Donnerstag, 29. August 2019

Geradheit ausgelehrt

Zur Enthauptung des Täufers und als vorläufigen Abschluss meines Ärgers über das Deutsche Messbuch gibt es noch einmal das volle Programm: die malerischen Neukompositionen des Reformmissales, die Fantasieleistungen des DM, die nüchternen Gebete des alten Messbuchs und als Bonus die einschlägige der zahlreichen neuen Präfationen, nämlich „von der Sendung des Vorläufers“.

Tagesgebet
Deus, qui beátum Ioánnem Baptístam et nascéntis et moriéntis Fílii tui Præcursórem esse voluísti, concéde, ut, sicut ille veritátis et iustítiæ martyr occúbuit, ita et nos pro tuæ confessióne doctrínæ strénue certémus.
Übersetzung
Gott, der du wolltest, dass der selige Johannes der Täufer sowohl im Geborenwerden als auch im Sterben der Vorläufer deines Sohnes sei, gewähre, dass, wie jener als Blutzeuge der Wahrheit und Gerechtigkeit starb, so auch wir für das Bekenntnis deiner Lehre energisch kämpfen mögen.
Deutsches Messbuch
Allmächtiger Gott, du hast den heiligen Johannes den Täufer berufen, deinem Sohn im Leben und im Tod voranzugehen und für Recht und Wahrheit Zeugnis zu geben. Gib auch uns die Kraft, für den Anspruch deiner Lehre unerschrocken einzutreten.
Anmerkungen
  • Gott ⇒ allmächtiger Gott
  • du wolltest, dass [er] sei ⇒ du hast [ihn] berufen
  • Vorläufer deines Sohnes sein ⇒ deinem Sohn vorangehen
    Johannes wurde zeitlich früher als Jesus geboren und getötet; außerdem war er sein Vorläufer im Sinne von Wegbereiter (eine Stimme ruft in der Wüste: bereitet dem Herrn den Weg usw.). „voranzugehen“ klingt mehr nach Beispiel geben oder anführen, was nicht gemeint ist
  • sowohl im Geborenwerden als auch im Sterben ⇒ im Leben und im Tod
    Leben [und irgendwie auch Tod] bezeichnet gelegentlich ziemlich lange Zeiträume, Geborenwerden oder Sterben dagegen Zeitpunkte. Wenn die ursprüngliche Aussage nicht unverständlich ist, wird sie doch ziemlich verwischt.
  • wie jener als Blutzeuge der Wahrheit und Gerechtigkeit starb ⇒ für Recht und Wahrheit Zeugnis zu geben
    Im Original Teil der Bitte in Form eines Vergleiches zwischen dem Vorläufer und uns, im DM ein Teil der Beschreibung von Johannes, unabhängig von der Bitte. Man rückt das (Blut)zeugnisgeben ein bißchen weiter von sich weg.
    Blutzeuge (Martyrer) zu sein geht deutlich über bloßes „Zeugnis geben“ hinaus.
  • gewähre, dass, wie jener … so auch wir ⇒ gib auch uns die Kraft
    Im Original ist das Beispiel des Vorläufers das Maß, im DM steht plötzlich eine „Kraft“ statt des Blutzeugnisses im Raum.
  • für das Bekenntnis deiner Lehre ⇒ für den Anspruch deiner Lehre
    confessio ist Bekenntnis (Geständnis, Beichte oder Glaubensbekenntnis), dann auch Lobpreis. Wo das DM seinen Anspruch her hat sehe ich nicht.
Diskrepanz
Lass uns Blutzeuge sein oder gib uns Kraft, für den Anspruch einzutreten?

Oratio (1962)
Sancti Ioannis Baptistae Praecursoris et Martyris tui, quaesumus, Domine, veneranda festivitas: salutaris auxilii nobis praestet effectum
Übersetzung
Das ehrwürdige Fest deines Heiligen Vorläufers und Blutzeugen Johannes’ des Täufers, bitten wir, Herr, verschaffe uns die Wirkung der heilbringenden Hilfe.

