Mittwoch, 12. September 2018

Mehr davon

Zur MHG-Studie über den sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester:
Dem SPIEGEL liegt die Zusammenfassung der Ergebnisse vor.
Für den Zeitraum von 1946 bis 2014 sind 3677 sexuelle Vergehen an überwiegend männlichen Minderjährigen protokolliert, begangen von insgesamt 1670 Klerikern. ...
[Fazit] Die grundsätzliche Ablehnung der katholischen Kirche zur Weihung homosexueller Männer ist dringend zu überdenken.
Weil die Opfer meistens männlich sind, ist quasi auszuschließen, dass die Täter homosexuell sind, und deshalb sollten mehr Homosexuelle geweiht werden? Klingt unbedingt logisch.

Donnerstag, 7. September 2017

Germanische Wurzeln

Beim Stöbern im Germanischen Wörterbuch fand sich Folgendes:

Das germanische luba wird neuhochdeutsch einmal zu Lob im Sinne von Preis, findet sich aber desweiteren in Er-laub-nis, Ur-laub. Leicht verständlich: wenn man etwas loben oder gutheißen kann, ist es erlaubt. (Entsprechend ist lateinisch lubet = es ist erlaubt.)

Das Verb zu luba ist luben = hoffen, was germanisch ein weiteres Substantiv lubains = Hoffnung gibt, welches sich anscheinend in späteren Sprachstufen nicht erhalten hat.

Im Mittelhochdeutschen wird loben nicht nur im Sinne von „preisen“ oder „gestatten“ verwendet, sondern auch im Sinne von „versprechen“, wie es in ge-loben oder ver-loben erhalten ist, denn ein anderes germanisches Verb zu luba ist laubian, was neben erlauben und loben schon glauben bedeutet; deutlicher in ga-laubian (glauben, eigentlich gut heißen, gern haben; so ist gotisch galaufs = wertvoll). (Das englische be-lieve stammt über das angelsächsiche ge-liefan auch hierher.)

Das Adjektiv zu luba ist leuba = lieb, woraus althochdeutsch liubi und mittel-/neuhochdeutsch Liebe wird. Aus derselben indogermanischen Wurzel lubh kommt altslawisch ljuby (Liebe), lateinisch libido (Begierde), sanskrit lubhyati (empfindet heftiges Verlangen), angelsächsisch lufu, englisch love (Liebe). Auch einsichtig: was man loben kann, wird man auch lieben.

So wachsen die drei Blüten (sozusagen) Glaube, Hoffnung und Liebe (zumindest sprachlich) aus der Wurzel Lob, so wie die Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung und Liebe aus dem Lobe Gottes. Fand ich interessant.

Sonntag, 9. Juli 2017

Heidnische Sitten

Höchst selten kommt es in dem so zahlreichen Volk zu Ehebruch; und dann folgt die Strafe unmittelbar und ist dem Mann überlassen. Mit abgeschnittenem Haar, entblößt, vor den Augen der Verwandten jagt er das Weib aus dem Hause und peitscht sie mit Ruten durchs ganze Dorf. Und für preisgegebene Keuschheit gibt es keine Verzeihung: nicht Schönheit, nicht Jugend, nicht reiche Habe könnte ihr einen Mann gewinnen. Denn dort lacht niemand über das Laster, und Verführen und Sichverführenlassen heißt nicht „der Geist der Zeit“.
Besser steht es gewiß noch um Völkerschaften, bei denen nur Jungfrauen heiraten und mit der Hoffnung und dem Gelübde der Ehefrau einmal für immer abschließen. So erhalten sie einen Mann, wie sie einen Leib und ein Leben erhalten haben, auf daß sich kein Gedanke darüber hinaus, kein Begehren weiter verirre, daß sie gleichsam nicht den Ehegemahl, sondern die Ehe selber lieben. Die Zahl der Kinder zu beschränken oder ein nachgeborenes zu töten, gilt als verruchte Tat; mehr vermögen dort gute Sitten als anderswo gute Gesetze.
(Tacitus, Die Germania 19)

Freitag, 4. November 2016

Der Herr lobt Franz Cleverle

In Zeiten, da gültige Ehen nicht mehr geschlossen werden können, weil niemand mehr versteht, welch gelegentlich ausgedehnten Zeiträume mit dem Versprechen einer „lebenslangen“ Treue verbunden sein können, ist man leicht geneigt, realistischere Ansprüche zu stellen:
Was hast du getan – permanenter Ehebruch? Sagen wir: du kümmerst dich um die Kinder der neuen Beziehung. Und du – Sodomie? Sagen wir: man übernimmt Verantwortung für einander.
Und der Herr lobte die Klugheit des gegenwärtigen Papstes und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
Es ist schon beeindruckend, mit welchem Eifer manche Bischöfe sich beliebt zu machen bestrebt sind; wer hätte ihnen solche Weitsicht bei der Nach-Rücktritts-Versorgungsplanung zugetraut.

