Donnerstag, 1. August 2019

Taten eines bekannten Bischofs verschleiert

Folgende irreführende Informationen über den Heiligen Alfons Maria von Liguori, Bischof und Kirchenlehrer, werden in deutschsprachigen Gegenden alljährlich verbreitet:

Tagesgebet
Deus, qui in Ecclésia tua nova semper instáuras exémpla virtútum, da nobis in zelo animárum beáti Alfónsi Maríæ epíscopi ita vestígiis adhærére, ut eius in cælis assequámur et prǽmia.
Übersetzung
Gott, der du in deiner Kirche immer neue Beispiele der Tugenden errichtest, gib uns, dass wir im Eifer für die Seelen den Spuren des seligen Bischofs Alfons Maria anhängen, und im Himmel auch seinen Lohn erhalten.
Bemerkungen
  • Hübsch: assequi = erhalten kann (wenn wir das Bild des den-Spuren-Anhängen beibehalten) auch einholen bedeuten.
  • Lehrreich: in gewisser Weise werden die Tugenden dem Eifer für die Seelen parallel gesetzt
  • Mitschwingend: bei virtus (Tugend) wird auch Kraft, Macht usw. bis Wundertaten mitgehört
  • Die Wundertaten im Eifer für die Seelen beziehen sich sowohl auf die Gründung der Redemptoristen, die „vor allem den unteren Volksschichten in ihrer geistig-religiösen Verlassenheit zu Hilfe kommen“ sollten (Schott) als auch auf sein Wirken als Bischof, bei dem er „die meiste Zeit auf der Kanzel oder im Beichtstuhl verbrachte“ (Schott).
Deutsches Messbuch
Gott, du Hirt deines Volkes, du schenkst der Kirche zu allen Zeiten Menschen, die durch ihren Glauben und ihre Liebe ein Vorbild sind. Gib, dass uns gleich dem heiligen Alfons das Heil der Menschen am Herzen liegt, und schenke uns im Himmel den Lohn, den er schon empfangen hat.
Vergleich
  • Gott ⇒ Gott, du Hirt deines Volkes
  • immer ⇒ zu allen Zeiten
  • errichtest neue Beispiele ⇒ schenkst Menschen, die ein Vorbild sind
  • Tugenden ⇒ ihr Glaube und ihre Liebe
  • den Spuren des seligen Bischofs Alfons Maria anhängen ⇒ gleich dem heiligen Alfons
  • Eifer für die Seelen ⇒ uns liegt das Heil der Menschen am Herzen
  • wir mögen erhalten ⇒ schenke uns
  • seinen Lohn ⇒ den Lohn, den er schon empfangen hat
Fazit
  • Harte Neigung zur Vielwörterei, außer wenn’s um den Tagesheiligen geht.
  • Gerade die Punkte, die im lateinischen Gebet gefallen, sind im Deutschen ausradiert.
  • Was der Heilige getan hat, wird im Deutschen (selbst wenn man es weiß) nicht mehr klar.
Gabengebet
Cælésti, Dómine, Spíritus igne corda nostra cleménter exúre, qui beáto Alfónso Maríæ tribuísti et hæc mystéria celebráre, et per éadem hóstiam tibi sanctam seípsum exhibére.
Übersetzung
Mit dem himmlischen Feuer des Geistes, Herr, brenne gütig unsre Herzen aus, der du dem seligen Alfons Maria gewährt hast, sowohl diese Geheimnisse zu feiern als auch durch diese heilige Opfergabe sich selbst dir zu überreichen.
Bemerkungen
  • Das „Ausbrennen“ ist wie von Wunden, die dadurch desinfiziert werden, gesagt. (Der Hl. Alfons Maria war 16jährig zum Doktor beider Rechte promoviert worden. Als er als Rechtsanwalt einen Aufsehen erregenden Prozess verloren hatte, „begann er über sein Leben nachzudenken“ (Wikipedia) und wurde in der Folge Priester.) Nach seinem Beispiel mögen auch unsere Herzen ausgebrannt werden.
  • Die heiligen Geheimnisse konnte er feiern, weil er Priester geworden war; sich selbst als Opfer darbringen konnte er durch Aufopferung seiner vielfältigen Krankheiten. („Die letzten Jahre litt er an Gicht, so dass er einen Rollstuhl nutzte, er war halbseitig ertaubt und blind, aber nach wie vor voll Schaffenskraft und Zuneigung zu den Menschen.“ Wikipedia)
Deutsches Messbuch
Herr, unser Gott, du hast dem Bischof Alfons die Gnade gegeben, beim eucharistischen Opfer sich selber dir als heilige Gabe zu schenken. Läutere auch unsere Herzen im Feuer deines Geistes und heilige sie.
Anmerkungen
  • Ein ins Einzelne gehender Vergleich erübrigte sich eigentlich, da offensichtlich überhaupt nicht verstanden wurde, was das Gebet aussagen soll. „Thema verfehlt“, sozusagen.
  • „Beim eucharistischen Opfer sich selber dir als heilige Gabe zu schenken“ ist, was unser Herr Jesus Christus tut, dessen einmaliges Opfer am Kreuz in der Messfeier vergegenwärtigt wird. Und obwohl der Priester in Persona Christi handelt, der sowohl Opfer als auch Hoherpriester ist, bringt der Priester im Messopfer nicht sich selber dar, selbst wenn er ein Heiliger ist. Der Messbuchtext scheint mir grenzhäretisch.
  • Der Heilige Alfons Maria mag im Messopfer die Kraft gefunden haben, trotz seiner körperlichen Gebrechen fruchtbar zu wirken.
  • Das Bild des im-Feuer-Läutern (wie beim Metallschmelzen) ist zwar biblisch gängig, hier im Original aber nicht verwendet. Und anscheinend so unverständlich, dass es durch ein „und heilige sie“ erklärt werden muss.
Schlussgebet
Deus, qui beátum Alfónsum Maríam fidélem dispensatórem et præcónem tanti mystérii providísti, concéde, ut fidéles tui illud frequénter percípiant, et, percipiéndo, te sine fine colláudent.
Übersetzung
Gott, der du den seligen Alfons Maria als treuen Spender und Verkünder des so großen Mysteriums vorgesehen hast, erlaube, dass deine Gläubigen es häufig empfangen und durch den Empfang dich ohne Ende loben.
Hinweis
Man könnte – da dies Gebet nach der Kommunion steht – zu falschen Schlüssen kommen. Das angesprochene Sakrament ist die Beichte, welcher der Heilige Alfons Maria so große theoretische (mehr als hundert Bücher) und praktische Aufmerksamkeit widmete. Daher ist er auch Patron der Beichtväter und Moraltheologen.
Deutsches Messbuch
Herr, du hast den heiligen Alfons zum treuen Ausspender und Verkünder dieses Sakramentes gemacht. Gewähre auf seine Fürsprache, dass deine Gläubigen diese heilige Speise oft empfangen und dich in Ewigkeit preisen.
Tadel
  • Ups, da ist es gleich passiert. Nix Speise, liebe Freunde, sondern Beichte.
  • Was interessant ist: das „auf seine Fürsprache“, das vorkonziliar so häufig war und unter dem Messer der Reformer weitgehend ausgerottet wurde, taucht hier auf. Ob da jemand eine alte Auflage als Vorlage benutzt hat?

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