Gabengebet
Da nobis, Dómine, per hæc múnera quæ tibi offérimus, illam tuárum rectitúdinem semitárum, quam beátus Ioánnes, vox in desérto clamántis, edócuit, et, fuso sánguine, magna virtúte signávit.
Übersetzung
Gib uns, Herr, durch diese Gaben, die wir dir opfern, jene Geradheit deiner Pfade, die der selige Johannes, eine Stimme in der Wüste rufend, ausgelehrt* und durch das vergossene Blut mit großer Kraft besiegelt hat.
* So wie ausleeren eine Verstärkung von leeren ist, soll hier auslehren eine Verstärkung von lehren sein; korrektes Deutsch: gründlich gelehrt

Deutsches Messbuch
Herr, unser Gott, durch dieses heilige Opfer führe uns auf den geraden Weg, den uns Johannes als Rufer in der Wüste gewiesen hat und den er selbst bis zur Hingabe seines Lebens gegangen ist.
Anmerkungen
  • Herr ⇒ Herr, unser Gott
  • gib uns jene Geradheit deiner Pfade ⇒ führe uns auf den geraden Weg
    Das Original bittet, dass unsere Wege gerade seien wie Gottes Wege (d.h. dass wir gerecht und aufrichtig leben), das DM kennt den einen geraden Weg, auf dem es geführt werden will.
  • durch diese Gaben, die wir dir opfern ⇒ durch dieses heilige Opfer
    Es ist halt das Gebet über die Gaben, weshalb das Original von den Gaben spricht, das DM von etwas anderem.
  • der selige Johannes ⇒ Johannes
  • Stimme in der Wüste rufend ⇒ als Rufer in der Wüste
    Das Original zitiert die Heilige Schrift (Mt 3, 3; Mk 1,3; Lk 3, 4; Joh 1, 23, alle einen Bezug zwischen dem Täufer und Jes 40, 3 herstellend), das DM geht mit der Einheitsübersetzung (für die NT-Stellen – Beim einheitsübersetzen Jesaja ruft die Stimme: bereitet einen Weg in der Wüste). Nennen wir es einen Folgefehler.
  • [hat] ausgelehrt ⇒ uns gewiesen hat
    Ah, noch ein „Uns“ eingeschmuggelt.
    Original wird kein bestimmter Weg gewiesen, sondern die Geradheit der Wege gründlich gelehrt. Er könnte etwa gesagt haben: „Du elender und gerissener Betrüger, du Sohn des Teufels, du Feind aller Gerechtigkeit, willst du nicht endlich aufhören, die geraden Wege des Herrn zu verdrehen?“ (Apg 13, 10) oder anders: „Du bist gerecht in allem, was du getan hast. All deine Taten sind richtig, deine Wege gerade. Alle deine Urteile sind wahr“ (Dan 3, 27).
  • durch das vergossene Blut mit großer Kraft besiegelt hat ⇒ den er selbst bis zur Hingabe seines Lebens gegangen ist
    Johannes ist keinen Weg gegangen, sondern hat die Geradheit des Weges (bzw. deren Gegenteil, konkret: die Sündhaftigkeit von Herodes’ Ehebruch mit seiner Schwägerin) gelehrt, und hat diese Lehre mit seinem vergossenen Blut kraftvoll besiegelt. – Lektürehinweis für DM-Autoren: Mt 14, 3; Mk 6, 17; Lk 3, 19
    Er hat auch kein Leben hingegeben, wie jemand, der eine Wahl hätte (vgl. Joh 10, 18). Er wurde eher - quasi zur Partyunterhaltung gehörig - in Konsequenz seiner Konsequenz geköpft.
Secreta (1962)
Munera, quae tibi, Domine, pro sancti Martyris tui Ioannis Baptistae passione deferimus: quaesumus; ut eius obtentu nobis proficiant ad salutem.
Übersetzung
Die Gaben, die wir dir, Herr, für das Leiden deines heiligen Martyrers Johannes' des Täufers vorlegen: wir bitten, dass sie uns durch seinen Einfluss zum Heil nützen mögen.
[Das Anakoluth finde ich inelegant und unnötig. Hat jemand vergessen, das „ut“ zu streichen? Dann wäre das Satzgefüge stimmig.]


Schlussgebet
Concéde nobis, Dómine, beáti Ioánnis Baptístæ natále recenséntibus [Conferat nobis, Domine, sancti Ioannis Baptistae solemnitas], ut et salutária [magnifica] sacraménta quæ súmpsimus significáta venerémur, et in nobis pótius édita gaudeámus.
[Die in Klammern gegebene Einleitungszeile des Gebets im alten Missale wurde ersetzt, die Bitte weitgehend beibehalten.]

