Mittwoch, 4. November 2020

Vergiss nicht, dein Brot zu essen

Aus einer Predigt des Hl. Bernhard von Clairvaux:

Hört [den Herrn] selbst: Wer mich liebt, sagt er, bewahrt meine Worte, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen. Aber was bedeutet das: wer mich liebt, wird meine Worte bewahren? Wo sind sie zu bewahren? Ohne Zweifel im Herzen, wie der Prophet sagt: In meinem Herzen verberge ich deine Aussprüche, damit ich nicht gegen dich sündige. Aber auf welche Weise bewahrt er im Herzen? Reicht es aus, bloß im Gedächtnis zu bewahren? Über diese Art des Bewahrens sagt der Apostel: Wissen bläht auf. Darüber hinaus löscht das Gedächtnis leicht das Vergessen. Daher bewahre das Wort Gottes, wie du es besser bewahren kannst: wie die Nahrung deines Körpers. Denn jenes ist auch lebendiges Brot und Nahrung des Geistes. Irdisches Brot kann, solange es im Kasten ist, vom Dieb weggenommen, von der Maus zernagt oder durch Alter verdorben werden. Wenn du es aber gegessen hast: was von dem würdest du fürchten? Auf diese Weise bewahre das Wort Gottes: Selig, die es bewahren. Also verleibe es gewissermaßen dem Inneren deiner Seele ein, dass es in deine Gesinnungen und Gewohnheiten übergehe. Esse das Gute, und deine Seele wird in Fülle erfreut werden. Vergiss nicht, dein Brot zu essen, damit nicht dein Herz austrockne, sondern mit Fett und Öl deine Seele aufgefüllt werde. Wenn du das Wort Gottes so bewahrst, wirst du ohne Zweifel von ihm bewahrt werden. Kommen wird nämlich zu ihm der Sohn von Vater, kommen wird der große Prophet, der Jerusalem erneuern wird, und er wird alles neu machen. So nämlich kommt er, dass wir, wie wir das Abbild des Irdischen tragen, auch das Abbild des Himmlischen tragen werden. Wie der alte Adam durch den ganzen Menschen verstreut wurde und ihn ganz besetzt: auf die gleiche Weise soll auch Christus den ganzen [Menschen] in Besitz bekommen, der den ganzen erschaffen, den ganzen erlöst hat und den ganzen verherrlichen wird, und der den ganzen Menschen heil gemacht hat. Es war in uns einst der alte Mensch, jener ungetreue Verwalter war in uns sowohl in der Hand als im Mund und im Herzen. In der Hand doppelt: durch Verbrechen und Laster. Im Mund gleichfalls durch Anmaßung und Herabwürdigung. Im Herzen auch durch Verlangen des Fleisches und Verlangen nach weltlichen Ehren. Jetzt aber als neue Schöpfung in ihm, vergehe das Alte, und gegen das Verbrechen in der Hand stehe Unschuld, gegen Laster: Enthaltsamkeit. Im Herzen gegen Anmaßung: das Wort des Bekennens, gegen Herabwürdigung: ein Wort der Erbauung, dass das Alte aus unserem Mund weiche. In unseren Herzen wahrlich gegen das Verlangen des Fleisches: Nächstenliebe, und Demut gegen zeitlichen Ruhm.

Freitag, 23. Oktober 2020

schlimme Zeiten für die Morallehre

Tempores mutantur, nos et in illis mutamur; forsan olim fuisse meminisse adiuvat.
(Die Zeiten ändern sich, und wir uns in ihnen; möglich, dass was einst gewesen zu erinnern hilft.)


Wer meint, die Kirche mache gegenwärtig schlimme Zeiten durch, möge betrachten, welche Irrtümer einer lockeren Morallehre das Heilige Offizium im September 1665 ausdrücklich zu verurteilen für nötig hielt:

[...]

17. Est licitum religioso vel clerico, calumniatorem gravia crimina de se vel de sua religione spargere minantem occidere, quando alius modus defendendi non suppetit: uti suppetere non videtur, si calumniator sit paratus vel ipsi religioso, vel eius religioni publice et coram gravissimis viris praedicta impingere, nisi occidatur.

18. Licet interficere falsum accusatorem, falsos testes ac etiam iudicem, a quo iniqua certo imminet sententia, si alia via non potest innocens damnum evitare.

19. Non peccat maritus occidens propria auctoritate uxorem in adulterio deprehensam.

 17. Frei steht es einem Ordensmann oder Kleriker, einen Verleumder, der schwere Anschuldigungen über ihn oder seinen Orden zu verbreiten droht, zu töten, wenn eine andere Weise der Verteidigung nicht zur Verfügung steht: wie etwa der Fall ist*, wenn der Verleumder bereit ist, den Ordensmann oder seinen Orden öffentlich und vor gewichtigen Leuten Vorstehendes anzutun, wenn er nicht getötet wird.
* wörtlich: nicht zur Verfügung zu stehen scheint

18. Es ist erlaubt, einen falschen Ankläger, falsche Zeugen oder auch den Richter, von dem sicher ein ungerechtes Urteil zu erwarten ist, umzubringen, wenn man nicht auf anderem Wege unschuldig die Niederlage vermeiden kann.

