig zur Gnade der Berufung zu gelangen, d.h. um Gottes Beistand, angemessen auf die ergangene Berufung zu antworten und würdige Früchte zu bringen (vgl. die folgende Lesung Jes 4)
In der Pfingstvigil betete die Kirche:
Deus, qui in Abrahae famuli tui opere, humano generi obedientiae exempla praebuisti: concede nobis, et nostrae voluntatis pravitatem frangere, et tuorum praeceptorum rectitudinem in omnibus adimplere
Gott, der du im Werk deines Dieners Abraham dem Menschengeschlecht Beispiele des Gehorsams dargereicht hast: gewähre uns, sowohl die Verdrehtheit unseres Willens zu brechen als auch die Geradheit deiner Vorschriften in allem zu erfüllen.
Abraham hatte sein Leben in Ur aufgegeben, um Gottes Ruf zu folgen; nun ist er bereit, den Sohn der Verheißung zu opfern. Immer wieder gibt er im Gehorsam sein altes Leben weg für das Versprechen eines neuen Lebens. Damit wird er ein Beispiel für uns, weil wir in der Taufe die gleiche Berufung erhalten, wie der Hl. Basil sagt (PG 32, 127-130; Dienstag der Karwoche, Lesehore):
Wir ahmen Christi Tod nach, wenn wir mit ihm in der Taufe begraben werden. Wenn wir nach der Bedeutung dieser Art von Beerdigung fragen und welchen Vorteil wir davon erhoffen: es bedeutet zuerst einmal den vollständigen Bruch mit unserem vorherigen Lebenswandel, und unser Herr selbst sagte, dies könne nicht geschehen, wenn jemand nicht von neuem geboren werde. Anders gesagt, wir müssen ein neues Leben anfangen, und können dies nicht, ohne dem alten Leben ein Ende zu setzen. … Wir empfangen die rettende Taufe nur einmal, weil es nur einen Tod und eine Auferstehung zur Rettung der Welt gab, und die Taufe ist ihr Symbol.
Unbeantwortete Fragen
Es wird nicht geklärt, worin die Versuchung besteht: dass sich Abraham den Philistern assimiliert und geneigt ist, auch ein Kindesopfer zu bringen – d.h. a) seine Verheißung geringachtet? oder b) Gott auf die Probe stellt, ob er trotzdem sein Versprechen hält?
Oder darin, dass Gott so tut, als wolle er Isaak geopfert haben, um zu prüfen, ob Abraham Gott genügend fürchtet, um ihn mehr als seinen einzigen Sohn zu lieben (vgl. Mt 10,37; Lk 14,26)?

Im ersten Fall wäre das Ergebnis der Prüfung: Abraham, der sich sich lange Zeit im Philisterland [und eben nicht im Verheißenen Land, in das Gott ihn aus dem Land seiner Väter gerufen hatte (Gen 15,7)] aufgehalten hatte, kehrt nach Beerscheba zurück und bleibt dort wohnen. → Krise führt zur Entscheidung für Gott.
Im zweiten Fall wäre das Ergebnis: Abraham besteht den Test → Gott bekräftigt die Verheißung aus Gen 15,5 („Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.“). Und erhöht mit dem Versprechen „Segnen werden sich …“ (Vers 18).

Die angestellten Überlegungen sprechen für die zweite Deutung; die Pfingstoratio klingt nun aber so, als hätte Abraham das Opfer gewollt und Gott musste ihn abhalten … Oder wollte Abraham was ganz anderes (im Philisterland wohnen bleiben z.B.) und sein Verdrehtheit musste gebrochen werden durch das Hin und Her Gottes??

Auf keinen Fall einen Exorzismus!