Übersetzung
Gewähre uns, Herr, die wir den Geburtstag* des seligen Johannes der Täufer betrachten [Das Hochfest des heiligen Johannes des Täufers, Herr, trage uns dazu bei], dass wir sowohl die durch die heilbringenden [großartigen] Sakramente, die wir empfingen, Bezeichneten verehren als auch uns an den in uns mächtiger Hervorgebrachten** erfreuen.
[* Gemeint ist der himmlische Geburtstag, also sein Todestag.
** Das Wort kann ebenfalls „geboren“ bedeuten, ist also eine Art Wortspiel mit Geburtstag; es meint die in uns hervorgebrachten Wirkungen der Sakramente.]

Deutsches Messbuch
Herr, unser Gott, wir haben das Sakrament des Heiles empfangen am Todestag Johannes‘ des Täufers, an dem er für das ewige Leben geboren wurde. Gib, dass wir dein Heilswerk verehren, das dieses heilige Mahl bezeichnet, und uns über das Große freuen, das es in uns wirkt.
Vergleich
  • Herr ⇒ Herr, unser Gott
  • des seligen Johannes der Täufer ⇒ Johannes‘ des Täufers
  • den Geburtstag ⇒ am Todestag, an dem er für das ewige Leben geboren wurde
  • gewähre uns, die wir … betrachten, dass ⇒ gib
  • [Sakramente, ] die wir empfingen ⇒ wir haben das Sakrament des Heiles empfangen
  • dass wir die durch die heilbringenden Sakramente Bezeichneten verehren ⇒ dass wir dein Heilswerk verehren, das dieses heilige Mahl bezeichnet
  • uns an den in uns mächtiger Hervorgebrachten erfreuen ⇒ uns über das Große freuen, das es in uns wirkt
Anmerkung
Das DM umschreibt im Erklärungsrausch ziemlich weitschweifig; da aber auch ich den Drang verspürte, erläutern zu sollen, bin ich bei diesem (doch ziemlich gestelzt formulierten) Original nicht geeignet, darüber zu klagen.

 
Präfation von der Sendung des Vorläufers
Vere dignum et iustum est, æquum et salutáre, nos tibi semper et ubíque grátias ágere: Dómine, sancte Pater, omnípotens ætérne Deus: per Christum Dóminum nostrum. In cuius Præcursóre beáto Ioánne tuam magnificéntiam collaudámus, quem inter natos mulíerum honóre præcípuo consecrásti. Qui cum nascéndo multa gáudia præstitísset, et nondum éditus exsultásset ad humánæ salútis advéntum, ipse solus ómnium prophetárum Agnum redemptiónis osténdit. Sed et sanctificándis étiam aquæ fluéntis ipsum baptísmatis lavit auctórem, et méruit fuso sánguine suprémum illi testimónium exhibére. Et ídeo, cum cælórum Virtútibus, in terris te iúgiter prædicámus, maiestáti tuæ sine fine clamántes: Sanctus, Sanctus, Sanctus …
Übersetzung
Wahrhaft würdig und recht ist, schicklich und heilsam, dass wir dir immer und überall Dank abstatten, Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott, durch Christus unseren Herrn.
In dessen Vorläufer, dem seligen Johannes, wir deine Großartigkeit loben, den du unter den von Frauen Geborenen mit vorzüglicher Ehre geheiligt hast. Der mit dem Geborenwerden große Freuden bereitet hatte und noch nicht hervorgebracht [geboren] gejubelt hatte über die Ankunft des menschlichen Heils*, der als einziger aller Propheten das Lamm der Erlösung gezeigt hat. Jedoch hat er sowohl den Schöpfer selbst in den zu heiligenden Fluten des Taufwassers gewaschen, als auch verdient, durch vergossenes Blut das höchste Zeugnis für jenen zu geben.
Und siehe, mit den Mächten der Himmel, verkünden wir dich fortwährend auf der Erde, deiner Majestät ohne Ende rufend: Heilig, heilig, heilig …
* = des Heils der Menschheit