19. Ein Ehemann sündigt nicht, wenn er aus eigener Vollmacht die beim Ehebruch erwischte Ehefrau tötet.

Samstag, 29. August 2020

Das Bad der Tränen

Unter den Werken, die Leo dem Großen zugeschrieben werden, findet sich eine „Ansprache des Erzdiakons an den Bischof für die Versöhnung der Büßer“ (PL 55:157f.), die am Gründonnerstag geschieht. [Wer sich kurz an den liturgischen Zusammenhang, in dem diese Ansprache gehalten wurde, erinnern will, wird weiter unten fündig.]

Die Ansprache

Jetzt ist, ehrwürdiger Bischof, die rechte Gnadenzeit, der Tag der göttlichen Huld und des menschlichen Heils [vgl. 2. Kor 6,2], an welchem der Tod [seinen] Untergang, das ewige Leben aber [seinen] Anfang nimmt: wann im Weingarten des Herrn der Heerscharen sowohl die Pflanzung der Neuen* geschehen als auch der Fluch der Altheit gesühnt werden soll. Obgleich nämlich keine Zeit ohne göttliche Güte und die Vaterliebe Gottes bleibt, ist dennoch jetzt der Nachlass der Sünden durch die Nachsicht freigiebiger, reicher die Aufnahme der Neugeborenen durch die Gnade. Vergrößert werden wir durch die Wiederherzustellenden [die Taufbewerber]; wir wachsen durch die Umkehrer [die Büßer]. Es waschen die Wasser [in der Taufe], es waschen die Tränen [der Büßer]. Daher die Freude über die Aufnahme der Berufenen, deshalb der Jubel über die Lossprechung der Büßer. Daher kommt es, dass dein demütiger Bittsteller [der Büßer, der den Bischof bittet], nachdem er durch Vernachlässigung der himmlischen Gebote und durch Übertretung der löblichen Sitten in verschiedene Arten von Vergehen fiel, erniedrigt und niedergeworfen** mit prophetischem Ruf zu Gott schreit, sagend: „Ich habe gesündigt, ruchlos gehandelt, Missetat begangen, erbarm dich meiner, Herr“. Den evangelischen Ruf mit nicht täuschendem*** Ohr erfassend: „Selig die trauern, denn sie werden getröstet werden“ hat er, wie geschrieben steht, das Brot der Mühsal gegessen [Ps 127, 2], benetzt [sein] Bett mit Tränen [vgl. Ps 6, 6]; sein Herz hat er mit Trauer, seinen Leib zerknirscht mit Fasten, damit seine Seele wiedererlange, was sie verloren hatte: Gesundheit. Einzigartig ist die Hilfe der Buße deshalb, weil sie den Einzelnen nützt und Allen zum Gemeinwohl beiträgt. Dieser also, während er zur Tat der Reue durch so große Beispiele [in der Heiligen Schrift] angeregt wurde, wirft sich unter dem Blick der seufzenden Kirche, ehrwürdiger Bischof, nieder und spricht: „Meine Missetaten erkenne ich, und meine Vergehen stehen immer gegen mich. Wende dein Angesicht von meinen Sünden, Herr, und tilge alle meine Missetaten. Gib mir wieder die Freude deines Heils, und mit einem bereitwilligen Geist stärke mich“ [Ps 51, 5.11.14]. Während er so fleht und die Barmherzigkeit Gottes mit zerknirschtem Herzen verlangt, stelle in ihm, apostolischer Bischof, wieder her, was vom zerstörenden Teufel verdorben ist, und mit den beschirmenden Verdiensten deiner Gebete mache diesen Menschen durch die Gnade göttlicher Versöhnung [wieder] zum Nächsten für Gott, damit er, der vorher in seinen Verkehrtheiten mißfiel, von jetzt an freudig danke, dass er Gott wohlgefalle im Lande der Lebenden, während der Urheber seines Todes besiegt ist.

* ergänze: Weinstöcke; angespielt wird auf die bevorstehende Taufe der Katecheten in der Osternacht

** Die Büßer liegen während der Ansprache auf dem Boden.

*** Der Büßer hat die Seligpreisung mit aufrichtigem Ohr gehört, d.h. beherzigt.

 

Der liturgische Zusammenhang:

Beschreibung des Bußritus

[aus Hermann Josef Schmitz „Die Bußbücher und die Bußdisziplin der Kirche“ (Mainz, 1883)]

Aschermittwoch

Die Büßer, welche die Bestimmung ihrer Buße erhalten haben, sollen [aus der Kirche] ausgewiesen werden und vor der Kirchtüre stehen bleiben. Dann wird im Chor die Sext gebetet und die Weihe der Asche vollzogen. Der Bischof zieht hierauf in feierlichem Zuge mit seinen Assistenten und dem gesamten Klerus in die Mitte der Kirche und lässt sich dort auf einem für ihn bereiteten Sitz nieder; der Klerus stellt sich zu seiner Rechten und seiner Linken in einer Reihe bis zur Kirchtüre auf. Jetzt tritt der Erzpriester vor und liest die Namen der Büßer seines Archipresbyterates vor. … Die aufgerufenen Büßer treten mit brennenden Kerzen vor, und werfen sich zwischen den Reihen der Kleriker vor dem Bischof nieder; der Erzpriester besprengt sie mit Weihwasser und legt jedem Einzelnen die Asche auf das Haupt. Dann betet der Bischof mit dem Chor zur Erde niedergestreckt abwechselnd die 7 Bußpsalmen …Nunmehr erheben sich die Büßer und der Bischof hält ihnen eine Anrede, in welcher er ihnen ankündigt, dass sie nach dem Beispiele Adams, der seiner Sünden wegen aus dem Paradiese verbannt wurde, nunmehr zeitweilig aus der Kirche verwiesen würden. Dann nimmt der Bischof den ihm zunächst stehenden Büßer bei der rechten Hand; dieser reicht seinem Nächsten und so jeder Büßer seinem Nachbar die Hand; der Bischof führt die ganze Kette aus der Kirche hinaus, während der Chor eine Antiphon von dem Fluche Gottes über Adam singt. Auf der Türschwelle der Kirche stehend ermahnt der Bischof die ausgewiesenen Büßer, nicht zu verzweifeln, sondern durch Fasten, Gebete, Wallfahrten, Almosen und andere gute Werke würdige Früchte der Buße zu bringen. Er kündet ihnen an, dass sie am Gründonnerstag wieder kommen sollen, damit sie alsdann in die Kirche zurückgeführt würden, welche sie vorher zu betreten nicht wagen sollten. Während der Bischof alsdann mit dem Chor zurückkehrt zum Altar, werden die Tore der Kirche verschlossen.

