Freitag, 27. Dezember 2019

die Verschlossenen deines Wortes entriegelt

Das Fest des heiligen Johannes Apostel & Evangelist (in meiner Heimatgemeinde das Patrozinium) wird mit folgenden Gebeten begangen:

Tagesgebet
Deus, qui per beátum apóstolum Ioánnem Verbi tui nobis arcána reserásti, præsta, quǽsumus, ut, quod ille nostris áuribus excellénter infúdit, intellegéntiæ competéntis eruditióne capiámus.
Übersetzung
Gott, der du durch den seligen Apostel Johannes die Verschlossenen* deines Wortes** entriegelt*** hast, gewähre, bitten wir, dass wir was jener unseren Ohren vortrefflich eingoss, durch Unterricht eines angemessenen Verständnisses aufnehmen.
* Die Geheimnisse, als etwas, das wie in einer Schatzkiste eingeschlossen ist, oder was öffentlich verschwiegen wird.
** also der zweiten Person der Trinität
*** wie in: offenbart

Deutsches Messbuch
Allmächtiger Gott, du hast uns durch den Evangelisten Johannes einen Zugang eröffnet zum Geheimnis deines ewigen Wortes. Lass uns mit erleuchtetem Verstand und liebendem Herzen erfassen, was er in gewaltiger Sprache verkündet hat.
Vergleich
  • Gott ⇒ allmächtiger Gott
  • den seligen Apostel Johannes ⇒ den Evangelisten Johannes
  • du hast entriegelt ⇒ du hast uns einen Zugang eröffnet
  • die Verschlossenen ⇒ zum Geheimnis
    Das DM gibt Sakrament, Mysterien, Arcana und Secreta (vgl.u.) als „Geheimnis“ wieder. Kein Wunder, dass einige Details durcheinandergeraten. Und das Bild der entriegelten Schatzkiste geht auch kaputt.
  • gewähre, bitten wir, dass wir aufnehmen ⇒ lass uns erfassen
  • durch Unterricht eines angemessenen Verständnisses ⇒ mit erleuchtetem Verstand und liebendem Herzen
    ???
    Die Lehrtätigkeit des Episkopats ist suspendiert, und jeder macht sich selbst erleuchtet einen Reim? Warte, wo hab ich sowas schon mal gehört – es war aber nicht in einer katholischen Kirche, oder?
  • was jener unseren Ohren vortrefflich eingoss ⇒ was er in gewaltiger Sprache verkündet hat
    Das Johannes-Evangelium hat einen Wortschatz von ca. 1000 Wörtern und bringt grammatisch gelegentlich die Zeiten durcheinander. Das ist mehr ein Stammeln angesichts der Größe und Erhabenheit des Mitzuteilenden, als „gewaltige Sprache“. So kann das eigentlich nur jemand bezeichnen, der nie einen Blick hineingeworfen hat.
    „Exzellent den Ohren eingeträufelt“ ist natürlich der Prolog, der desto mehr Unterrichtung zu seinem Verständnis erfordert.
Gabengebet
Múnera, quǽsumus, Dómine, obláta sanctífica, et præsta, ut ex huius cenæ convívio ætérni Verbi secréta hauriámus, quæ ex eódem fonte apóstolo tuo Ioánni revelásti.
Übersetzung
Die geopferten Gaben, bitten wir, Herr, heilige, und gewähre, dass wir aus dem Festessen jenes Abendmahls die Abgeschiedenen* des ewigen Wortes schöpfen, welches du aus derselben Quelle deinem Apostel Johannes offenbart hast.
* Die Geheimnisse, aber verstanden als das, was besonders und in der Abgeschiedenheit (als Johannes an der Brust des Herrn lag) anvertraut wird.

Deutsches Messbuch
Allmächtiger Gott, heilige die Gaben, die wir darbringen, und lass uns im heiligen Mahl das Geheimnis deines ewigen Wortes erfassen, das du dem Evangelisten Johannes in dieser Feier erschlossen hast.
Vergleich
  • die geopferten Gaben ⇒ die Gaben, die wir darbringen
    Was wäre ein DM-Gebet ohne „Wir“?
  • bitten wir, Herr ⇒ allmächtiger Gott
  • gewähre, dass wir schöpfen ⇒ lass uns erfassen
    Das originale Bild von schöpfen aus der Quelle geht den Bach runter.
  • aus dem Festessen jenes Abendmahls ⇒ im heiligen Mahl
    Sowohl die Anspielung auf das ewige Gastmahl als auch die auf das letzte Abendmahl [und beider Gleichsetzung mit der Eucharistiefeier] gehen im DM verloren.
  • die Abgeschiedenen ⇒ das Geheimnis
    Mir ist unklar, welches „Geheimnis“ das DM meint; das Original spielt auf Joh 13, 23-26 und die Abschiedsrede bis Kapitel 17 einschließlich an.
  • aus derselben Quelle ⇒ in dieser Feier
    ???
    Die DMlichen Worte beziehen sich normalerweise auf die aktuelle Messe; was können die hier? Das Original spricht vom Letzten Abendmahl.
  • offenbart hast ⇒ erschlossen hast
    Und das letzte Buch der Bibel ist unter deutschen Fachleuten auch als „Erschließung des Johannes“ bekannt.
    Das „erschlossen“ könnte höchstens im Tagesgebet das „entriegelt“ ersetzen. Wenn man hier nahe am revelare bleiben will, könnte man „entschleiert“ sagen, was aber nichts Wesentliches beiträgt.
Schlussgebet
Præsta, quǽsumus, omnípotens Deus, ut Verbum caro factum, quod beátus Ioánnes apóstolus prædicávit, per hoc mystérium quod celebrávimus hábitet semper in nobis.
Übersetzung
Gewähre, bitten wir, allmächtiger Gott, dass das Fleisch gewordene Wort, das der selige Apostel Johannes verkündigt hat, durch dieses Mysterium, das wir gefeiert haben, immer unter uns wohnt.
Deutsches Messbuch
Allmächtiger Gott, der heilige Apostel Johannes hat deinen Sohn verkündet als das Wort, das Fleisch geworden ist. Gib, dass Christus durch diese Feier immer unter uns wohne, damit wir die Fülle deiner Gnade empfangen.
Vergleich
  • durch dieses Mysterium, das wir gefeiert haben ⇒ durch diese Feier
Die markierten Passagen haben keine Entsprechung im Original.


Nach dem alten Messbuch betet man:

Oratio
Ecclesiam tuam, Domine, benignus illustra: ut, beati Ioannis Apostoli tui et Evangelistae illuminata doctrinis, ad dona perveniat sempiterna.
Übersetzung
Deine Kirche, Herr, erhelle gnädig, damit sie, durch deines seligen Apostels und Evangelisten Johannes’ Lehren erleuchtet, zu den ewigen Geschenken gelange.
Secreta
Suscipe, Domine, munera, quae in eius tibi solemnitate deferimus, cuius nos confidimus patrocinio liberari.
Übersetzung
Empfange, Herr, die Gaben, welche wir dir zu dessen Festlichkeit herbeibringen, durch wessen Vertretung befreit zu werden wir vertrauen.
Postcommunio
Refecti cibo potuque caelesti, Deus noster, te supplices deprecamur: ut, in cuius haec commemoratione percepimus, eius muniamur et precibus.
Übersetzung
Gestärkt von himmlischer Speise und Trank, unser Gott, flehen wir dich demütig an, dass zu wessen Andenken wir diese empfangen haben, durch dessen Gebete mögen wir auch geschützt werden.

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