Deutsches Messbuch
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und am Fest des heiligen Johannes das Werk deiner Gnade zu rühmen. Du hast ihn geehrt vor allen, die je eine Frau geboren hat, schon im Mutterschoß erfuhr er das kommende Heil, seine Geburt erfüllte viele mit Freude. Als Einziger der Propheten schaute er den Erlöser und zeigte hin auf das Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Im Jordan taufte er Christus, der seiner Kirche die Taufe geschenkt hat, so wurde das Wasser zum heiligen Quell des ewigen Lebens. Bis an sein Ende gab Johannes Zeugnis für das Licht und besiegelte mit dem Blut seine Treue. Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig, heilig, heilig …
Anmerkungen
Die Präfation kreist um zwei Themenbereiche: das des Vorläufers, das mit Worten des Wortfeldes Geburt gekennzeichnet ist (unter den von Frauen Geborenen [Mt 11, 11], Geborenwerden, hervorgebracht, Ankunft [Advent] des Heils), dann des Propheten, Täufers und Martyrers, der Zeugnis für Christus gibt. Das DM ersetzt die Hälfte der auf die Geburt bezogenen Ausdrücke und verwirrt die beiden Themenbereiche, denn es dreht die Reihenfolge der Ereignisse (im Mutterschoß …, seine Geburt …) um, verkennt dabei, dass sich das Jubeln im Mutterschoß und das folgende Zeigen des Lamms auf Johannes' prophetische Tätigkeit bezieht, während seine Geburt aus der als unfruchtbar geltenden Elisabeth ein davon getrenntes, im Original zuerst genanntes (und nicht zwischen die Aufzählung der prophetischen Taten geschobenes) Ereignis handelt. Also: die Tatsache, dass die Unfruchtbare ein Kind gebiert (vgl. „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar, du, die nie in Wehen lag, brich in Jubel aus und jauchze!“ Jes 54, 1), löst Freude aus (Lk 1, 58). Das prophetische Wirken umfasst den Jubel im Mutterleib (Lk 1, 41-44), das Zeugnis für das Lamm (Joh 1, 29.36), die Taufe Jesu (Mt 3, 13; Mk 1, 9; Lk 3, 21) und das Martyrium (Mt 14, 10; Mk 6, 27).
Das DM kürzt (entgegen der Gewohnheit in den übrigen Gebeten, aber wie immer zum Anfang der Präfation) energisch die Anrede und was sonst zum Ruhm Gottes gesagt wird, fantasiert dafür aber (wie immer) wortreich etliche nachgeholte Katechesen(?) dazu:
  • wahrhaft würdig und recht ist, schicklich und heilsam ⇒ in Wahrheit ist es würdig und recht
  • dass wir dir immer und überall Dank abstatten durch Christus unseren Herrn ⇒ dir zu danken
  • Herr, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott ⇒ allmächtiger Vater
  • in dessen [Christi] Vorläufer, dem seligen Johannes, wir deine Großartigkeit loben ⇒ am Fest des heiligen Johannes das Werk deiner Gnade zu rühmen
    Großartigkeit = Werk der Gnade?
    Der „Vorläufer“ scheint ein schwieriger Begriff zu sein und wird im DM hartnäckig vermieden; hier fehlt aber sowieso durch die Streichung des„durch Christus unseren Herrn“ der Anschluss für das „dessen“ …
  • den du unter den von Frauen Geborenen mit vorzüglicher Ehre geheiligt hast ⇒ du hast ihn geehrt vor allen, die je eine Frau geboren hat
    mit vorzüglicher Ehre geheiligt = geehrt?
  • der mit dem Geborenwerden große Freuden bereitet hatte ⇒ seine Geburt erfüllte viele mit Freude
    große Freuden = Freude für viele?? Eigentlich freuten sich die nur Nachbarn und Verwandte mit Elisabeth und Zacharias (Lk 1, 58)
  • [der] noch nicht hervorgebracht gejubelt hatte über die Ankunft des menschlichen Heils ⇒ schon im Mutterschoß erfuhr er das kommende Heil
    Johannes erfuhr nicht Heil, sondern er bezeugte jubelnd Jesus als das Heil der Menschheit.
    Die Wendungen „kommend“ statt „Ankunft“ und „im Mutterschoß“ statt „noch nicht geboren“ zerstört die Einheit der Wortwahl, die das Original (wie oben gesagt) auszeichnet.