Das Pontificale erwähnt die in einigen Kirchen übliche Praxis, am Morgen des Gründonnerstags auf Geheiß des Bischofs eine Messe für die Büßer zu lesen und zwar an einem Altare, der nahe an den Kirchtüren sich befinde. Hiernach sollen die dazu bestimmten Priester den Büßern die Beichte abnehmen, [dabei] genau erforschen, wie sie im Laufe der Quadragesima gelebt und die Buße geleistet haben, sowie die Namen derselben, die Jahre der Buße und die Vergehen mit den betreffenden Umständen aufzeichnen, damit der Bischof leichter über die Anklage der Einzelnen entscheiden könne. Nach der abgelegten Beichte soll der Bischof mit den Priestern vor der Sext darüber Beratung abhalten, welche würdig seien, rekonziliert zu werden. …

Der Bischof mit den 4 Diakonen und der Erzdiakon, alle im großen Ornat gekleidet, werfen sich auf die Stufen des Altares nieder und beten die 7 Bußpsalmen und die [Allerheiligen‑]Litanei; die Büßer knien unterdessen mit nackten Füßen vor den Türen der Kirche und halten ausgelöschte Kerzen in den Händen. Die Litanei wird bei der Bitte »alle heiligen Patriarchen und Propheten – bittet für uns« unterbrochen, indem der Bischof zwei Subdiakone mit brennenden Kerzen zu den Büßern sendet. Auf der Türschwelle angelangt, zeigen diese die Lichter und singen »Sowahr ich lebe, spricht der Herr, will ich den Tod des Sünders nicht usw.« Bei der Bitte [der Allerheiligen-Litanei] »alle heiligen Martyrer usw.« wiederholen zwei andere Subdiakone dieselbe Zeremonie mit den Worten: »So spricht Gott: tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe.« Bei dem »Agnus Dei« wird der Erzdiakon zu den Büßern mit großer angezündeter Kerze gesandt; er singt die Antiphon: »Erhebt eure Häupter usw. « und alsdann werden die Kerzen der Büßer angezündet. Nach dieser schönen Zeremonie begibt sich der Bischof mit dem gesamten Klerus in die Mitte der Kirche, und der Klerus stellt sich wieder wie am Aschermittwoch in zwei Reihen bis zu den Toren der Kirche auf. Der Erzdiakon ermahnt die Büßer: »Steht in Stille « und hält dann die auch vom Ordo Romanus mitgeteilte Ansprache an den Bischof [s.o.], in welcher er auf die begonnene Zeit der Gnade hinweist und die Wiedervereinigung der Büßer mit der Gemeinschaft erfleht. Der Bischof richtet an die Büßer eine kurze Ermahnung, wie sie demnächst ihr Leben führen sollen, da sie nunmehr auf Grund der Barmherzigkeit Gottes in die Kirche zurückgeleitet würden. Nach einer dreimaligen Aufforderung des Bischofs »Kommt! Kommt! Kommt!«, machen die Büßer jedes Mal eine Kniebeugung und werfen sich zuletzt unter das Tor der Kirche vortretend zu Füßen des Bischof nieder. Auf eine abermalige Bitte des Erzpriesters um Wiederaufnahme der Büßer fragt ihn der Bischof »Weißt du, dass sie der Versöhnung würdig sind?«; er antwortet mit den Worten: »Ich weiß und bezeuge, dass sie würdig sind«. Dann erheben sich die Büßer, reichen sich die Hand und werden in einer Reihe von dem Bischof, der die Hand des ersten ergreift, also in gleicher Weise wie am Aschermittwoch ihre Ausweisung geschah, wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen in der Kirche zurückgeführt. Hierauf folgt eine Zahl von Gebeten, unterbrochen durch eine Präfation und zum Schluß die Absolution, mit welcher die Rekonziliation vollendet ist.

Donnerstag, 11. Juni 2020

Paschasius: Über Leib und Blut

Der Heilige Ratbert, besser unter seinem Ordensnamen Paschasius bekannt, hat als Erster die später unter den Namen Transsubstantition bekannt gewordenen Geheimnisse gedanklich zu durchdringen versucht, und seine Ergebnisse im Buch „Über Leib und Blut des Herrn“ niedergelegt.