Komisch, dass Paulus nicht mitzieht, wenn er mäkelt:
Denn viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche - leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.




Donnerstag, 3. November 2016

Was weiß ich

Nach langen Streitgesprächen mit seinen Freunden und Gehadere mit Gott kam Ijob schließlich zu einer Einsicht: Ganz sicher aber weiß ich, dass …

Was er aber nun weiß, erschließt sich aus dem überlieferten Text scheint’s unvollständig, wie aus der Vielzahl der unterschiedlichen Übersetzungsversuche erhellt.

Nehmen wir zuerst mal Ijob 19,25 aus der HBS und multiplizieren mit dem Wörterbuch, so ergibt sich:
Und ich merke/erfahre/erkenne/verstehe: mein Erlöser/Bluträcher lebendig/frisch, und wird als Hinterer/Zweiter/Künftiger/Letzter über/auf dem Staub/Lehm/Erdboden/Schutt aufstehen/sich erheben/Bestand haben/stehen.
Schon die Alten scheinen sich nicht mehr recht sicher gewesen zu sein, was dies heißen könnte, denn die Septuaginta hat: „ewig ist, der mich erlösen wird auf der Erde“, mit einem klaren Diesseits-Bezug und der Erwartung einer innerweltlichen Wiedergutmachung, wie ja auch schließlich Ijob zu neuen Besitztümern und Kindern kommt. Okay, aber hm.

Der Heilige Hieronymus hat in der Vulgata eine eher endzeitliche Vision, macht allerdings einen Grammatikfehler, wenn er übersetzt: "mein Erlöser lebt und ich am Ende von der Erde auferstehen werde".

Interessant die Idee, den Goel als Anwalt/Vertreter/Verteidiger zu sehen, wie z.B. in
Zürcher Bibel: mein Anwalt lebt, und ein Vertreter ersteht (mir) über dem Staube.
Rießler: für mich lebt ein Verteidiger, und schließlich tritt er doch auf Erden auf.
In vielen Übersetzungen weiß Ijob, dass sein Erlöser auf dieser unserer Erde stehen wird; deutlich unklarer scheint zu sein, ob der Erlöser „als Letzter“ (wie soll man das verstehen? alle Menschen sind hinweggerafft und einer bleibt übrig?) oder „zuletzt/schließlich/am Ende/zukünftig“ (was ja irgendwie voll einsichtig ist) steht.

Beliebte Varianten dazu sind:
Nova vulgata: mein Erlöser lebt und wird am Ende über dem Staub stehen.
Einheitsübersetzung: mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub.
Elberfelder: mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staub stehen
Luther 1984: mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.
Pattloch: mein Verteidiger lebt, und als letzter wird er über dem Erdenstaub auftreten.
Schlachter 2000: mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben.
English Standard Version: mein Erlöser lebt, und am Ende wird er auf der Erde stehen.
King James Version: mein Erlöser lebt, und dass er wird am späteren Tag auf der Erde stehen.
Segond 21: der mich erlöst lebendig ist und dass er sich zuletzt über der Erde erheben wird.
Český ekumenický překlad: mein Erlöser lebt, und schließlich wird er auf der Erde stehen.
Slovo na cestu: mein Erlöser lebt, und schließlich auf der Erde stehen wird.
Holman Christian Standard Bible. [Ich kenne] meinen lebendigen Erlöser, und Er wird am Ende auf dem Staub stehen.
Nur zur Erheiterung einige phantasiegeschwängerte Versuche:
Hoffnung für alle: mein Erlöser lebt; auf dieser todgeweihten Erde spricht er das letzte Wort!
Gute Nachricht Bibel: Gott, mein Anwalt lebt! Er spricht das letzte Wort hier auf der Erde.
Neues Leben: mein Erlöser lebt und auf dieser Erde das letzte Wort haben wird
Neue evangelistische Übersetzung: mein Erlöser lebt, er steht am Schluss über dem Tod.
Bible du Semeur: mein Verteidiger ist lebendig: er wird sich erheben über die Erde, um das Urteil zu verkünden.
Het Boek: mein Erlöser lebt und dass er schließlich mit seinen Füßen auf der Erde stehen wird.
Nueva Version Internacion: mein Erlöser lebt, und dass am Ende er triumphieren wird über den Tod.
O Livro: mein Erlöser lebt, und bei ihm wird sein das letzte Wort zu meiner Verteidigung.
Nya Levande Bibeln: mein Erlöser lebt und mir endlich nahe sein wird.
Bibelen på hverdagsdansk: es jemanden gibt, der mich befreien wird, und er auf der Erde stehen wird.
Insgesamt finde ich die konkrete Messias-Erwartung, dass nämlich Gott, der Erlöser, persönlich auf der Erde wandeln wird, am verständlichsten:
Ich weiß gewiss: mein Erlöser lebt und wird künftig auf dem Erdboden stehen.