Samstag, 10. August 2019

Folter, Feuer, Flamme - und Fröhlichkeit


Von den Legenden um den Tod des Heiligen Martyrers Laurentius werden folgende Aspekte in den Gebeten aufgenommen:
  • Er sollte als (für die Finanzen zuständige) Diakon nach der Verurteilung des Papstes Sixtus den Kirchenschatz unter die Armen verteilen.
  • Als der Kaiser den Schatz an sich nehmen wollte, präsentierte Laurentius die Armen als „wahren Schatz der Kirche“.
  • Der Kaiser ließ ihn auf einem Rost „über stetig unterhaltenem Feuer“ zu Tode martern.
  • Laurentius „neckte den Henker, er solle ihn wenden, der Braten sei auf der einen Seite schon gar.“
Tagesgebet
alt
Da nobis, quaesumus, omnipotens Deus: vitiorum nostrorum flammas exstinguere; qui beato Laurentio tribuisti tormentorum suorum incendia superare.
 Übersetzung
Gib uns, bitten wir, allmächtiger Gott, die Flammen unserer Laster auszulöschen, der du dem seligen Lorenz gewährt hast, seiner Foltern Feuer zu überwinden.
neu
Deus, cuius caritátis ardóre beátus Lauréntius servítio cláruit fidélis et martýrio gloriósus, fac nos amáre quod amávit, et ópere exercére quod dócuit.
Übersetzung
Gott, durch dessen Liebesglut der selige Lorenz in treuem Dienst und ruhmvollem Martyrium glänzte, mach uns lieben, was er geliebt hat, und im Tun ausüben, was er lehrte.
Anmerkungen
Das neue Gebet ist nach einer Übersicht aus verschiedenen entfallenen Gebeten zum Laurentiusfest (aus der Oratio zur Oktav vom Laurentiusfest aus dem alten Missale; aus einer Präfation und einem weiteren Tagesgebet zum Fest aus anderen Quellen) zusammengestoppelt. 
Wie Laurentius die Folterflammen scherzend überwunden hat (altes Gebet), ist klar, welche besondere Rolle seine Liebe (zu den Armen?) oder seine Lehre spielen (neues Gebet), dagegen nicht. Es mag damit zusammenhängen, dass das Gebet (außerhalb des Missale) genauso für den Hl. Benedikt oder den Hl. Norbert benutzt wurde.

















Dass der menschlichen Neigung zur Sünde postreformisch keine Erwähnung getan werden darf, ist inzwischen selbstverständlich, und die drei F (Feuer, Flamme, Folter) klingen gar zu höllisch für aufgeklärte Ohren. Glut ist da das Äußerste an Hitze, was ertragen wird, und das auch nur, wenn sie auf die Liebe bezogen werden [von der die im als Quelle dienenden Tagesgebet folgende „verzehrenden Flammen des Brandes besiegte, während er den Verfolger verspottete“ abgeschnitten wird], denn wahre Barmherzigkeit gibt es nur ohne Gerechtigkeit, oder so ähnlich.