Der Gedankengang des ersten Kapitels ist etwa folgender:

  1. Der Wille Gottes hat nicht nur Alles aus Nichts geschaffen, sondern erhält auch alles.
  2. Daher geschieht jedes Wachsen, Entstehen oder Vergehen nicht aus der Natur der Dinge selbst, sondern aus dem Willen Gottes.
  3. Entsprechend ist auch jede Veränderung eines Dinges in ein anderes – sei es auch gegen die gewöhnliche Ordnung der Natur – möglich, wenn Gott es so will.
  4. Insbesondere wollte Gott, dass in der Konsekration die Gaben von Brot und Wein wahrhaft zu Fleisch und Blut Christi werden.
  5. Dies erkennt man, wie man auch im in der Gestalt eines Sklaven gekreuzigten Christus Gott erkennt: nämlich durch den Glauben.
  6. Die Fülle der Wunder des Alten und Neuen Testaments belegen Punkt 3.
  7. Zusammenfassung: alles was geschieht ist im Willen Gottes begründet, und was im Willen Gottes ist, ist auch wirklich.
  8. Es gibt kein größeres Wunder als das Altarssakrament; und alle anderen Wunder geschahen nur, damit dieses eine geglaubt werde.
    Deshalb wird bei der Konsekration kein (äußerlich sichtbares) Wunder gewirkt: damit der Glaube sein Verdienst habe.
    Vergleich mit dem paradisischen Baum des Lebens: durch eine sichtbare Sache wirkt innerlich eine unsichtbare Kraft.

 

Der Anfang des ersten Kapitels übersetzt:

Jedweder Katholik, der zu Recht von Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt zum Heil, dass Gott Sämtliches geschaffen hatte aus dem Nichts, kann niemals daran zweifeln, dass wiederum aus irgendetwas irgendetwas anderes gemacht werden kann, sozusagen ein ‚gegen die Natur Anderes’, wie durch ein Naturgesetz, das es vorher noch nicht gab. Denn die Natur allen Geschaffenen ist nicht aus sich, und nicht aus sich selbst erschafft sie wiederum alles, das durch das natürliche Entstehen der Dinge entsteht: sondern im Willen Gottes ist die Natur aller Dinge gegründet. Deshalb, wenn jemand recht überlegt, wird er nicht die Natur die Ursache der Dinge nennen: sondern bekennen, dass das Entstehen aller Naturen aus einer gleichartigen Natur der Wille Gottes ist. Sodann ist der Wille Gottes so wirksam und allmächtig, dass allein aus seinem Wollen, etwas geschehe, es geschieht, und durch dieses Es-Gewollt-haben es geworden ist. Daher wird zweifelsfrei richtig geglaubt, dass aller Dinge und Naturen Ursache allein der Wille Gottes ist.

Deshalb, wann immer man in der Welt sieht, dass sich etwas gleichsam gegen die Natur ereignet, ist es dennoch nicht gegen die Natur, weil gerade die Natur der geschaffenen Dinge dadurch ausgezeichnet ist, dass sie immer dessen Befehlen gehorcht, von dem sie [geschaffen] ist: dass wie das Wollen Gottes tatsächlich ihr Sein ist, so ist sie [die Natur] auch wiederum, was immer die Kraft Gottes entscheidet – entweder nimmt sie durch Wachstum zu, oder durch Entstehen, möglicherweise wird sie wegen unserer Sünden verringert, oder durch Änderung in etwas ganz anderes als sie war – während die Ordnung der Natur außer Acht gelassen wird – verwandelt. Das bekennen wir äußerst zu recht.

Hier wurde sehr schön von einem unserer Dichter gesagt:

Subditur omnis Imperiis natura tuis rituque solute,
Transit in adversas, issu dominante figurat.

Unterworfen ist die ganze Natur deiner Macht, und losgelöst vom Brauch
Geht sie ins Gegenteil über, vom herrscherlichen Befehl geformt.

Weil ja nun außerhalb der Macht Gottes nichts ist, deshalb vermag er alles.

Denn nicht so hat Gott als Schöpfer von allem die Naturen der Dinge geschaffen, dass er sein Wollen von ihnen abzöge: denn aller Geschöpfe Bestand besteht in demselben Willen Gottes und [seiner] Kraft: von diesem [Willen] hat es nicht nur die Ursache, dass es bestehe als was immer es ist, sondern auch dass es so werde, wie der Wille Gottes selbst es bestimmt, welcher [Wille] die Ursache aller Geschaffenen ist. Überhaupt besteht irgendein Dasein der Geschöpfe nicht, außer in seinem [Gottes] Willen, aus dem sein [des Geschaffenen] ganzes Sein entspringt. Und daher: sooft sich die Natur des Geschöpfs ändert, entweder zunimmt, oder schwindet, wird es nicht von jenem Sein geschieden, in welchem es ist: denn so ist es, und so wird es, wie jener entscheidet, von dem es ist. Es ist also klar, dass nichts außerhalb oder gegen Gottes Wollen sein kann, sondern es geben ihm alle [Dinge] in allem nach. Und deshalb niemand möge verwundert sein über diesen Leib Christi und [sein] Blut, das im Mysterium wahres Fleisch wird und wahres Blut wird: solange es der so wollte, der sie geschaffen hat.

