Samstag, 1. November 2014

Die Welt blickt auf Deutschland

Wieder einmal fragt sich die Welt, wie es zuging, dass sie vor wenigen Wochen in Rom erneut am deutschen Wesen genesen sollte. John Zuhlsdorf hat dabei Derwisch-Tänze, die in Heiligen(?) Messe in Deutschland zur Folklore zu gehören scheinen, als mögliche Quelle identifiziert, wobei aber der Blick auf die Homepage der fraglichen Gemeinde eher nahelegt, dass dies möglicherweise noch zu den geringeren der dortigen Missstände gehört.

Die Gemeinde gehört zum Bistum Würzburg, weshalb ich mich auf der dortigen Webseite umgetan habe. Unter den aktuellen Meldungen finden sich z.B. folgende:

KjG fordert mehr Glaubwürdigkeit
Bei der Diözesankonferenz der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) im Oktober im KjG-Haus Schonungen haben die rund 50 Delegierten ein Positionspapier mit dem Titel „Für mehr Glaubwürdigkeit in der Kirche“ verabschiedet. Darin werde der Umgang der katholischen Kirche mit homosexuellen und wiederverheirateten Mitarbeitern kritisiert, schreibt die KjG in einer Pressemitteilung. „Eine Kernaussage in den Richtlinien für kirchliche Arbeitsverhältnisse ist, dass alle Menschen zur Gemeinschaft mit Gott und zum Dienst aneinander berufen sind“, sagte Dominik Großmann, Mitglied der Diözesanleitung. Es sei nicht nachvollziehbar, warum jemand aufgrund der persönlichen Lebensweise oder einer gescheiterten Lebensplanung von diesem Dienst ausgeschlossen werde.
Für einen Aussenstehenden ist es dagegen nicht nachvollziehbar, inwiefern es die Glaubwürdigkeit einer Wertegemeinschaft erhöhen soll, wenn ihre Mitarbeiter ihre Werte mit den Füßen treten und darauf auch noch stolz sind.
Früher®, als ich noch jung war, galten Leute als besonders glaubwürdig, die auch das taten, wofür sie einstehen sollten.

Dass dieses Konzept den Würzburger Jugendlichen nicht völlig fremd ist, zeigt sich in der Fortsetzung, wo es heißt:
Außerdem will die KjG dem Klimabündnis des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Würzburg beitreten. „Wir wollen hier als KjG ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz setzen und auch selbst durch die Veränderung der eigenen Verhaltensweisen aktiv dazu beitragen“
Nanu, auf einmal werden Zeichen setzen und Verhaltensänderungen in einem Atemzug genannt? Wäre es nicht glaubwürdiger, dem Klimabündnis beizutreten und ein paar echte Umweltsäue bei der KjG zu beschäftigen?

Nun gut, dem Jungvolk möchte man zugute halten, dass sie vielleicht dazulernen können, wenn sie dem Erwachsenenalter nahen. Was aber spricht der Bischof bei der Herbstvollversammlung des Diözesanrats?
Die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ beginnt mit folgenden Worten: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi."
Grundlegend ist bei diesem Wort die Blickrichtung von den Menschen her, von den Menschen unserer Zeit! Nicht wir als Kirche oder als Christen geben vor, worüber die Menschen froh oder traurig sein sollen oder gar dürfen; was ihnen Angst oder Hoffnung machen kann. … Worauf richtet sich die Hoffnung? Gesundheit; eine Arbeit finden; glücklich sein; eine glückliche Familie; ein fester Freundeskreis
Anderer Meinung ist Matthäus im Anschluss an Jesaja, und Paulus besingt nicht nur den Grund und das Ziel der Hoffnung, sondern auch den Weg dahin.
Die christliche Hoffnung richtet sich eben nicht auf die elementaren Bedürfnisse, sondern geht darüber hinaus (vgl. Mt 6, 31ff)