Die Heilige Mutter Kirche lehrt uns heute zu beten
Original
Deus, qui pro nobis Fílium tuum crucis patíbulum subíre voluísti, ut inimíci a nobis expélleres potestátem, concéde nobis fámulis tuis, ut resurrectiónis grátiam consequámur.
Deutsch
Gott, der du wolltest, dass dein Sohn für uns das Marterholz des Kreuzes auf sich nehme, damit du aus uns die Macht des Feindes austreibest, gewähre uns, deinen Dienern, dass wir die Gnade der Auferstehung erlangen.
Messbuch
Heiliger Gott, du hast deinen Sohn der Schmach des Kreuzes unterworfen, um uns der Gewalt des Bösen zu entreißen. Gib uns die Gnade, dass auch wir deinem Willen gehorchen und einst in Herrlichkeit auferstehen.
Hier haben wir einmal das patibulum, den Querbalken des Holzes, der im weiteren Sinne für jedes Instrument zur Vollziehung der Todesstrafe und bildlich auch für die Todesstrafe selbst stehen kann, den Christus auf sich nehmen sollte, gemäß dem Willen des Vaters.

Nun ist „Schmach“, die im Messbuch dafür steht, zwar eine Folge der Verurteilung eines Schwerverbrechers zur Todesstrafe, besonders wenn es eine solch ehrlose wie die durch Tod am Kreuz ist. Die wesentlichere Folge wäre aber (schiene mir, nicht aber dem anscheinend besonders ehrpusseligem Mitarbeiter bei der Herstellung des deutschen Messbuchs) der dabei eintretende Tod.

Dann ist „auf sich nehmen“ ein aktiver Vorgang, „unterworfen werden“ aber nicht, wozwischen der Unterschied, wenn beides auf Willen des Vaters geschieht, in dem beim ersteren als Verbindung erforderlichen Gehorsam des Sohnes besteht, den im letzten Satz nachzuschieben sich besagter Mitarbeiter dann immerhin gemüßigt sah.

Der böse Nachteil® dabei ist, dass im Messbuch die Herrlichkeit der Auferstehung als Folge des menschlischen Gehorsams erscheint, während im Original klar ist, dass was immer wir tun, die Auferstehung nur aus Gnade erlangt werden kann. Nett hat sich das der Mitarbeiter übrigens ausgedacht, dass er „Schmach“ und „Herrlichkeit“ gegeneinander setzt. Der tatsächliche Gegensatz ist aber die „Verdrehtheit unseres Willens“, die überwunden werden muss, um zur „Geradheit von Gottes Geboten“ zu gelangen [vgl. die Oratio zur Gen-22-Lesung in der Osternacht].

Dass es auch schon in diesem Gebet genau darum geht, im Messbuch aber nicht, zeigt die Bitte um Exorzismus bzw. die extreme Unterlassung der korrekten Übersetzung ins Deutsche.

Das Orignal bittet um Austreibung der Macht des Feindes aus uns [damit wir frei werden, dem Willen Gottes zu folgen], die Fälschung um unsere „Entreißung“ aus der Macht des Bösen. Sehr verschieden klar.