Alles nämlich, was der Herr wollte, machte er, im Himmel und auf der Erde. Und weil er wollte, nämlich dass unter der Gestalt von Brot und Wein dieses geschehe, muss man gänzlich glauben, dass sie nach der Konsekration nichts anderes sind als Fleisch Christi und Blut. Daher sagte die Wahrheit selbst [= Jesus] zu den Jüngern: ‚Dieses ist mein Fleisch, für der Welt Leben’. Und um noch wunderbarer zu reden: es ist gewiss kein anderes [Fleisch], als das von Maria geboren wurde, und gelitten hat am Kreuz, und auferstanden ist aus dem Grab. Dieses, sage ich, ist es selbst, und deshalb ist es Christi Fleisch, welches für der Welt Leben bis heute geopfert wird, und wenn es würdig empfangen wird, gewiss das ewige Leben in uns wiederherstellt. Denn wenn jemandem was wir sagen weniger glaubhaft scheint: betrachte er die gesamten Wundertaten des Alten und Neuen Testamentes, die gegen die Ordnung der Natur zur Bekräftigung des Glaubens von Gott vollbracht wurden: und er wird bei Licht klarer sehen, dass für Gott nichts unmöglich ist, weil das Sein aller [Dinge] Gottes Wille ist, und was immer Gott will, das werden die einzelnen [Dinge].

Aber nun, wenn irgendjemand dieses nicht glaubt: wenn er Christus im Kreuz gesehen hätte, in der Gestalt eines Sklaven, wie würde er ihn als Gott erkannt haben, wenn er nicht durch den Glauben vorher überzeugt gewesen wäre? So auch bei diesem Leib, wo die Gestalt anderes zeigt: wie soll er das Fleisch Christi sehen, wenn er nicht durch den Glauben wahrhaft überzeugt ist? Denkt er etwa, es läge in der Natur des Roten Meeres, sich zu teilen, damit das Volk auf trockenem Pfad mittendurch ziehe, oder dass jenes ganze Wasser Ägyptens aus sich, d.h. durch Moses, die Kraft habe, sich in Blut zu verwandeln usw. Oder lag es etwa im Willen Gottes, die Unfrommen zum Glauben zu streicheln und anhand der Gestalt seiner [des Wassers] Farbe zu zeigen, dass alle Befeuchtung ihrer Lehren und Sitten verwandelt wurde in Blut? Dann im Evangelium: ob das aus dem Brunnen geschöpfte Wasser die Macht hatte, sich in den Geschmack des Weins umzuwandeln? Und damit ich nur wenige der Unzählbaren in Erinnerung rufe: Hatte jenes Feuer der Babylonier, worein drei Jünglinge geschickt wurden, durch die Natur, nicht heiß zu sein? Oder war es im Willen Gottes, dass gleichsam ein Hauch von wehendem Tau eintrete, dass er Abkühlung mehr als Brand den Heiligen verschaffe? Überlege also jeder: hatten es jene fünf oder sieben Brote in der Wüste wesenhaft aus sich, dass sie so viele Menschen sättigten, dann soviele Körbe füllten, oder war es in der Gnade des Schöpfers, was geschehen ist? Nämlich durch das Brechen [des Brotes] vervielfältigt zu werden.

Und gewiss auch die Jungfrau Maria: hatte sie [in sich], dass eine Jungfrau ohne Geschlechtsverkehr Gott gebiert, oder aus der Kraft Gottes? Und damit ich noch offener spreche: unser Fleisch oder das der Tiere, ist es denn nicht Staub? Naklar Staub, denn es ist gesagt: Staub bist du und zu Staub wirst du werden. Obgleich es also Staub ist, ist es wahres Fleisch, nämlich vergänglich: welches wenn es den Befehlen des Gesetzes und den Vorschriften der Gebote Gottes dient, irgendwann mit Unsterblichkeit bekleidet wird durch jene [Sachverhalte], die wir darlegen, und obwohl es Fleisch ist, wird es dennoch unvergänglich.
Was ich [erklären] will, höre sorgfältig aufmerkend, o Mensch, und durch alles, was natürlich zu sein scheint, oder von welchen man [in der Heiligen Schrift] liest, dass sie gegen die Natur geschehen sind vom Anfang der Schöpfung an, bitte ich dich schlicht: überlege, ob sie aus sich selbst, in ihrer jeweilige Natur geschehen sind oder umgewandelt wurden in anders, was sie nicht waren, oder ob durch die Ordnung seines Befehls, dass Wunder seien; und du wirst sicher umso lieber zugeben, dass sowohl diese, die gewissermaßen natürliche [Vorgänge] sind, als auch jene, die gewissermaßen gegen die Natur laufen, überhaupt alle im Willen Gottes sind, und in der jeweiligen Weisheit zum Nutzen der Vernunftbegabten erzeugt werden. Und deshalb bekennen wir zu Recht, dass die Ursache allen Existierenden im Willen Gottes ist. Und nicht unverdient, weil sein Gewollt-Haben das Geschaffen-Sein war. Daher geschieht wann immer eins aus einem anderen wird dies aus der Kraft des Willens: und in seiner Weisheit hat er es so, wie es geschehen soll, vorbereitet. Also hat weder Wille ohne Kraft noch Kraft ohne Weisheit irgendwas bewirkt. Weil also der Wille Gottes Kraft und Weisheit  ist, deshalb geschieht, was immer er will, so wie er will, und fehlt in nichts: weil er in seiner Weisheit alles will, ja sogar die Weisheit selbst sein Wille ist, will er daher nichts von Übel, nichts was er nicht kann.