Der Bischof erwähnt zwar noch das Eigentliche:
Hier setzt unser Denken, unser Tun und Handeln als Christen an. Nicht wir sollen vorgeben, wie die Menschen denken und fühlen, sondern wir teilen das, was die Menschen bewegt. Und – das ist der wichtige nächste Schritt – wir teilen es aus unserer eigenen Erfahrung und aus unserem eigenen Glauben heraus. Diesen Glauben bieten wir den Menschen an. Diesen Glauben bringen wir in diese Begegnungen mit den Menschen hinein.
Das setzt natürlich voraus, dass ein solcher Glaube vorhanden ist und dass er im Leben spürbar ist. Wenn ich oben die Würzburger Jugend gehört hab, kann diese Voraussetzung nicht als gegeben betrachtet werden.

Gerade deshalb hatte ja der Heilige Vater Benedikt das Jahr des Glaubens ausgerufen, deshalb hatte der Heilige Johannes Paul II. die Notwendigkeit der Neuevangelisierung, "die erneute Einwurzelung und Vergegenwärtigung des Evangeliums Jesu Christi in den Ländern, in denen der christliche Glaube schon sehr lange beheimatet ist, aber durch die fortschreitende Säkularisierung an Bedeutung verloren hat" betont.

Im Anschluss an das gegenwärtigen Pontifikat scheint man das auch in Würzburg nicht nur für entbehrlich, sondern für schädlich zu halten, denn der Bischof fährt fort:
Der tschechische Theologe und Soziologe Professor Dr. Tomáš Halík hat Ende September beim Priester- und Diakonentag in Heidenfeld ein bemerkenswertes Referat gehalten. Sein Thema war: „Ich möchte bei Dir zu Gast sein – Was kann die Kirche Suchenden geben?“
Halík erklärte, dass es sowohl in der Kirche als auch außerhalb von ihr viele Suchende gebe, die darauf warten, angesprochen zu werden. Bislang habe das Hauptaugenmerk der Kirche jedoch den „Eingewohnten“, wie Halik sie nennt, den kirchlich Verwurzelten gegolten.
An die Suchenden heranzutreten, als seien sie „verlorene Schafe“, ist in Halíks Augen allerdings ein völlig falscher Ansatz.
Die Not zu sehen, sah er als Grundaufgabe für uns Christen.
Die caritativen Werke sind ein Ausfluss, nicht ein tauglicher Ersatz des Glaubenslebens. Die Fokussierung auf den Betrieb vielfältiger „katholische“ Sozialeinrichtungen, deren Mitarbeiter mit dem Glauben (um „glaubwürdiger“ zu sein, s.o.) nichts mehr am Hut haben, ist jedoch leeres Getue, genauso nutzlos wie Glauben ohne Werke (Jak 2,20).


In der gleichen Linie heißt es allerdings in der jüngsten Ausgabe der Civiltà Cattolica:
„Generell können wir sagen, daß die Relatio die Anerkennung der positiven Elemente auch in den nicht perfekten Familienformen und den problematischen Situationen aufgenommen hat.“ Es werde darin gesagt, daß „das Positive in den nicht perfekten Situationen anzuerkennen“ sei. Die von Pater Spadaro in diesem Zusammenhang bemühten Stichworte lauten „Lebenswirklichkeit“, „wirkliches Leben“, „reale Geschichte“. Damit habe die „Relatio eine Kirche gezeigt, die mit ihren Energien mehr darauf abzielt soviel Getreide als möglich zu säen anstatt Unkraut auszureißen.“
Viel gäbe es über den Irrtum des Unkrautausreißens zu sagen (was der Jesuit hier anscheinend als „Tadeln“ missversteht, während Jesus das Verurteilen zur ewigen Verdammnis meint, was natürlich nicht Aufgabe der Kirche ist, sondern dem Herrn selbst vorbehalten ist. Den Sünder zur Umkehr aufzurufen ist aber kein Unkrautausreißen, sondern die Einladung, die Barmherzigkeit Gottes anzunehmen und sein Leben in Ordnung zu bringen).

Der hier einschlägige Punkt ist aber eher, dass es mit dem „möglichst viel säen“ nicht getan ist.

