Donnerstag, 15. August 2019

Ad superna semper intenti

Zum Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria betet die Kirche:

Tagesgebet
Omnípotens sempitérne Deus, qui immaculátam Vírginem Maríam, Fílii tui Genetrícem, córpore et ánima ad cæléstem glóriam assumpsísti, concéde, quǽsumus, ut, ad supérna semper inténti, ipsíus glóriæ mereámur esse consórtes.
Übersetzung
Allmächtiger ewiger Gott, der du die unbefleckte Jungfrau Maria, deines Sohnes Gebärerin, mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen hast, gewähre, bitten wir, dass wir, auf die Oberen immer bedacht*, ihrer Herrlichkeit Gefährten zu sein verdienen.
* allezeit den Himmel als unser Ziel vor Augen habend
[Das Gebet ist identisch mit dem im altem Missale.]

Deutsches Messbuch
Allmächtiger, ewiger Gott, du hast die selige Jungfrau Maria, die uns Christus geboren hat, vor aller Sünde bewahrt und sie mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhoben. Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit.
Vergleich
  • die unbefleckte Jungfrau Maria ⇒ du hast die selige Jungfrau Maria vor aller Sünde bewahrt
  • deines Sohnes Gebärerin ⇒ die uns Christus geboren hat
  • zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen ⇒ zur Herrlichkeit des Himmels erhoben
  • gewähre, bitten wir ⇒ gib
  • wir, auf die Oberen [himmlischen Dinge] immer bedacht ⇒ dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen
  • dass wir ihrer Herrlichkeit Gefährten zu sein verdienen ⇒ auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit
Anmerkungen
  1. „Unbefleckt“ ist nicht das gleiche wie „vor aller Sünde bewahrt“, da Maria schon ohne Erbschuld empfangen wurde; sie wurde also nicht durch ihren Lebenswandel vor persönlichen Verfehlungen bewahrt und zur Mutter Gottes geeignet gemacht, sondern sie war es schon von Anfang an. Auch zeigt das Adjektiv deutlicher, dass das Unbeflecktsein eine Eigenschaft Mariens ist, und nicht eine erworbene Gewohnheit (der Sündenvermeidung).
  2. Das Deutsche Messbuch hat oft Schwierigkeiten mit dem Wort Gebärerin, sagt aber meist wenigstens Mutter. Das „die uns geboren hat“ schmuggelt wieder einmal unberufen das Thema jeder Messe („Uns“) ein.
  3. Schließlich ist die Reihenfolge im Original klar (war immer unbefleckt, wurde Gottes Mutter, und am heutigen Festtag hat Gott sie aufgenommen), im Deutschen Messbuch verwirrt (hat geboren, wurde vor Sünden bewahrt und erhoben), also ob das bewahren und erheben irgendwie gleichzeitige Prozesse wäre.
  4. Auch ist das „erhoben“ hier sehr sinnlos – Fachbegriffe werden nicht variiert (alte Regel), und das Fest heißt nicht „Mariä Erhebung“.
  5. Der etwas saloppe Umgang mit dem Schöpfer („gib“ statt „gewähre, bitten wir“) ist nichts Ungewöhnliches.
  6. Das „Zeichen der Hoffnung und des Trostes“ hat der Deutsches-Messbuch-Texter aus der Präfation geklaut; es ist dort von der Mutter Gottes gesagt. Wäre diese allerdings hier gemeint, müsste es „ad supernam“ heißen (was - selbst wenn sie in den Himmel aufgenommen ist – etwas blasphemisch wäre, denn bei den Heiden sind die superni die Götter). Hier sind die superna (Neutrum Plural) die oberen/himmlischen [Dinge, Angelegenheiten, Belohnungen], weshalb anderssprachige 1970er (d.h. grottig übersetzte) Messbücher den Ausdruck mit „allezeit den Himmel als unser Ziel vor Augen“ umschreiben.
  7. Dann wandelt das Deutsche Messbuch (wie so oft) eine Zustandsbeschreibung (wir sind allezeit auf die Oberen bedacht) in eine Bitte um (als müsse erst erbeten werden, dass wir auf „dieses Zeichen“ schauen) – und das „immer“ entfällt ersatzlos.
  8. Was original erbeten wird (das „Gefährten zu sein verdienen“) wird dageben als gegeben hingenommen (nämlich dass wir auf dem Weg zur Herrlichkeit sind), so dass wir nur noch darauf zu „bleiben“ erbitten müssen. Ziemlich zuversichtlich, der Messbuchtexter.
  9. Das Deutsche Messbuch mag Heilige noch weniger als das reformische Missale selbst und muss wohl „ihre [Mariens] Herrlichkeit“, der uns zugesellen zu dürfen wir erbeten, in „deine [Gottes] Herrlichkeit“ unwandeln. Denn wenn schon denn schon; bloß so herrlich wie die selige Jungfrau möchte der Texter dann doch nicht enden.
Gabengebet
Ascéndat ad te, Dómine, nostræ devotiónis oblátio, et, beatíssima Vírgine María in cælum assúmpta intercedénte, corda nostra, caritátis igne succénsa, ad te iúgiter aspírent.
[Ebensfalls identisch mit dem im altem Missale.]