Daher weil er es so gewollt hat, dass dieses Mysterium sein Fleisch sei und Blut, brauchst du in nichts zu zweifeln, wenn du Gott vertraust: sondern wahren Glaube habe im Gemüt, dass dieses genau jenes Fleisch ist, welches dargebracht wurde für das Leben der Welt. Wer dieses würdig ißt, wird den Tod nicht schauen in Ewigkeit. Kein Größeres hat Christus nämlich seiner Kirche im Mysterium hinterlassen, als dieses und der Taufe Sakrament, und dazu auch die Heiligen Schriften: in welchen allen der Heilige Geist, der das Unterpfand der gesamten Kirche ist, innerlich die Geheimnisse unseres Heils zur Unsterblichkeit wirkt. Aber in diesem ist schließlich den Ungläubigen nichts Wunderbares: den Glaubenden ist aber doch nichts Besseres, nichts Wunderbareres und nichts Glaubwürdigeres in dieser Welt gegeben. Nicht dass sie sich wunderbar dem Blick der Augen zeigten, sondern in Glaube und Verstand duften die göttlichen Mysterien, und in denselben wird Ewigkeit den Sterblichen und Gemeinschaft mit Christus in der Einheit des Körpers gewährt. Aus diesem Grund also, weit entfernt von allen Wundern, die in der Welt geschahen, steht dieses Mysterium: denn deshalb sind alle diese geschehen, damit dieses eine geglaubt werde, weil Christus die Wahrheit ist, die Wahrheit aber ist Gott. Und wenn Gott die Wahrheit ist, ist, was immer Christus versprochen hat in diesem Mysterium, unbedingt wahr: und deshalb ist es Christi Fleisch und Blut - wer diese würdig ißt, hat das ewige Leben bleibend in sich.
Aber für körperlichen Blick und Geschmack werden sie darum nicht verwandelt: damit Glaube geübt werde zur Gerechtigkeit und wegen des Verdienst des Glaubens die Belohnungen der Gerechtigkeit erlangt werden. Die anderen Wunder Christi sind nämlich [gewirkt worden], [damit] dieses eine das Sakrament des Leidens bestätige. Und deshalb werden jene [Gaben] nicht als Wunder äußerlich in der Gestalt geändert, sondern innerlich: damit der Glaube erprobt wird [und] wir im Geist wahrhaftigst bekennen, damit weil der Gerechte aus Glaube lebt, er Gerechtigkeit des Glaubens im Mysterium habe, und durch den Glauben das Leben, das in ihm bleibt, empfange, durch welches er sicherer – bis jetzt sterblich, durch Unsterblichkeit gespeist – schnellstmöglich zur Unsterblichkeit eile, wohin man nicht mit Füßen, sondern durch Glauben mit guten Werken gelangt.
Fest steht also auf jede Weise, dass wie im Paradies der Baum des Lebens gewesen ist, aus dem beständig erhalten würden Bestand und Unsterblichkeit des Menschen, wenn er den Geboten Gottes gedient hätte: so ist in der Kirche dieses Mysteriums des Heils vorgesehen, nicht weil dieses aus demselben Baum wäre nach der Natur, sondern [damit] durch eine sichtbare Sache die unsichtbare Kraft innerlich wirke. So weil ja auch in jenem sichtbarem Sakrament der Gemeinschaft (Kommunion) die göttliche Kraft zur Unsterblichkeit durch seine unsichtbare Macht, gewissermaßen aus der Frucht des Paradiesbaums, uns sowohl durch den Geschmack der Weisheit und durch Kraft ernährt: damit wir durch dieses (unsterblich in der Seele, solange wir von diesem würdig empfangen) schließlich in ein Besseres versetzt, zur Unsterblichkeit getragen werden.
Zu diesem [Zweck] also ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt: dass durch Gott-Wort, Fleisch geworden, das Fleisch vorankomme zu Gott-Wort. Welches Fleisch des Wortes zweifellos Essen wird in diesem Mysterium, und Speise der Gläubigen: während wahrhaft geglaubt wird, dass es das Fleisch für das Leben der Welt ist, und nicht irgendetwas anderes als das Fleisch des Leibes Christi, aus welchem Christus in uns bleibt: damit auch wir durch es umgewandelt werden in jenen, der nichts anderes geworden ist, als Gott-Fleisch, durch seine Gunst, damit er unter uns wohne. Wenn er also unter uns wohnt und wir Glieder seines Körpers bleiben in ihm: gerecht ist, weil wir in ihm sind, dass wir aus ihm leben, und deshalb essen wir vom Fleisch des Wortes, und trinken vom Blut. Dieses ist, sage ich, die Bestätigung unseres Glaubens, dieses die Einheit und Anteilnahme am Leben. Wo, wenn die Ordnung der Natur gesucht wird, der Verstand unterliegen wird, und dennoch bleibt außerhalb des menschlichen Verstandes die Wahrheit der Tatsache, so wie im Verstand des Glaubens die Kraft der Gottheit und die wirksame Macht auf alle Weisen geglaubt wird: weil [selbst] die Unsicherheit des Geistes (mag es auch sein, dass dem gutes Leben geschieht, der [sie] erfährt) ausschließt, dass an das Verständnis dieses Sakraments gerührt wird.

Sonntag, 7. Juni 2020

Der kleine Unterschied

Zum Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit verwendet die Kirche auch heute noch fast die bewährten Gebete. Ein bißchen holprig macht die Andacht allerdings der eingebrachte kleine Unterschied.