Mehr zur persönlichen Frömmigkeit des Zelebranten

Nach den zum Agnus Dei (und dem Friedensgruß, wenn er nicht vorher erteilt wurde) führenden Riten wendet sich der Priester still durch (eigentlich) zwei Gebete direkt an den Herrn Jesus Christus [während die meisten Gebete in der Messe an Gott Vater gerichtet sind], nämlich:
Dómine Jesu Christe, Fili Dei vivi, qui ex voluntáte Patris, cooperánte Spíritu Sancto, per mortem tuam mundum vivificásti: líbera me per hoc sacrosánctum Corpus et Sánguinem tuum ab ómnibus iniquitátibus meis, et univérsis malis: et fac me tuis semper inhærére mandátis, et a te numquam separári permíttas: Qui cum eódem Deo Patre et Spíritu Sancto vivis et regnas Deus in sǽcula sæculórum. Amen.
Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der du nach dem Willen des Vaters und unter Mitwirkung des Heiligen Geistes durch deinen Tod die Welt belebt hast: befreie mich durch diesen hochheiligen Leib und dein Blut von all meinen Sünden und sämtlichen Übeln und lass mich immer deinen Geboten anhängen und erlaube niemals, dass ich von dir getrennt werde. Der du mit besagtem Gott Vater und Heiligem Geist lebst und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Percéptio Córporis [et Sanguinis] tui, Dómine Jesu Christe, quod ego indígnus súmere præsúmo, non mihi provéniat in judícium et condemnatiónem: sed pro tua pietáte prosit mihi ad tutaméntum mentis et córporis, et ad medélam percipiéndam: Qui vivis et regnas cum Deo Patre in unitáte Spíritus Sancti Deus, per ómnia sǽcula sæculórum. Amen.
Der Empfang deines Leibes [und Blutes], Herr Jesus Christus, den ich Unwürdiger zu unternehmen mir anmaße, gereiche mir nicht zu Gericht und Verdammnis, sondern durch deine Gnade nütze mir als Schutzmittel des Geistes und Körpers und als Heilmittel, das aufgenommen werden muss. Der du lebst und herrscht mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Eigentlich, sagte ich, seien es zwei Gebete, weil nach der Neuen Messordnung nur eines von beiden ausgewählt wird. Da zudem das Gebet vor Empfang des Blutes wegökonomisiert wurde, wird nach der Neuen Ordnung das hier mit eingeschlossen, indem die rot markierten Worte ergänzt werden. Dafür fallen die grün markierten Worte, die irgendwie ein hierarisches Verhältnis zwischen Gott und Mensch suggierieren und nicht mehr zum Umgang auf Augenhöhe, der die Neue Ordnung prägt, passt, weg, wie es auch schon dem Suscipe pater, das die gleiche Einstellung transportiert, ergangen war. Die Schlussformeln fallen im Novus Ordo sowieso weg.

Zur geschichtlichen Entwicklung wird gesagt:
Die Gebete wurden ursprünglich von den Priestern wie auch den kommunizierenden Laien gesprochen. Erst mit dem Rückgang der Laienkommunion wurden sie zu mehr oder weniger exklusiven Priestergebeten. Sie ergaben, ggf. ergänzt um weitere liturgische Gebete oder Versikel, eine regelrechte Kommunionandacht.
Freie Formeln nahmen die Gestalt demütiger Bitten oder hymnischer Anrufung an. Weitere Gebete konnten sich an Gottvater und den Sohn, schließlich auch an den Hl. Geist richten bzw. erflehten die Gnade des Hl. Geistes. Schließlich wurde noch bis ins 16. Jh. der Standpunkt vertreten, dass es sich hier um einen frei zu gestaltenden Raum für die persönliche Frömmigkeit des Zelebranten handele.
Bei manchen Heiligen nahm die Andacht auch die Form ekstatischer Verzückung an, wie beispielsweise beim Heiligen Josef von Copertino (eine übrigens voll faszinierende Persönlichkeit, der zu meinen Lieblingsheiligen zu zählen wäre):
Am 4. Oktober 1630, während der Feiern zum Fest von Franziskus, geschah es, dass Josef bis auf die Höhe der Kanzel angehoben wurde und den Atem einer anderen Dimension, der himmlischen Luft, verspürte. Der ekstatische Flug brachte die Fähigkeit mit sich, ins Innerste der vor ihm Stehenden zu blicken und sich mit Tieren zu verständigen.
Diese Flüge machte er wohl öfter und auch in Gegenwart vornehmer Zeugen und wurde in unseren Tagen zum Patron der Astronauten …

Aber es gab auch immer andere Stimmen:
Bereits Bernold von Konstanz mahnte um 1090 zur Kürze.
und
Zur Kommunion des Priesters gehörten ursprünglich keine Gebete, sie war eine schlichte Handlung, bei der der lediglich der Kelch abgedeckt sowie Brot und Wein genossen wurden.
Und weil beim Herrn Bugnini das Zurück-zu-den-Wurzeln (andere sagen: Auf-zu-den-anderen-Ufern-des-Protestantismus) groß geschrieben wurde, haben wir, was wir jetzt haben.