  • der als einziger aller Propheten das Lamm der Erlösung gezeigt hat ⇒ als Einziger der Propheten schaute er den Erlöser und zeigte hin auf das Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt
    So oft, wie das DM sonst „alle“ dazudichtet, kann es das tatsächlich dastehende nicht auch noch aufschreiben, vor allem, weil es sich hier nicht auf „Uns“ bezieht.
    Das ständige Fantasie-„schauen“ des DMs … *Kopfschüttel*.
    Das „Lamm der Erlösung“ erläutert der Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 608: „das Osterlamm, das Sinnbild der Erlösung Israels beim ersten Pascha [Vgl. Ex 12,3-11; Job 19,36; 1 Kor 5,7.]“ Den Bezug zum Pascha des alten Bundes verliert das DM, indem es stattdessen Joh 1, 29 zitiert, wohl wähnend, dass der durchschnittliche Messbesucher ja nicht alles gelesen haben kann, und einen Hinweis auf das (erst mit der Liturgiereform in die Messe eingeführte) Agnus Dei gebend, mutmaßlich mit einem gewissen Stolz auf die erreichte „aktive Teilnahme“ der Gläubigen (die damit schließlich in ein Stichwort-Antwort-Spielchen einbezogen wurden).
  • er hat den Schöpfer selbst gewaschen ⇒ im Jordan taufte er Christus, der seiner Kirche die Taufe geschenkt hat
    Doppel-Ups.
    Das DM bezieht „baptismatis“ auf „auctor“ (Urheber der Taufe → „der seiner Kirche die Taufe geschenkt hat“), was mir so nicht eingefallen ist. Zwar ließ Jesus auch Taufen (Joh 3, 26.4, 1f.) und sandte vor der Himmelfahrt seine Apostel, alle Welt zu taufen (Mt 28, 19), aber hat man ihn je als „Urheber der Taufe“ bezeichnet? Zwar gab es um 440 einen gallischen Dichter Orientius, der über Christus sagte: Piscis natus aquis, auctor baptismatis ipse est. (Wie ein Fisch in Wassern geboren ist er selbst der Urheber der Taufe), und ein alter Hymnus wird verschieden punktiert; die mir sinnvollste Lesart ist aber „Tibi laus, perennis auctor, baptismatis sacrator“ (Lob dir, ewiger Schöpfer, du heiligst die Taufe). Passt also irgendwie nicht; daher hatte ich „baptismatis“ auf aquae bezogen (Wasser der Taufe → Taufwasser).
    Jordan [für „Fluten“?] und Christus [weil man für einen der vielen Nebensätze ein weiteres Bezugwort brauchte] sind wohl wieder wichtige Zusatzinformationen für den Gelegenheitszuhörer.
  • in den zu heiligenden Fluten des Taufwassers ⇒ so wurde das Wasser zum heiligen Quell des ewigen Lebens
    Das Taufwasser muss geheiligt werden, indem Christus in es hinabsteigt. Deshalb wird beim Ritus der Taufwassersegnung (Benedictio aquæ baptismalis) in der Osternacht auch die Osterkerze als Sinnbild für Christus [drei Mal] in das Wasser getaucht.
    Dies bestärkt mich in der Ansicht, dass auch im Text der Präfation „baptismalis“ auf „aquae“ zu beziehen ist. Und diese Zuordnung passt auch zum erwähnten alten Hymnus, wo Christus als Schöpfer und Heiligender der Taufe angesprochen wird.
    „zum heiligen Quell des ewigen Lebens“ ist wieder die wortreiche Fantasieleistung, die die Redeweise des DM so schwer erträglich macht. Das Taufwasser wird geheiligt, Punkt.
  • verdient, durch vergossenes Blut das höchste Zeugnis für jenen zu geben ⇒ bis an sein Ende gab Johannes Zeugnis für das Licht und besiegelte mit dem Blut seine Treue
    „mit dem Blut besiegelt“, hm, hätte das nicht im Gabengebet gesagt werden sollen? Aber besser spät als nie.
    Besiegelt er aber nicht eigentlich sein Zeugnis? Woher kommt die Treue?
    Das höchste Zeugnis ist das Martyrium – warum wird daraus ein „Zeugnis für das Licht“? Und es wird nicht „bis ans Ende“, sondern „durch das (gewaltsame) Ende“ gegeben.
    So viele Wörter, und so weit vom Ziel …

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