Man hätte dort für Oratio/Collecta:

Traditionell

Omnipotens sempiterne Deus, qui dedisti famulis tuis, in confessione verae fidei, aeternae Trinitatis gloriam agnoscere, et in potentia maiestatis adorare Unitatem: quaesumus; ut, eiusdem fidei firmitate, ab omnibus semper muniamur adversis.

Übersetzung

Allmächtiger ewiger Gott, der du deinen Knechten gegeben hast, im Bekenntnis des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen und in der Macht der Größerheit* die Einheit anzubeten: wir bitten, dass wir durch die Festigkeit desselben Glaubens von allen Widrigkeiten immer geschützt werden.
* Majestät

Reformiert

Deus Pater, qui, Verbum veritátis et Spíritum sanctificatiónis mittens in mundum, admirábile mystérium tuum homínibus declárasti, da nobis, in confessióne veræ fídei, ætérnæ glóriam Trinitátis agnóscere, et Unitátem adoráre in poténtia maiestátis.

Übersetzung

Gott Vater, der du, das Wort der Wahrheit und den Geist der Heiligkeit in die Welt sendend, dein bewundernswertes Geheimnis den Menschen erklärt hast, gib uns, im Bekenntnis des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen und die Einheit anzubeten in der Macht der Größerheit.

Da ist doch irgendwie der Glaube von der Einleitung in die Bitte gerutscht. Vorausgesetzt werden kann beim Reformbeter anscheinend nichts mehr.

Der Gräuel*

Herr, himmlischer Vater, du hast dein Wort und deinen Geist in die Welt gesandt, um das Geheimnis des göttlichen Lebens zu offenbaren. Gib, dass wir im wahren Glauben die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit bekennen und die Einheit der drei Personen in ihrem machtvollen Wirken verehren.

* im Volksmund: Deutsches Messbuch

Vergleich

  • Gott ⇒ Herr, himmlischer
    Warum auch immer.
  • Wort der Wahrheit ⇒ dein Wort
    Man vermeidet sorgfältig, diesen einst häufig gebrauchten Ausdruck wörtlich zu übersetzen und ggf. in der Katechese zu erläutern, um die Schäfchen nicht der Gefahr auszusetzen, eventuell unterkommende vorkonziliare Texte zu verstehen.
  • Geist der Heiligkeit ⇒ deinen Geist
  • dein bewundernswertes Geheimnis ⇒ das Geheimnis des göttlichen Lebens
    Wenn man sich wundert, welches Geheimnis gerade gemeint sein könnte, bleibt keine Kapazität mehr, das auch noch zu bewundern.
  • du hast den Menschen erklärt ⇒ um zu offenbaren
  • im Bekenntnis des wahren Glaubens ⇒ im wahren Glauben bekennen
    Das Bekenntnis ist im Original gesetzt; gebetet wird um „erkennen“ und „anbeten“. Der Gräuel muss um Bekennermut beten.
  • die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen ⇒ die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit
    Das Bekenntnis des wahren Glaubens (in seiner ganzen Fülle) möge, bittet das Original, zur Erkenntnis führen. Der Gräuel bittet lediglich darum, dass wenigstens der elementarste Glaubenssatz durch göttlichen Beistand bekannt werden möge.
  • die Einheit ⇒ die Einheit der drei Personen
    Wie bitter nötig die DMliche Bitte ist, zeigt das Bewusstsein, dass man selbst bei den Messbesuchern am Hochfest der Heiligsten Dreifaltigkeit nicht als bekannt voraussetzen darf, von welcher „Einheit“ denn da die ganze Zeit geredet wird.
  • in der Macht der Größerheit ⇒ in ihrem machtvollen Wirken
    „Majestät“ kann vieles heißen (Würde, Erhabenheit, Ansehen, Größe; Hoheit), aber kaum „Wirken“.
  • anzubeten ⇒ zu verehren
    Das muss reichen. Es ist ja nicht so, als ob der mündige Christ gleich auf die Knie fallen würde, bloß weil er seinem Gott gegenübersteht.

Weiter bei der Secreta/Super Oblata:

Traditionell

Sanctifica, quaesumus, Domine Deus noster, per tui sancti nominis invocationem, huius oblationis hostiam: et per eam nosmetipsos tibi perfice munus aeternum.

Übersetzung

Heilige, bitten wir, Herr unser Gott, durch deines heiligen Namens Anrufung, dieser Opferung Opfer: und mache durch es uns selbst dir zur ewigen Gabe.

Reformiert

Sanctífica, quǽsumus, Dómine Deus noster, per tui nóminis invocatiónem, hæc múnera nostræ servitútis, et per ea nosmetípsos tibi pérfice munus ætérnum.

Übersetzung

Heilige, bitten wir, Herr unser Gott, durch deines heiligen Namens Anrufung, diese Gaben unseres Dienstes: und mache durch sie uns selbst dir zur ewigen Gabe.

Ich will mich gar nicht daran aufhalten, dass die Gegenüberstellung des Identischen [munera/munus (Gaben/Gabe)] voll unelegant ist. Aber wo ist die Opferung geblieben, wo das Opfer?

Der Gräuel

Gott, unser Vater, wir rufen deinen Namen an über Brot und Wein. Heilige diese Gaben und nimm mit ihnen auch uns an, damit wir dir auf ewig gehören.