Jedenfalls:

Nach einer Kniebeuge spricht der Priester:
früher:
Panem coeléstem accipiam, et nomen Dómini invocábo.
Das himmlische Brot ergreife ich und rufe den Namen des Herrn an.
[Der Vers ist parallel gebildet zu dem Psalmvers, der später beim Empfang des Blutes gebetet wird.]

heute (während der Priester die Hostie ein klein wenig erhoben über Patene oder Kelch hält, zum Volk gedreht):
Ecce Agnus Dei, ecce qui tollit peccáta mundi. Beáti qui ad cenam Agni vocáti sunt. Siehe das Lamm Gottes, siehe das trägt die Sünde der Welt. Selig, die zum Mahl des Lammes gerufen sind.
Dann spricht der Priester
drei Mal, während er die Hostie zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand und die Patene darunter zwischen besagtem Zeigefinger und dem Mittelfinger hält, während der leicht verneigt sich mit der rechten Hand drei Mal auf die Brust schlägt (alte Ordnung)
bzw.
einmal zusammen mit dem Volk (neue Ordnung)
Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seel gesund.
Danach sind in wenigen Sekunden drei typische Unterschiede zwischen alter und neuer Ordnung zusammengepresst:

1. der Priester macht nach der alten Ordnung mit der Hostie über der Patene eines der vielen Kreuzzeichen, die nach der neuen Ordnung entfallen,

2. der Priester betet: „Der Leib [nur alt: unseres Herr Jesu] Christi geleite mich [hier der typische Unterschied: in der alten Ordnung heißt es hier wie in vergleichbaren Fällen immer ‚meine Seele’] zum ewigen Leben. [nur alt: Amen.]

3. Nachdem er erfürchtig empfangen hat, „legt er sich aufrichtend die Hände zusammen und ruht ein wenig in der Betrachtung/Meditation des Allerheiligsten Sakramentes“. Nach der neuen Ordnung braucht er sich nicht aufzurichten (denn er steht die ganze Zeit), und anscheinend auch nicht zu meditieren, denn die Rubriken fahren fort „Deinde“ (d.h. „dann“, nämlich: nimmt er denn Kelch.)

Dienstag, 16. April 2019

Geheimnißvolle Wahrheiten und der Feuerstein in der Osternacht

Warum war es wesentlich, dass „außerhalb der Kirche Feuer aus einem Stein geschlagen“ wird, um das Osterfeuer zu entzünden, wie bei der Betrachtung der einschlägigen Rubriken gesehen?

Zunächst ein kurzer Rückblick, wie es dazu kam, gemäß den Darstellungen von Johann Kutschker (1843) in seinem Buch „Die heiligen Gebräuche, welche in der katholischen Kirche (ritus latini) vom Sonntage Septuagesimä bis Ostern beobachtet werden“:

„Damals“, schreibt er und bezieht sich auf eine ziemlich entfernte Vergangenheit, da die Neuerungen, auf die wir zusteuern, im 8. Jhd. stattgehabt haben, also „damals“ jedenfalls „war es noch nicht im Gebrauche, daß fortwährend Lampen in der Kirche brannten“. Man wollte abends die Kerzen in der Kirche nicht mit „profanem“ Feuer (etwa aus dem Küchenherd) anzünden, sondern „schlug neues aus einem Stein, welches dann einige mystische Bedeutung erhielt mit Rücksicht auf Jesus, der in der h. Schrift Lux, Lapis angularis, Petra solida genannt wird.“ In Klöstern bekam diese täglich vor der Vesper durchgeführte Verrichtung gerade zum Wochenende hin einen zunehmend feierlichen Rahmen, mit Prozession und so weiter. War in einigen Gegenden dann natürlich auch zur Osternacht dran.

