Mittwoch, 15. Oktober 2014

Schönborn: Schwule irgendwie schon menschenähnlich

Aus einem Bericht über ein Interview, dass der Wiener Erzbischof gegeben hat:
Er selbst, so der Kardinal, kenne in Wien ein (!) Homo-Paar, das in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebe. Als einer der beiden Schwulen krank wurde, sei der andere „nicht von seiner Seite gewichen“. Schönborn wörtlich: „Es war wunderbar, menschlich und christlich, wie der eine sich um den anderen gekümmert hat“.
Dieses „vorbildlich menschliche Verhalten muß man anerkennen“, empörte sich der Kardinal gegen jene, die grundsätzliche Bedenken gegen Homosexualität und deren Hoffieren anmelden.
Alter! Da staunt der Kardinal, dass man sich um einen Kranken kümmern kann, obwohl man mit ihm nicht sakramental verheiratet ist. Als ob die Krankenpflege eine christliche Errungenschaft sei, auf die vorher kein Mensch gekommen ist. Keine Ahnung, was er erwartet hatte, wie Homosexuelle sonst mit ihren kranken Partnern umgehen – dass sie wie die Raubtiere den Rudelführer zerfleischen, sobald der Schwächen zeigt?

Okay, wenn die Synoden-Relatio lediglich diesen Hintergrund hat, dass einige Synodenväter ihre grundsätzliche Weltfremdheit überwunden haben und darob gleich in Jubelgesänge ausbrechen – ein Ding. Die Schlussfolgerung aber, dass sich jeder, der mit Messer und Gabel essen kann, sich schon halb für ein Kanonisationsverfahren qualifiziert – zeigt aber m.E. nur, dass sich ein Teil des progressiven Episkopats noch immer ziemlich hinter einigen Monden freischwimmt.

Weiter:
Wenn Bischöfe und Priester sie nicht segnen könnten, dann sollten sie sich zumindest vor dem „vorbildlichen menschlichen Verhalten Homosexueller verneigen“, so der ÖBK-Vorsitzende. „Diese Dinge muss man anerkennen“, fügte er hinzu und wandte sich gegen eine Verurteilung Homosexueller. Jesus habe den Menschen gesagt, auch Zöllner und Prostituierte kämen ins Himmelreich, eine Botschaft, die auch Bischöfe und Priester nicht vergessen sollten.
1) a) Die Schlussfolgerung von einem Einzelfall auf die Allgemeinheit ist im Allgemeinen (d.h. ohne nähere Begründung) falsch. b) Wenn ich mich jedesmal verneigen müsste, wenn ich jemanden treffe, der sich um ein Kranken, mit dem er zusammen wohnt, kümmern würde, wenn es nötig ist, bekäme ich Rückenschmerzen. Ehrlich gesagt fällt mir jetzt gerade überhaupt niemand ein, der das nicht täte. Das ist also keinesfalls "vorbildliches menschliches Verhalten", sondern eigentlich höchstens das, ohne welches man sub omne canone landete. c) Niemand (der den KKK ernst nimmt) verurteilt Homosexuelle. Kein vernünftiger Mensch (wozu ich Herrn Schönborn jetzt wohl nicht rechnen kann) ist erstaunt, dass Homosexuelle Menschen sind. Katholiken (also im herkömmlichen Sinne) wissen aber auch, dass homosexuelle Aktivitäten sündhaft sind. Falsches Zeugnis gegen seinen Nächsten geben übrigens auch, wie man Herrn Schönborn vielleicht gelegentlich erinnern sollte.

2) Man muss dem Kardinal wiedersprechen. „Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr“ (Mt 21,31b) ist eine bedingte Aussage, die Bedingung ist „Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging doch.“ (Mt 21,30).

Der Sünder kommt nicht deshalb in den Himmel, weil er Gottes Gebot ablehnt. Auch nicht, wenn er ansonsten menschenähnliche Züge aufweist. Jedem aber, der seine Sünde erkennt, bereut und dann den Willen Gottes tut, ist Gottes Barmherzigkeit zugesagt.

Da man, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, zwei Bibelverse im Zusammenhang lesen und ihre logische Verknüpfung erkennen können muss, was offensichtlich dem Herrn Schönborn irgendwie ein Stück weit sozusagen – also jedenfalls: Immer mehr festigt sich in mir der Eindruck, dass Kardinal Müller mit den „vielen unserer Zeitgenossen“, die „Schwierigkeiten, logisch zu überlegen und lange Texte zu lesen“ haben, nicht unbedingt den Feld-, Wald- und Wiesengläubigen gemeint hat.

Kommentare:

  1. Und was ist mit den Kindern die ihre Eltern pflegen, was mit den Schwestern die ihre Brüder pflegen, was mit der Nachbarin, die sich um die alte, alleinstehende Nachbarin kümmert?
    Muss man die nun auch verheiraten? Um das Problem mal von einer anderen Seite her aufzudröseln.
    Oder noch ein Umkehrschluss, der Kardinal tut grad so, als würden nichthomosexuelle sich nicht umeinanderkümmern, als sei das sich umeinanderkümmern irgendwie das Kennzeichen der Homos, also ich hatte das irgendwie anders im Kopf.
    Es ist einfach unausgegoren was er da von sich gibt.

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  2. Es wäre für bestimmte Zeitgenossen (nicht für mich), einfacher, der Kardinal würde verkündigen, dass Homosexualität von Gott veranlagt und deshalb nicht zu hinterfragen wäre. Vielleicht so: Homosexualität ist gottgewollt und das ist auch gut so. Aber die Irrlehre (meine persönliche Einschätzung) kommt nun mal nicht in klarer Sprache. Vernebelung und Unausgegorenheit sind ihre Merkmale. Nix neues unter der Sonne also. Vielleicht das noch: Ich lebe, nach bestem Gewissen und nach einigen Mühen mit meiner Frau in einer "gültigen" Ehe, die wir vor Gott und den Menschen besiegelt haben. Wir erfreuen uns beide bester Gesundheit: Wie oft muss ich mich vor meiner Frau verneigen, weil sie meine Wäsche bügelt und wie oft muss sich meine Frau vor mir verneigen, weil ich die Kartoffeln schäle?

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