Übersetzung
Aufsteigen möge zu dir, Herr, das Opfer unserer Ergebenheit, und, während die in den Himmel aufgenommene allerseligste Jungfrau Maria vermittelt, mögen unsere Herzen, vom Feuer der Liebe entflammt, zu dir zu gelangen beständig erstreben.
Deutsches Messbuch
Allmächtiger Gott, unser Gebet und unser Opfer steige zu dir empor. Höre auf die selige Jungfrau Maria, die du in den Himmel aufgenommen hast, und entzünde in unseren Herzen das Feuer der Liebe, damit wir dich allezeit suchen.
Vergleich
Herr ⇒ allmächtiger Gott
das Opfer unserer Ergebenheit ⇒ unser Gebet und unser Opfer
während … vermittelt ⇒ höre auf …
unsere Herzen, vom Feuer der Liebe entflammt ⇒ entzünde in unseren Herzen das Feuer der Liebe
mögen [unsere Herzen] zu dir zu gelangen beständig erstreben ⇒ damit wir dich allezeit suchen

Anmerkungen
  • Dass das Deutsche Messbuch die Gebete zerstückelt (was noch nicht eigentlich falsch ist, wenn die lateinischen Sätze lang sind), die Bruchstücke durcheinander wirbelt und das Vorher und Nachher, das Weswegen und Wozu verwirrt, ist schon oft genug beklagt worden:
  • Dass die selige Jungfrau fürbittet, macht unser Beten zuversichtlicher (original); das Deutsche Messbuch dreht um und legt Fürsprache für Maria ein: „Höre auf die selige Jungfrau“.
  • Unsere Herzen sind vom Feuer der Liebe entflammt (original); das Deutsche Messbuch bittet, dass das Feuer entzündet werden möge.
  • Die Orignalbitte, die Herzen mögen unterstützt werden, damit sie sich „beständig“ darauf fokussieren, zu Gott zu gelangen, wird deutschmessbuchlich zu einer einer Begründung der Bitte um das Entflammen, wobei keineswegs als unstrittig gelten darf, dass „danach streben, näher zu Gott zu gelangen“ mit „Gott suchen“ gleichbedeutend ist.
    [Noch dazu ist die Konnotation im Wort aspirent deutlich intensiver: atmen/leben auf Gott hin.]
  • Jedenfalls ist das „Opfer unserer Devotion [Hingabe, Verehrung, Ergebenheit, Frömmigkeit, Demut]“ kaum im „unser Gebet und unser Opfer“ wiederzuerkennen.
Schlussgebet
Sumptis, Dómine, salutáribus sacraméntis, da, quǽsumus, ut, [meritis et]* intercessióne beátæ Maríæ Vírginis in cælum assúmptæ, ad resurrectiónis glóriam perducámur.
Übersetzung
Nachdem wir, Herr, die heilbringen Sakramente empfangen haben, gib, bitten wir, dass wir, durch die [Verdienste und die] Fürsprache der in den Himmel aufgenommenen seligen Jungfrau Maria, zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden.
* der Ausdruck steht nur im alten Missale; ansonsten sind die Gebete gleich

Deutsches Messbuch
Barmherziger Gott, wir haben das heilbringende Sakrament empfangen. Lass uns auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, die du in den Himmel aufgenommen hast, zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Vergleich
Herr ⇒ barmherziger Gott
die heilbringen Sakramente ⇒ das heilbringende Sakrament
gib, bitten wir, dass wir ⇒ lass uns
geführt werden ⇒ gelangen

Anmerkung
Oh. Sind hier keine wesentlichen inhaltlichen Änderungen vorgenommen worden? Da war wohl ein Praktikant am Werk ...

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