In Rom aber wurde ein neues Feuer schon am Gründonnerstag angezündet und in Öllampen aufbewahrt, die zur Verbrennung der übriggebliebenen heiligen Öle aus dem Vorjahr verwendet wurden, weil ja in der Chrisammesse neues geweiht worden war. Die Feuersegnung in der Osternacht wurde wohl erst vom Papst Zacharias im 8. Jhd. in Rom eingeführt.

„Veranlassung zur Anordnung der Feuerweihe soll ein wunderbares Ereigniß gegeben haben, welches sich zu Jerusalem zutrug, wo im Angesichte der zur Auferstehungsfeier in der Kirche versammelten Gläubigen Feuer vom Himmel herabkam und die seit dem grünen Donnerstage wegen der Trauer über das Leiden Christi ausgelöschten Kirchenlampen wunderbar entzündete. Aus Veranlassung dieses Ereignisses wurde die Feuerweihe am Charsamstage angeordnet und befohlen, daß von diesem neuen Feuer bei dem Anfange des Gottesdienstes die Lampen und Kerzen in der Kirche angezündet werden.“

„Durch die Weihe des Feuers will uns die Kirche mehrere geheimnißvolle Wahrheiten darstellen.
1) Die vorzüglichste derselben ist die Auferstehung des Leibes Christi aus dem Grabe. So wie aus einem kalten Steine der Feuerfunke geschlagen wird, so erglänzte auch der Leib Jesu Christi, aus seinem steinernen Grabe vom Tode lebendig und glorreich erstanden, von einem neuen Lichte umstrahlt. Es wird also aus einem Steine frisches Feuer geschlagen und die durch dasselbe bereiteten Kohlen werden gesegnet, weil von Christus, dem mystischen Ecksteine, bei der glorreichen Auferstehung ein neuer wunderbarer Glanz ausging, durch welchen er die Kohlen, d.i. die durch die Traurigkeit wegen dem Leiden des Herrn erloschenen Herzen der Gläubigen wieder anzündete und mit himmlischen Affecten und Freuden entflammte.“

„2) Bei Beendigung des das Leiden und den Tod Jesu Christi betreffenden Gottesdienstes wird in den Kirchenlampen das alte Licht ausgelöscht; bei der Feierlichkeit der glorreichen Auferstehung des Heilandes aber werden diese Lampen wieder angezündet von dem aus einem Steine frisch geschlagenen Feuer. Denn bei dem Tode Jesu erlosch, oder wurde beendiget das alte Gesetz, das Gesetz der Furcht; bei der Auferstehung aber begann das neue Gesetz, welches ein Gesetz der Liebe ist, die Herzen der Gläubigen entzündend mit dem neuen Feuer der Liebe, das aus Christus strömt.“
Hervorhebung nicht im Original; zur Erläuterung siehe den Beitrag zur Lesung aus Deuteronomium 31, insbesondere die zugehörige Oratio.

Das alte Gesetz wurde im Tod Christi erfüllt (und kann als beendet angesehen werden); vom (Eck)Stein, nämlich Christus, wird durch den Schlag mit dem Kreuz der Heilige Geist uns ausgegossen. Es beginnt also ein neuer Bund. Deshalb sagt Christus selbst: Ich kam, Feuer auf die Erde zu werfen; ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt.

„Das dritte Geheimniß, welches unter der Feuerweihe verborgen ist, deutet die Kirche an in der zweiten Oration dieser Weihe, wo von Gott, ‚dem unvergänglichen Lichte und Schöpfer alles Lichtes, der die ganze Welt erleuchtet hat,’ gebeten wird, ‚daß er dieses Feuer segne, damit wir durch dasselbe entzündet und durch das Licht der göttlichen Klarheit erleuchtet werden; daß Gott, wie er Moysis, da er aus Egypten zog, durch das Licht geführet hat, auch unsere Herzen und unsere Sinne erleuchte, daß wir würdig werden, zum ewigen Lichte und Leben zu gelangen.’ So wie also Gott im A.T. auf die Fürbitte des Moyses unter dem Voranschreiten der Feuersäule das israelitische Volk in das verheißene Land führte: so leitet er auch im N.T. durch das aus den Verdiensten Jesu Christi strömende Licht der Gnade und durch das Feuer der Liebe das christliche Volk zum himmlischen Vaterlande.“
Die Details zu der dem hervorgehobenen Text korrespondierenden Lesung waren bereits betrachtet worden.