Vergleich

  • bitten wir, Herr unser Gott ⇒ Gott, unser Vater
  • deines heiligen Namens Anrufung ⇒ wir rufen deinen Namen an über Brot und Wein
    Irgendwie werden unterschiedliche Aspekte hervorgehoben, scheint mir.
  • diese Gaben unseres Dienstes ⇒ diese Gaben
    Hm. Aber der Gräuel hatte ja schon „Wir“ gesagt, und man möchte ja nicht doppeln, diesmal.
  • mache durch sie uns selbst ⇒ nimm mit ihnen auch uns an
    Im Original möchte der Beter durch das Messopfer verwandelt (das „machen“ ist „fertig machen“, „vervollkommnen“), der Gräuel angenommen werden. Ob der Unterschied zwischen Gottesdienst und Komm-wie-du-bist-Party hinreichend klar ist?
  • dir zur ewigen Gabe ⇒ damit wir dir auf ewig gehören
    Original: „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebe in mir“. Gräuel: Gefasel.

Unverändert blieben Präfation

Vere dignum et iustum est, aequum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere: Domine, sancte Pater, omnipotens aeterne Deus:
Qui cum unigenito Filio tuo, et Spiritu Sancto, unus es Deus, unus es Dominus: non in unius singularitate personae, sed in unius Trinitate substantiae. Quod enim de tua gloria, revelante te, credimus, hoc de Filio tuo, hoc de Spiritu Sancto, sine differentia discretionis sentimus. Ut in confessione verae sempiternaeque Deitatis, et in personis proprietas, et in essentia unitas, et in maiestate adoretur aequalitas.
Quam laudant Angeli atque Archangeli, Cherubim quoque ac Seraphim: qui non cessant clamare cotidie, una voce dicentes: Sanctus …

Übersetzung

Wahrhaft würdig und recht ist, angemessen und heilsam, dass wir dir immer und überall Dank abstatten: Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott:
Der du mit deinem einziggezeugten Sohn und dem Heiligen Geist ein Gott bist, ein Herr bist: nicht in der Einzelheit einer einzigen Person, sondern in der Dreifaltigkeit einer einzigen Wesenheit. Was wir nämlich von deiner Herrlichkeit, von dir offenbart, glauben, dieses meinen wir auch von deinem Sohn, dieses vom Heiligen Geist, ohne Unterschied der Unterscheidung*. Damit wir im Bekenntnis der wahren und ewigen Gottheit in den Personen die Besonderheit, im Wesen die Einheit und in der Größerheit** die Gleichheit anbeten.
Welche [Größerheit] loben die Engel und Erzengel, Cherubim auch und Seraphim: die nicht aufhören täglich zu rufen, mit einer Stimme sagend: Heilig …
* oder: Verschiedenheit des Urteils
** Majestät

Deutsches Messbuch

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken.
Mit deinem eingeborenen Sohn und dem Heiligen Geist bist du der eine Gott und der eine Herr, nicht in der Einzigkeit einer Person, sondern in den drei Personen des einen göttlichen Wesens. Was wir auf deine Offenbarung hin von deiner Herrlichkeit glauben, das bekennen wir ohne Unterschied von deinem Sohn, das bekennen wir vom Heiligen Geiste. So beten wir an im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes die Sonderheit in den Personen, die Einheit im Wesen und die gleiche Fülle in der Herrlichkeit.
Dich loben die Engel und Erzengel, die Kerubim und Serafim. Wie aus einem Mund preisen sie dich Tag um Tag und singen auf ewig das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig ...

und Postcommunio/Post communionem

Proficiat nobis ad salutem corporis et animae, Domine Deus noster, huius sacramenti susceptio: et sempiternae sanctae Trinitatis eiusdemque individuae Unitatis confessio.

Übersetzung

Nützen möge* uns zum Heil von Körper und Seele, Herr unser Gott, dieses Sakramentes Empfang sowie das Bekenntnis der ewigen heiligen Dreifaltigkeit und deren ungeteilten Einheit.
* Ich persönlich würde ja bei zwei Subjekten (Empfang und Bekenntnis) den Plural setzen, der Gebetsverfasser aber nicht.

Der Gräuel

Herr, unser Gott, wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen. Erhalte uns durch dieses Sakrament im wahren Glauben und im Bekenntnis des einen Gottes in drei Personen.

Vergleich

  • nützen möge uns ⇒ erhalte uns
    Das Original hat den Unterton des Vorwärtskommens, der Gräuel den des Nichtzurückfallens.
  • zum Heil von Körper und Seele ⇒ im wahren Glauben und im Bekenntnis
    Im Original wird das Heil als Folge von Empfang und Bekenntnis erbeten, im Gräuel Glaube und Bekenntnis als Folge des Empfangs. Lagen hier durch die Wortstellung erzeugte Verständnisschwierigkeiten vor? (Der Gräuel übersetzt, als ob confessionem stünde statt confessio, und erfindet den „Glauben“ dazu.)
  • dieses Sakramentes Empfang ⇒ wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen … durch dieses Sakrament
    Sicherlich hilfreiche Erläuterung für die Keksabholer, die nicht wissen, welches Sakrament sie empfangen haben könnten.
  • Bekenntnis der ewigen heiligen Dreifaltigkeit und deren ungeteilten Einheit ⇒ Bekenntnis des einen Gottes in drei Personen
    Das Original preist erneut das Festgeheimnis, der Gräuel muss stark zusammenfassen, weil doch schon so viele Worte um das Tun des „Wir“ verloren wurden.