Deutsches Messbuch
Barmherziger Gott, die glühende Liebe zu dir hat dem heiligen Diakon Laurentius die Kraft gegeben, dir und den Armen treu zu dienen und furchtlos für dich zu sterben. Hilf uns, dich zu lieben, wie er dich geliebt hat, und den Armen zu dienen, wie er ihnen gedient hat.
Anmerkung
Nicht umsonst ist der Deutsche-Mesbuch-Text anderthalb mal so lang wie eine bloße Übersetzung, schließlich gibt es soviel mehr mitzuteilen, als im Gebet steht. Soviel Arme, dass sie doppelt so oft erwähnt werden wie alles andere. Gottes Liebe, für die Lorenz in seinem Tun und Leid transparent war, so dass sie aus ihm strahlte, er von ihrer Glut leuchtete – gab ihm Kraft. Das Martyrium, das ruhmvolle Zeugnis für den Glauben, ebbt zum „furchtlosen“ Sterben ab. Und „dienen“ ist das einzige Verb, mit dem alle Aspekte von Lorenzens Wirken beschrieben werden können, anscheinend.
Gabengebet
alt
Accipe, quaesumus, Domine, munera dignanter oblata: et, beati Laurentii suffragantibus meritis, ad nostrae salutis auxilium provenire concede.
Übersetzung
Nimm an, bitten wir, Herr, die würdig dargebrachten Gaben, und, während die Verdienste des seligen Lorenz beistehen, gewähre dass [aus ihnen] Hilfe zu unserem Heil entsteht.
neu
Súscipe propítius, Dómine, múnera in beáti Lauréntii celebritáte lætánter obláta, et ad nostræ salútis auxílium proveníre concéde.
Übersetzung
Empfange gnädig, Herr, die zum Fest des seligen Lorenz fröhlich dargebrachten Gaben, und gewähre dass [aus ihnen] Hilfe zu unserem Heil entsteht.
Anmerkungen
  1. Die alte Oratio Secreta ist die gleiche wie die sonst am 25. Dezemter in der zweiten Messe (am Morgen) zum Gedenken (Commemoratio) der Heiligen Anasthasia genommenen. Obwohl sie im Römischen Kanon („Eucharistisches Hochgebet I“) erwähnt wird, wird ihrer postreformisch anscheinend nicht mehr gedacht.
  2. Die Bitte bleibt, wird aber nicht mehr durch die Verdienste des Heiligen (die ja im Reformeifer allenthalben gestrichen worden) unterstützt; dafür werden die Gaben am Festtag [wohl in Anspielung auf den Spott des Heiligen auf dem Rost] „fröhlich“ (statt einfach: „würdig“) dargebracht. Das nun kann ich aus eigener Anschauung bestätigen: zwar habe ich reichlich fröhlichen, seltener aber würdigen Messen beigewohnt.
Deutsches Messbuch
Herr, unser Gott, in der Nachfolge deines Sohnes wurde der heilige Laurentius zum Weizenkorn, das in die Erde fällt und reiche Frucht bringt. Mache auch uns zu einer Gabe, welche dir wohlgefällt und der Welt zum Segen wird.
Wa-a…?
Das ist offensichlich weder eine Übersetzung oder (frei) Übertragung und nicht einmal eine Umschreibung. Eigentlich ist es eher eine Wiederholung des Evangeliums (für Leute, die vor lauter aktiver Teilnahme etwas abgelenkt waren??). Das neue Gabengebet ist zwar jetzt auch nicht soo super oder leicht in verständliches Deutsch zu bringen, aber deshalb das Original ganz zu ignorieren und sich seine Messe improvisierend selber zu basteln – ist halt, wie die DBK vorzugehen gewählt hat. *kopfschüttel*
Schlussgebet
alt
Sacro munere satiati, supplices te, Domine, deprecamur: ut, quod debitae servitutis celebramus officio, intercedente beato Laurentio Martyre tuo, salvationis tuae sentiamus augmentum.
neu
Sacro múnere satiáti, súpplices te, Dómine, deprecámur, ut, quod in festivitáte beáti Lauréntii débitæ servitútis præstámus obséquium, salvatiónis tuæ sentiámus augméntum.
Übersetzung
Von der heiligen Gabe gesättigt, flehen wir dich, Herr, demütig an: weil wir die Zeremonie des geschuldeten Dienstes feiern, während der selige Lorenz, dein Martyrer, vermittelt/ weil wir am Fest des seligen Lorenz den Gehorsam des geschuldeten Dienstes leisten, mögen wir einen Zuwachs deines Heils bemerken.
Deutsches Messbuch
Gütiger Gott, am Festtag des heiligen Laurentius haben wir das Opfer gefeiert und das heilige Sakrament empfangen. Es heile uns von unseren Sünden und schenke uns Wachstum in deiner Gnade.
Hinweis
Die Eucharistie tilgt zwar lässliche sünden; das Sakrament, das uns von unseren Sünden heilt, ist aber ein anderes.
Fazit
Die Zusammenfassung wird „Niels“ überlassen, dem diese Dinge bereits vor längerer Zeit aufstießen:
Insgesamt zeigt mir eine flüchtige Lektüre eine deutliche Tendenz zur Heilsgewißheit - und damit zum Semipelagianismus - in den „neuen“ Texten im Vergleich zu den „alten“, wobei die deutsche Übersetzung immer noch eins draufsetzt und außerdem (ohne lateinische Textgrundlage) moralisiert.

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