„4) Endlich wird durch diese Weihe vorgebildet die einstige Auferstehung der Menschen am Ende der Welt, besonders aber der Gerechten. Das Vorbild dieser Auferstehung ist die Auferstehung Jesu Christi. Denn so wie durch das aus dem Steine geschlagene Feuer die schon ausgelöschten Lampen wieder angezündet werden: so werden auch die todten Leiber der Gerechten durch die Verdienste des Ecksteines Jesu Christi wieder auferstehen und das Licht der Unsterblichkeit erlangen.

„Überhaupt zeigt das aus dem Steine geschlagene und durch die Weihe geheiligte Feuer vorzüglich das Feuer der Gottes- und Nächstenliebe an, welche im A.T. beinahe erloschen, im N.T. durch Christus den Eckstein erneuert worden ist.“

Dringlichkeit 2: Schöpfung – nicht gut genug

Die als zweitwichtigste Vorkenntnis zum Verständnis der Osterbotschaft erkannte Lesung ist der Schöpfungsbericht aus Gen 1,1-2,2:
1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.
4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
…
10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war.
…
16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne.
17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten,
18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war.
…
21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war.
…
25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war.
26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.
28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es.
31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.

1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.
Das Zitat ist auf wenige Highlights beschränkt, auch da in der aktuellen Form der Osternacht der hier blau markierte Abschnitt (Erschaffung des Menschen) als Kurzfassung für ausreichend erachtet wird.

Während bei der Lesung vom Zug durch das Rote Meer der Schwerpunkt auf der Präfiguration der Taufe und auf der Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde lag und die Gabe des Geistes und die Trennung von Licht und Finsternis nur angedeutet waren, bilden diese hier ein Thema, wobei klar ist, dass das sichtbare Licht nur eine Untermenge des geschaffenen Lichtes ist, denn Gott schied Licht von Finsternis (Gen 1,4) lange bevor er Sonne, Mond und Sterne schuf, um Licht und Finsternis zu scheiden (Gen 1,18).

Der Text wird im anschließenden Gebet gedeutet (im Missale Romanum [MR] von 1570 und 1955; im MR 2002 ist es nur 2. Wahl, wenn die Kurzfassung Gen 1, 1.26-31a gelesen wurde):
Deus, qui mirabíliter creásti hóminem et mirabílius redemísti, da nobis, quǽsumus, contra oblectaménta peccáti mentis ratióne persístere, ut mereámur ad ætérna gáudia perveníre.
Gott, der du den Menschen wunderbar erschaffen und wunderbarer erlöst hast, gib uns, bitten wir, gegen die Vergnügungen der Sünde durch die Einsicht des Verstandes standhaft zu bleiben, damit wir verdienen, zu den ewigen Freuden zu gelangen.
Mit umständlicheren Worten: Da das Geschaffene im Einzelnen gut und die Schöpfung insgesamt „sehr gut“ ist, dem Menschen zum Dienstbarmachen und Beherrschen gegeben, was dem Menschen zu Vergnügungen (Erheiterung, Zeitvertreib) gereichen kann, aber eben auch zum Suchen jener mit Mitteln der Sünde, ist die Erschaffung des Menschen nach dem Bilde Gottes (und mit der Fähigkeit zur „Einsicht des Verstandes“) zwar wunderbar, wunderbarer aber die Erlösung, die den Weg zur ewigen Freude öffnet.