Ein schönes Gleichnis für die Menschen, die Gott suchen, und die Aufgabe der Kirche ging etwa so:
Mit dem Aussäen ist es bei Tomaten nicht getan. Wie alle Pflanzen strebt auch die Tomate dem Licht zu. Aus eigener Kraft kann sie sich aber nicht aufrichten, um ihre Pracht zu entfalten. Tomaten benötigen immer eine Stütze, die festen Halt bietet und an der sich die Pflanze bis zur Reife festhalten kann, um sich nach oben zu hangeln.
Der Glaube, vermittelt durch die Lehre der Kirche, ist eben keine Unkrauthacke, sondern eine Rankhilfe. Und das Verwalten caritativer Einrichtungen ohne gelebten Glauben ist eben kein Säen des Wortes.

Falls den Würzburger Bischof die Blickrichtung eines Menschen unserer Zeit, auch wenn er nicht explizit antikatholisch ist, interessierte: Was mir Hoffnung macht, ist der Blick auf die Situation der Kirche im Moment ganz bestimmt nicht.

Kommentare:

  1. Diesen ersten Satz der Pastoralkonstitution des Vat.II (s.o. zitiert von Bischof Dr. Hofmann) kann ich schon deswegen nicht mehr hören, weil er aus einem unrealistischen Weltoptimismus heraus formuliert wurde (der so schon längst nicht mehr stimmt) und ein Schlüsselsatz war, der jedem und allem Tür und Tor geöffnet hat. Daß daraus Wildwuchs wird, weil jedwede 'Rankhilfe' fehlt, kann man dann an einer Pfarrgemeinde wie jener tanzenden in Aschaffenburg sehen. Der Stadtteil, in dem sie liegt, heißt übrigens Schweinheim. - Kleiner Tipp, Friedlon: Vermeiden Sie es lieber, Ihre Blickrichtung zu häufig auf offziellen Seiten von Bistümern oder Kirchengemeinden zu wenden. Es sei denn, Sie haben starke Nerven und/oder andere gute Gründe für eine feste Hoffnung wider alle Hoffnung hinsichtlich der Kirche ;-) Hoffnungsvollen Allerseelensonntag und Gruß. Windlicht.

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    1. Danke für die freundlichen Worte.
      Wenn ich mich von allem, was starke Nerven erfordert (Relationes, Papstworte, Bischofsreden, Predigten, „Messen“ …) fernhalte, bleiben nur Veranstaltungen im Angebot (Krabbelgruppen, Frauenkreise, Seniorennachmittage …), zu deren Zielgruppe ich nicht gehöre. Wenn die Kirche das, was ich nachfrage (authentische Auslegung von Gottes Wort, würdige Messfeier) derzeit und hierzulande bereitzustellen nicht bereit oder in der Lage ist – wäre es dann nicht angemessen, wenn sich fraglicher Kunde anderswohin orientiert?

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    2. Ja wäre es. Aber ich kann Ihnen nicht sagen, wohin (sich orientieren). Möglichst keine Pfarrkirche, möglichst außerhalb von familienfreundlichen oder Sondergottesdienst günstigen Uhrzeiten, evtl. nur noch werktags zur Messe. - Wir leben in einer Ausnahmesituation. Das Virus hat den Zentralrechner befallen. Durchhalten wird nicht mehr möglich sein, ohne Grauzonen zu betreten. :-) Und behüten Sie Ihre Perlen vor Schweinheim u. ähnlichem *grusel* ....M wird helfen (nicht die von Bond)

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  2. Ich will und kann und werde das nicht so pessimistisch sehen. Immer hinein in die fragwürdigen Predigten und Messen und ran an den Virus. Dazu braucht es starke Nerven und die Gewissheit, dass Jesus und nur Jesus der Weg zum Vater ist. Wir sind nicht allein! Wenn wir in Jesus Namen beisammen sind, also wirklich in Jesu Namen, nicht nur im Stuhlkreis, wer kann dann gegen uns sein? Richtig: Niemand!

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