Dieser Punkt wird später (d.h. nach Mitternacht, in der Auferstehungsmesse, wenn aus dem Kolosserbrief Kol 3,1-4 gelesen wird) noch vertieft, wo Paulus schreibt:
Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt! Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!
Es wurde ja schon erwähnt, das „früher“ (also vor der nach dem Zweiten Vaticanum vollzogenen Liturgiereform) Priester (oder Diakon) beim Vermischen von Wasser und Wein während jeder Messe die diesem Antwortgebet gleiche Zeile „Gott, der du den Menschen wunderbar erschaffen und wunderbarer erlöst hast“ betete, welche in meinen Augen zu den schönsten der Verlorenen Gebete gehört.

Diese Gesichtspunkte, dass a) das geschaffene Licht mehr ist als das sichbare, b) das ewige Leben wunderbarer und erstrebenswerter ist als das geschaffene leibliche und c) die Einsicht des Verstandes, die zu einem die ewigen Freuden verdienenden Handeln führt, erbeten werden muss, kommen auch im schon bei der besagten Durchzugs-Lesung angesprochen zweiten Gebet der Osterfeuersegnung zum Ausdruck:
Herr Gott, allmächtiger Vater, nie verlöschendes Licht, der du der Schöpfer allen Lichtes bist: segne dieses Licht, das von dir geheiligt und gesegnet ist, der du den ganzen Erdkreis erleuchtet hat: das wir von diesem Licht entzündet und erleuchtet werden durch das Feuer deiner Herrlichkeit: und wie du den aus Ägypten ziehenden Moses erleuchtet hast, so mögest du erleuchten unsere Herzen und Sinne, dass wir zum ewigen Leben und Licht zu gelangen würdig werden.
Obwohl das Licht hier in allen Ausdrücken und Bedeutungen vorkommt, bin ich (wie im letzten Beitrag gesagt) geneigt, in wenigstens einigen eine Anspielung auf den Heiligen Geist zu sehen, was mir den Vorwand gibt, zwei Epiklesen (Herabrufungen des Geistes) bei der Taufwassersegnung [wie im MR1570 beschrieben] aufzuführen:
1. Beim Segensgebet über dem Taufwasser:
Omnípotens sempitérne Deus, adésto magnæ pietátis tuæ mystériis, adésto sacraméntis: et ad recreándos novos pópulos, quos tibi fons baptísmatis párturit, spíritum adoptiónis emítte; ut, quod nostræ humilitátis geréndum est ministério, virtútis tuæ impleátur efféctu.
Allmächtiger, ewiger Gott, hilf durch die Geheimnisse deiner großen Güte, hilf durch die Sakramente: und auf die neuzuschaffenden neuen Völker [d.h. die Täuflinge], die dir die Quelle der Taufe gebären wird, sende den Geist der Anwahl* aus, damit, was im Dienst unserer Ohnmacht auszuführen ist, durch die Wirkung deiner Kraft erfüllt werde.
[*Anwahl ist jetzt ein Stück-für-Stück Neologismus für Ad-option oder Annahme an Kindes Statt]

Das gleiche Gebet wird im MR2002 über die Täuflinge gesprochen, allerdings ohne die grün markierten Worte, dafür mit einer geheimnisvollen Vertauschung von Dienst in Geheimnis (ministerio -> mysterio; blau).

2. Bei einem ääächt eindrucksvollen Ritus (wenn man als kleiner Junge zum ersten Mal in der Osternacht ist und seinen Pastor auf einmal aber so richtig als Priester [jemanden der wirklich höhere Mächte anruft statt seine auswendig gekonnten Gebete verrichtet] erlebt).

Die Osterkerze wird drei Mal (jeweils ein bißchen tiefer) in das Taufwasser getaucht, drei Mal (jeweils ein bisschen höher) wird [am besten mit lauter, flehender Stimme und dem Himmel entgegengestreckter Osterkerze] gesungen
De-scén-dat in hanc ple-ni-tú-di-nem fon-tis vir-tus Spí- ri-tus Sanc-ti.
Es steige herab in diese Fülle der Quelle [d.h. in das Taufwasser, mit dem die Quelle gefüllt ist] die Kraft des Heiligen Geistes.
Dann pustet der Priester noch drei Mal in das Wasser in der Form des Buchstaben Ψ.
Cool.

Die Rückbindung dieses Teils Drei der Osternacht an die hier besprochene Lesung bietet eine Zeile aus dem präfationsähnlichen Gebet (zwischen Segensgebet und Eintauchen der Osterkerze über dem Taufwasser gesungen):
De- us, cu-jus Spí-ri-tus su-per a-quas in-ter ip-sa mun-di prim-ór- di- a fe-re-bá-tur: ut jam tunc virtú-tem sancti- fi- ca- ti-ó-nis aquá-rum na-tú-ra con-cí-pe-ret ...
Gott, dessen Geist unmittelbar bei den Uranfängen der Welt über den Wassern schwebte, damit schon damals das Wesen des Wassers die Kraft der Heiligung empfange ...
Schließlich wird später (beim Tagesgebet in der Auferstehungsmesse) noch speziell um die Bewahrung des Geistes gebetet (bzw. in der aktuellen Osternacht, die eine andere Aufteilung aufweist [und nicht in "alles andere zuerst", dann "die Messe" trennt, sondern mehr dem allgemeinen Aufbau der Messfeier folgt, mit vielen Lesungen und dem Taufteil statt Credo] und bei der also das Gebet mit der Epistellesung vor dem Taufteil dran ist, um die Entfachung des Geistes, so dass die grünen Worte nur früher und die roten nur heutzutage gebraucht wurden/werden):
Deus, qui hanc sacratíssimam noctem glória Domínicæ Resurrectiónis illústras: consérva (excita) in nova famíliæ tuæ progénie (in Ecclesia tua) adoptiónis spíritum, quem dedísti; ut, córpore et mente renováti, puram tibi exhíbeant servitútem.
Gott, der du diese allerheiligste Nacht durch die Herrlichkeit der Auferstehung des Herrn erleuchtest, bewahre in der neuen Nachkommenschaft deiner Familie [=den neu Getauften] (entfache in deiner Kirche) den Geist der Anwahl, den du gegeben hast, damit wir, an Leib und Geist erneuert, dir einen reinen Dienst erweisen.
Sofern [insbesondere in der Kurzfassung des aktuellen Messbuchs] speziell auf die Erschaffung des Menschen abgehoben wird, weiß das Exsultet den Bezug zur Osternacht bzw. den Zusammenhang zwischen Schöpfung und Erlösung herzustellen:
[Jesus] hat für uns beim ewigen Vater Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat.
…
Wahrhaftig, umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet.
…
O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat.
…
Der Glanz dieser heiligen Nacht nimmt den Frevel hinweg, reinigt von Schuld, gibt den Sündern die Unschuld, den Trauernden Freude.
Zwar ist der Sündenfall nicht Teil der Lesung, aber quasi schon in der Schöpfung eingebaut wie das neue Gebet, dass aktuell (MR 2002) als erste Wahl für die Osternacht vorgesehen ist, andeutet, da es die göttliche Vorsehung/den Heilsplan anspricht:
Omnípotens sempitérne Deus, qui es in ómnium óperum tuórum dispensatióne mirábilis, intéllegant redémpti tui, non fuísse excelléntius, quod inítio factus est mundus, quam quod in fine sæculórum Pascha nostrum immolátus est Christus.
Allmächtiger, ewiger Gott, der du wegen des Heilsplan für alle deine Werke bewundernswert bist; mögen deine Erlösten erkennen, dass nicht vorzüglicher gewesen ist, dass im Anfang die Welt geschaffen wurden, als dass am Ende der Zeiten Christus als unser Pascha geopfert wurde.
Bemerkenswert ist noch, dass hier lediglich nicht(Schöpfung > Erlösung) behauptet wird (⇔ Schöpfung ≤ Erlösung), während traditionell täglich Erlösung > Schöpfung bestätigt wurde.